Dienstag, 16. Dezember 2008

Weihnachten, Weihnachten!

So, der wahrscheinlich letzte Eintrag in diesem Jahr aus der Stadt der Städte, gleich nach Oldenburg, versteht sich. In der letzten Zeit ist hier ziemich Ruhe eingekehrt. Vorerst keine Reisen mehr in andere Städte, man ist ein bisschen müde und erschöpft. Und ich sehne mich doch, auch wenn ich die Zeit hier zu 120% genieße, nach Oldenburg zurück. Am Montag steht meine 8 stündige Zugrückfahrt gen Heimat an. Zuvor wären noch 2 Testate zu bewerkstelligen; Dermatologie und Gerichtsmedizin. Ersteres habe ich für mich gerade geskippt und auf post-Weihnachtsferien verschoben. Einerseits bin ich ausgebrannt, und will die letzte Woche noch ein bisschen befeiern, andererseits ist es stinklangweilig und das Testat soll wohl auch ein bisschen anspruchsvoller sein. Aufgeschoben ist aufgehoben, oder? Zumindest für dieses Jahr. Zur Gewissensbereinigung hat Micha mich an die Worte des hiesigen Dekans erinnert: "Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt, und studieren sie nicht nur, sondern genießen Sie die Zeit hier." An derlei Empfehlungen halte ich mich gerne. Gerichtsmedizin reicht aus. Und ist auch interessanter. Zwei Selbstmorde, ein Sprung aus großer Höhe und einer per Feuerwaffe. Auf jeden Fall spannender als Neurodermitis. Außerdem habe ich vergangene Woche mein Uroexamen ziemlich gut gemeistert. Also locker machen!
Partytechnisch ging in der letzten Zeit nicht gar so viel. Ein erwähnenswerter Event war eine von Spaniern vorgezogene Silversterparty am 13.12. da die meisten über Silvester nicht gemeinsam in Prag sein werden. Wenn man in Spananien Silvester feiert wird man mit einem komischen Brauchtum konfrontiert: Um 0 Uhr muss man mit jedem Glockenschlag einer Uhr eine Weintraube verzehren. Und eben dies wurde von ca. 40 ERASMUSlern auf einem der größten Touriplätze hier in Prag zelebriert und von mir per Videodokumentation festgehalten.

Das war ein Teil der Truppe, mit dem wird "Silvester" gefeiert haben.


Ansonsten habe ich mich ein bisschen mit dem Kulturprogramm hier auseinandergesetzt, und ein paar Opern und weitere günstige Konzertsäle ausgemacht. Im sogenannten Rudolfinum, ein unglaublicher Saal mit einer Orgel die etwa die ausmaße unserer Hausfasade hat, kann man als Student für 2 Euro regelmäßige Konzerte von bester Qualität besuchen. Das Orchester wird immerhin von der tschechischen Philharmonie gestellt.
Die Opern kann man hier bei einem Eintrittspreis von 8 Euro aufwärts besuchen. Wahnsinn.
So, das war es wahrscheinlich erstmal von der prager Front, nächstes Jahr gehts hoffentlich mit ein paar Reisen (Wien, Budapest, Snowboarden?) weiter. Dann stehen noch mindestens Orthopädie und Genetik an, evtl. kommt noch Gynäkologie dazu - das hängt aber von der hiesigen Organisation ab. Den fleißigen Lesern dieser Seite (gibt es die?) wünsche ich auf jeden Fall schöne Weihnachten und falls man sich nicht mehr sieht/spricht ein feuchtfröhliches Fest ins neue Jahr.

Freitag, 5. Dezember 2008

Krakau

Wochenende! Und somit Zeit für einen Blogeintrag, insbesondere zum vergangenen Wochenende, das ich mit 16 weiteren ERASMUS-Studenten in Krakau verbracht habe. War eine sehr schöne und eindrucksvolle Zeit. Am Donnerstag Abend sind wir per Nachtzug in 8 Stunden nach Polen gefahren, und kamen also völlig verpennt und übernächtigt um sieben morgens in Krakau an. Dafür hatten wir aber bei zwei Übernachtungen im Hostel einen kompletten Tag mehr zur Verfügung.

Am Freitag haben wir uns Krakaus Innenstadt angeschaut. Da ich von Kommilitonen gehört hatte, dass Krakau ein bisschen wie Prag in klein sei, ging ich mit entsprechenden Vorstellungen dorthin - und wurde anständig enttäuscht. Nur ein kleiner Teil der immerhin Millionenstadt ist wirklich sehenswert. Sobald man aber den kleinen Altstadtkern verlässt, wirds östlich-plattig. Das etwas außerhalb gelegene Schloss war nett anzuschauen - die Polen sind immer noch stolz wie Oskar auf ihren Papst Paule, dem zu Ehren sie mehr oder weniger ein halbes Museumsstockwerk als Johannes-Schrein eingerichtet haben. Man konnte dort spannende Dinge, wie zum Beispiel seine Indoor-wohlfühl-Schlappen, einen Becher aus dem er mal getrunken haben soll und noch vieles mehr besichtigen. Sehr sehenswert... Abends war dann kochen angesagt. Für 17 Leute ist das schon eine ziemlicher Herausforderung, die allerdings bravourös gelöst wurde. Da am nächsten Tag der Besuch im KZ Auschwitz/Birkenau anstand, ging es früh ins Bett.



Auschwitz war, hmm, eindrücklich-erschütternd. Gelesen hat man ja durchaus eine ganze Menge darüber und wurde in der Schule hypersensibilisiert; aber diese perfektionierte Tötungsfabrik hautnah zu erleben überstieg meine Vorstellungskraft. Dass der Mensch nur noch als Materie anzusehen war, die es kostengünstig und rasch zu töten und zu verbrennen galt, schnürte mir die Kehle zu. Ich kann jedem nur empfehlen Auschwitz einmal direkt zu erleben.
Dies galt es auf jeden Fall zu verarbeiten, und entsprechend kurz fiel dann auch das Abendprogramm aus.
Am nächsten Tag ging es um zwei bereits zurück nach Prag, nachdem wir noch ein paar weitere Ecken der Altstadt erkundeten und die vielleicht dickste heiße Schokolade der Welt getrunken haben.
Es war auf jeden Fall ein wieder rundum gelungenes Wochenende.
Dies Wochenende verläuft wahrscheinlich eher ruhig. Heute Abend geht es endlich mal wieder in eine Jazz-Blues-Kneipe, ansonsten steht noch nichts an. Außer vielleicht ein bisschen lernen für meine Urologieprüfung, die ich am Mittwoch habe. Die zurückliegenden zwei Wochen Uro waren durchwachsen bis schlecht. Einziger Lichtblick war eine radikale Prostatektomie. Eine sehr ambitionierte Kommilitonen, die meist nur durch dämliche Fragen aufgefallen ist, assistierte bei der OP, verließ dann plötzlich im Rückwärtsgang den OP-Tisch und kollabierte mir in die Arme. Daraufhin durfte ich weiter assistieren, mir wurde eine ganze Menge erklärt und am Ende habe ich dann den Pansen zugenäht. Ansonsten war die Veranstaltung leider äußerst dürftig - eigentlich schade, denn Uro ist, abgesehen von zu vielen männlichen Genitalien, irgendwie ein nettes kleines Fach, das sowohl konservative wie auch chirurgische Arbeit, und damit Abwechslung bietet.
Nächste Woche geht es dann hier mit zwei Wochen Dermatologie los und dann bin ich am 22sten schon wieder in good old Oldenburg!
Weitere Bilder vom Wochenende