Ich hab mich wie man sieht, schon ein bisschen an das spanische Leben gewöhnt und akklimatisiert, bzw. mich von der spanischen Trägheit anstecken lassen. Schön Siesta und den Tag so dahinlaufen lassen ohne z.B. hier einen Eintrag hineinzuschreiben. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich selber noch nicht so genau. Aber abgesehen von der Trägheit habe ich mich sonst auch schon ganz gut eingelebt. Immerhin bin ich auch schon einen Monat hier. Nach wie vor ist die Sprache am schwierigsten für mich zu bewältigen. Auch weil die Leute hier in Granada einen beschissenen Akzent sprechen, der es mir noch schwieriger macht, zu verstehen um was es grad geht. So wird z.B. fast prinzipiell bei jedem Wort das S weggelassen, bzw. der letzte Buchstabe der Worte nicht ausgesprochen, damit der Spanier noch schneller ein Wort an das andere reihen kann, und ich garnix mehr verstehen kann.
Stichwort: Sprachproblem: Am Wochenende war ich mit Adela und ihrer Familie bei einem Musical, das von Laien gespielt wurde. Bei den Laien handelt es sich um die Leute, die im vergangenen Jahr die Prüfung abgelegt haben, für die Adela jetzt für insgesamt ein halbes Jahr wie in einer Schule lernt. Der Professor, der die Vorbereitung auf diese Prüfung leitet, hat auch dieses Musical organisiert und „singt“ mit. Im Anschluss an das Musical gab es eine große Party, auf der Adela mich diesem Prof. vorgestellt hat. Ein wohl netter Typ, aber wegen der scheiße lauten Musik und meinem Spanisch habe ich seine Frage, ob mir denn das Musical gefallen hat, falsch als Frage, ob ich dem Musical sprachlich folgen konnte, verstanden, und habe wahrheitsgemäß mit „casi nada– fast garnicht“ geantwortet. Fand er nicht so gut, aber Adela hat das schnell aufgeklärt und ich damit für einen Lacher unter den übrigen Studenten gesorgt :)
Letzte Woche Montag habe ich mit der „Arbeit“ hier angefangen. Dem ersten Tag habe ich mit einem ziemlich unguten Gefühl entgegengeblickt. Einfach weil ich mehr schlecht als recht nur die Basiskommunikation beherrsche. Ich kann auch noch nicht sagen, dass ich gerne ins Krankenhaus hier gehe – sprachbedingt. Insgesamt hätte ich aber kaum bessere Umstände antreffen können.
Zunächst hält sich die Arbeit hier im Grenzen. Ich fange um halb neun an mit ner Frühbesprechung. Danach wird Kaffee getrunken und gefrühstückt, und ca. um halb zehn beginnt die Arbeit. Aktenvisite, dann Patientenvisite und evtl. eine sich anschließende Fortbildung, so dass ich um halb drei meistens den Laden wieder verlassen kann. Sehr chillig, va. wenn ich das mit der Arbeit in der Schweiz vergleiche. Hier gibt es außerdem keinerlei Dienste oder so einen Quatsch für mich.
Die „Arbeit“ besteht hier aus zuschauen. Ich mach eigentlich nix außer auch mal abhören, dem Patienten eine Frage stellen und irgendwie dem behandelnden Arzt assistieren. Vielleicht ändert sich das auch noch, aber grad siehts nicht danach aus. Va. weil die Assistenzärzte im ersten Jahr etwa exakt das gleiche machen. Zuschauen. Für jemanden, der die Sprache nur rudimentär beherrscht, ist das natürlich sehr angenehm.
Der Kollege, der mir zugeteilt wurde, ist eigentlich ein freundlicher Zeitgenosse und relativ geduldig mit meinem Sprachproblem. Außerdem glaube ich, dass er ziemlich gut ist, und insgesamt im Team eine ziemliche Autorität, obwohl er noch sehr jung ist, vielleicht Mitte dreißig. Auch der Assistenzarzt der in seinem zweiten Jahr ist, und mal Neurologe werden will, aber eine Rotation in der Inneren macht, ist ganz ok. Es dauert wohl ein bisschen länger bis man den Zugang zu den Leuten findet, wenn man sich nur über banale Dinge unterhalten kann. Englisch, hab gesagt, will ich am liebsten gar nicht mit denen sprechen. Klar, um die Sprache zu lernen. Und manchmal glaube ich, dass das zu noch mehr Missverständnissen führen würde, da der Spanier, auch wenn er Arzt ist, ein beschissenes Englisch spricht.
Das Patientengut hier ist auch echt interessant. Der Chef der Abteilung ist sowas wie Dr. House. Nicht was seinen Charakter betrifft – der Typ ist bei Studenten im Allgemeinen sehr beliebt, da er sehr nahbar und freundlich ist – aber er behandelt seltene oder komische Erkrankungen, Infektionskrankheiten und Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis. In der Woche in der ich jetzt hier bin habe ich wirklich viele unterschiedliche und schwere Krankheitsbilder gesehen und das ist wirklich interessant. Das habe ich von der Inneren Medizin gar nicht so erwartet. Für mich ist Innere Medizin Geriatrie und Behandlung von Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und so weiter. Und diese Medizin kotzt mich komplett an. Das hier ist ein bisschen spektakulärer. Und wenn es so spannend weitergeht, wie in dieser und der vergangenen Woche, dann lohnt sich der Aufenthalt hier fachlich noch mehr als ich ihm am Anfang zugetraut hätte.
Also insgesamt ein ganz guter Anfang.