Montag, 22. März 2010

Safari!!

Was für ein Wochenende! Zum Glück ist heute hier irgendein Feiertag, so dass wir zu Hause bleiben können, um ein bisschen die Eindrücke zu verarbeiten.
Am Freitag hatten wir wieder einen 24h Dienst, sind aber schon gegen 22:00 abgedampft, da Samstag für St. Lucia und Sonntag für ein Reservat reserviert war.
Gemeinsam mit Mike und einer Freundin von ihm sind wir Samstag morgen mit jeder Menge Bier im Kofferraum nach St. Lucia aufgebrochen, das ca. 3 Stunden Autofahrt von Durban entfernt liegt. Dort haben wir den Strand und einen angrenzenden Fluss angesteuert. Ein paar Locals haben uns einen Bereich empfohlen, bei dem wir dann auch gleich eine ganze Hippo-Familie angetroffen haben. Diese Flusspferde sind mit ziemlicher Vorsicht zu genießen, da sie im Jahr wesentlich mehr Menschen töten, als irgendein anderes Tier in Südafrika. Mit dieser Warnung haben wir uns dann auf ca. 30 Meter an die Tiere herangewagt, was die Viecher wohl schon nicht so super fanden, da sie vorher die ganze Zeit nur ruhig im Wasser lagen, und unruhiger wurden, je näher wir kamen. Gut für Fotos, schlecht für den Blutdruck. Aber sehr beeindruckend große Tiere.
Die Nacht über haben wir bei skurrilen Alt-68-Typen in einem Hostel verbracht, die von irgendwelchen Musikfestivals und LSD gefaselt haben, während sie schön ihr own-grown Gras schmökerten, und dass die Drogen immer krasser werden. Keine Ahnung was bei denen noch so neben THC und jeder Menge Alkohol in der Blutbahn schwamm.
Nachdem der Samstag wettertechnisch superschön war, haben wir Pech mit dem Sonntag gehabt. Es hat die meiste Zeit geregnet, was uns die Sicht im Auto manchmal völlig genommen hat. Einige Straßen waren durch Flussüberschwemmungen nicht mehr befahrbar, und bei unserer alten Schleuder habe ich auch manchmal Bedenken gehabt, ob sie es schafft, bei den Matschwegen und der Steigung, uns durch den Gamepark zu bringen. Aber sie hat diese erste große Bewährungsprobe wunderbar gemeistert.
Trotz des Wetters war dieser Tag der bislang vielleicht eindrucksvollste. Wir haben so unglaublich viele Tiere gesehen, vor allem im Gegensatz zu anderen Besuchern, mit denen wir uns unterhalten haben: Nashörner, Giraffen, Zebras, Warzenschweine, Elefanten, Büffel, Affen und antilopenartige Vierbeiner noch und nöcher. Und das aus direkter Nähe! Das einzige, was fehlte, waren die großen Katzen und kein einziges Krokodil hat sich blicken lassen. Aber der Tag war ein voller Erfolg und ich glaube fast nicht, dass wir noch mal so viel Glück haben. Als wir grad laut gedacht haben: Einen Elefanten haben wir aus nächster Nähe noch nicht gesehen, hat sich nach der nächsten Kurve direkt einer blicken lassen, der dann auch noch 200 Meter auf der Straße mit uns mitgelaufen ist.
Aber ich glaube mein Geschreibsel hier kann diese Eindrücke nicht annähernd so gut wiedergeben, wie die Bilder, die auch alles andere als an die Realität herankommen. Wenn ich demnächst eine schnellere Internetverbindung habe, werde ich wahrscheinlich noch ein paar Videos einstellen.

Dienstag, 9. März 2010

Auto!!!

Yeah! Auto am start. Für 2500 Euro haben wir uns nen alten Opel Astra gekauft. 260.000 km runtergefahren, Klimaanlage – serienmäßig, und man kann die Sitze soweit versenken, dass man eine plane Fläche zum drauf schlafen hat. Exzellent! Sieht zwar nicht so super aus, und ist mit einem Baujahr von 1996 und 260.000 km durchaus schon eine alte Schleuder, aber unser Berater Winston meinte sofort, dass man da nicht viel falsch machen kann, und die Kiste locker wieder für den selben Preis losbekommt. Ich hoffe, dass das so stimmt, aber wahrscheinlich kauft er es uns sogar wieder ab. Wie gesagt, er verdient sich ein bisschen was zu seiner Rente dazu, indem er Gebrauchtwagen kauft und wieder verkauft. Außerdem hat er lange Zeit in einer Werkstatt gearbeitet, und kennt sich wohl aus. Ich glaube auch, dass er ziemlich genau weiß, was er will, und wie mit den Leuten zu verhandeln ist. Man fühlte sich auf jeden Fall sicher mit so einem alten Fuchs unterwegs zu sein, an dem das Gelaber von den schmierigen Gebrauchtwagenhändlern einfach abperlt. Micha und ich sind leider ziemliche Nixblicker, wenn es um Autos geht.
Was unsere Bekanntschaften hier angeht, fällt uns echt einiges in den Schoß.
Auf jeden Fall mussten wir feststellen, dass Autos hier um ein wesentliches teurer sind als daheim. Für einen Gebrauchtwagen zahlt man hier mal locker das Doppelte und wahrscheinlich hat der ein oder andere von euch auch bei dem Preis und den Konditionen ein bisschen sparsam geguckt.
Kann uns aber mehr oder weniger egal sein, da wir die Kiste bald wieder losschlagen wollen. Und wenn wir 500 Euro Verlust machen ist das immer noch besser als mehr als 2000 Euro Miete für einen Wagen hier zu zahlen, die danach in den Wind geschossen ist.
Dieser Automarkt fand mitten in Durban auf einem großen Parkplatz/Rasenfläche statt, und es wurden bestimmt rund 300 Autos feilgeboten. Leider war nicht die Zeit so wahnsinnig viele Bilder zu machen. Vor allem weil ich mit unserem Geld in der Tasche nicht mehr Aufmerksamkeit auf mich ziehen wollte.
Im Endeffekt haben wir das Auto erst zwei Tage später bezahlt. War auch ein bisschen komisch. 25.000 Rand (Afrikanische Währung) in Bar, und das alles in 100 Randscheinen, weil die Automaten hier nichts anderes ausspucken. Dennoch gibt es nur noch den 200 Randschein da drüber, und sonst nix. Das wäre so, wie wenn bei uns ein zwanzig Euroschein die größte Geldnote wäre. Und das, obwohl die Preise hier auf jeden Fall mit den deutschen vergleichbar sind. Saudämlich. Naja, wir haben auf jeden Fall erst fröhlich 250 Scheine gezählt (siehe Bilder), und die dann irgendwie verpackt mitgenommen. Der Ort des „Deals“ war auch witzig. Da man irgendwo ungestört und sicher Geld zählen will, sind wir zu einem großen und beschrankten Parkplatz eines Casinos gefahren. Komische Erfahrung irgendwie, mit so viel Geld rumzugurken, und man hofft an jeder roten Ampel, dass sie gleich grün wird, und man nicht von irgendwelchen Leuten um 25.000 Rand erleichtert wird, bzw. ein bisschen besorgt, dass, beim Casino angekommen, neben dem Autoverkäufer auch noch seine Brüder auftauchen und die lieber mit dem Geld und dem Auto wieder heimfahren. Es hat aber alles gut geklappt, und wir sind jetzt stolze Besitzer eines Opel Astras!
Hier gibt’s aber ein paar Bilder u.a. von unserer Karre, Winston (unserem Car-Consultant) und dem Markt.
Vorgestern hatten wir Besuch von ein paar Affen, wegen denen wir immer die Fenster schließen sollen, wenn wir nicht zu Hause sind. Oft werden wir von einigen Affen geweckt, die über unser Dach poltern. Vor 2 Tagen hatte ich mal die Gelegenheit Fotos von einer kompletten Affenfamilie zu machen. Imposant sind vor allem die alten Männchen, deren recht große Hoden ganz hellblau sind. Ich habe leider nur einen relativ jungen Kollegen ablichten können, wenn mir ein altes Prachtexemplar vor die Linse hüpft, wird’s geblockt, versprochen!
Bilder dazu.

Samstag, 6. März 2010

Strand und so

So Leude,
jetzt gibts mal ein paar Bilder auf die Augen zum neidisch werden :)
Gestern waren wir zusammen mit Mike am indischen Ozean. Über einen verborgenen Pfad durch dschungelartige Atmosphäre sind wir Barfuß zum Strand gelaufen. Ziemlich coole Sache: 5 km Strand und keine Menschenseele. Anschließend waren wir bei Mike eingeladen auf ein Barbecue. War auch ganz witzig.
Morgen fahren wir gemeinsam mit dem Bekannten der Vermieterin auf diesen Automarkt, in der Hoffnung dort ein gutes und billiges Auto für uns zu finden. Ich mach drei Kreuze, wenn das endlich klappt. Anschließend geht es direkt ins Krankenhaus, und dort ist Nachtschicht bis Montag 9 Uhr angesagt. Ich hoffe, dass wir ein bisschen was zu sehen bekommen, und nicht nur die meiste Zeit rumsitzen und uns langweilen.
Bislang gibt es noch nicht viel neues zu erzählen. Wir sind immer noch ein bisschen mit an- und klarkommen beschäftigt und müssen unbedingt in den nächsten Tagen mal das erste Reiseziel hier klarmachen. So richtig viel gesehen von Afrika haben wir noch nicht, aber das, was sich uns bislang gezeigt hat, war sehr eindrucksvoll.
Hier die angekündigten Bilder!

Mittwoch, 3. März 2010

Krankenhaus

Mehr als die erste "Arbeitswoche" liegt mittlerweile hinter uns. Neben Auto- Wohnungsorganisation war es ziemlich anstrengend, in einem völlig anderen Krankenhausumfeld und Kultur zu arbeiten. Vor allem der Südafrikanische Akzent macht uns zu schaffen. Teilweise sprechen die Patienten nicht einmal Englisch. Dann müssen die Schwestern übersetzen. Ich weiß nicht wieviel Sprachen in Durban gesprochen werden, aber es sind auf jeden Fall einige. Unter anderem Africaans, Zulu, Swazi, Sotho, Tsonga, XuxuHuthuTutsiRumbablablabla oder mein absoluter Favourite: Xhosa. Bei letzterer bauen die Leute hier in ihren Sprachgebrauch mehr oder weniger al gusto irgendwelche Klick- oder Schnalzlaute ein, was extrem witzig klingt.
Aber zurück zum Krankenhaus:
Was die sterilen Umstände angeht, sind wir aus Prag ja bereits schon zu Deutschland unterschiedliche Standarts gewohnt. Das hier ist aber auf jeden Fall einige Nummern härter. Dies Haus ist eine öffentliche Klinik, die direkt an die hier ansässige Uni von Kwazulu-Natal angeschlossen ist, und es ist, gelinde gesagt, ein absolutes Drecksloch. Neben Ratten, Katzen und Kakerlaken fliegt auch gerne mal die ein oder andere Taube durch die 40 Betten umfassende Station, die aus einer großen Halle besteht. Wenn man durch die Gänge hier läuft, herrscht teilweise ohrenbetäubender Lärm, verursacht von irgendwelchen undichten Rohren. überall tropft, zischt und rumpelt irgendetwas. Dieses Arrangement passt sich aber wunderbar in den runtergekommenen roten Backsteinbau hier ein.
Bei ca. 30 Grad im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von gefühlten 200% fehlen auf der Station natürlich die Klimaanlagen, so dass wir nicht schön im ärztedefinierendem weißen Kittel durch die Gegend laufen, sondern in T-Shirt und kurzer Hose. Alles was uns zu einer respektierten Persönlichkeit macht, ist die viel zu blasse Hautfarbe (ich hoffe, das ändert sich in absehbarer Zeit) und natürlich das professionell um den Hals gehängte Stethoskop. Langer Kittel und lange Hose würde für mich überhaupt nicht gehen. Ich wäre nicht mehr in der Lange auch nur irgendetwas zu tun, sondern würde einfach davon fließen.
Bei diesen Umständen müssen die Patienten hier auf jeden Fall über weit mehr Ressourcen verfügen, als der gemeine deutsche Kranke. Ich bin mir sicher, dass es hier in Durban auch ganz andere Häuser gibt, die den westlichen Standarts entsprechen. Dies hier ist auf jeden Fall ein dritte-Welt-Krankenhaus. Und das Patientengut zu 99% schwarz.
Ein weiterer erwähnenswerter Punkt sind die Blutabnahmen. Daheim wird ja alles mit einmal-wegwerf-Containersystemen abgenommen. Hier sieht das folgendermaßen aus:
Eigentlich existiert ein Container-System auch hier. Nur fehlen grundsätzlich irgendwelche Zubehörteile, so dass man eigentlich von diesem System nur die mit verschiedenen blutverdünnenden Röhrchen gebraucht, die mit einer Art Gummiverschluss (ähnlich wie in Deutschland) vakuumversiegelt sind.
Abgenommen wird mit nun einer normalen Spritze. Das darin enthaltende Blut wird mit der selben Nadel in das beschriebene Röhrchen gerammt. Dabei ist absolute Vorsicht geboten, da man sich problemlos beim Abrutschen selbst verletzen kann. So wird das Patientenblut auf verschiedene Röhrchen verteilt. Zuletzt wird die Nadel wieder mit der Kappe verschlossen (sog. Recapping, das in Deutschland zu den meisten Stichverletzungen führt), und dann erst verworfen. Falls dochmal alle Teile vom sicheren Containersystem vorhanden sind, dürfen einige Teile nicht verworfen werden, die durchaus mit Patientenblut in Kontakt kommen, weil sie so selten aufzutreiben sind...
Anfangs wurden wir darauf hingewiesen, dass wir grob damit rechnen können dass JEDER Patient hier zumindest HIV-positiv ist. Von den Hepatitiden A bis Z garnicht erst zu sprechen.
Einer der Praktikanten hier, Schweizer Nationalität, hat sich bereits an einer HIV-positiven Nadel gestochen, und hatte, nach entsprechend unangenehmer Nachbehandlung durch Medikamente, einige Wochen Ungewissheit, ob er nun positiv ist, oder nicht. Kranke Umstände hier, über die ich mir zwar im Vorfeld Gedanken gemacht habe, sie aber eindeutig in ihrem Ausmaße unterschätzt habe.
Ich hoffe, dass Bilder bald hierzu folgen werden. Ich bin immer noch ziemlich paranoid, was das Stehlen/Ausrauben anbelangt, und daher latsch ich bislang nur ungern mit meiner Kamera durch die Gegend.