Sonntag, 28. Februar 2010

Sweet Home

So,
langsam aber sicher läuft das alles an hier. Wohnung gemietet, Auto gemietet, ein bisschen gearbeitet und die anfänglichen Hemmungen im Krankenhaus etwas hinter sich gelassen.
Die ersten Tage haben wir im Hostel verbracht und dort den vielleicht nettesten und selbstlosesten Typen nach Jesus kennengelernt: Mike. Er hat uns bei der Wohnungssuche nicht nur geholfen, er hat sie quasi selbst übernommen. Zuerst haben Micha und ich gemeinsam im Internet gecheckt, was es so gibt im sog. Bluff, einer schönen und sicheren Gegend, Vorort von Durban und recht nahe am King Edward Hospital gelegen, wo wir arbeiten. Allerdings waren unsere Versuche ziemlich kläglich. Entweder waren die Wohnungen vergeben, oder drei Monate waren den Vermietern zu kurz, oder oder oder.
Am nächsten Morgen mussten wir wieder ins Krankenhaus, und in der Zeit hat Mike für uns 5 Wohnungen ausfindig gemacht, uns vom Krankenhaus abgeholt und ist all die Wohnungen mit uns abgefahren. Zwischen unmöblierten Wohnungen, mehr weniger als mehr umgebauten Garagen und Wohnungen von Alkoholiker-Vermietern war ein Krohnjuwel, das wir uns dann auch nicht haben entgehen lassen. Dabei handelt es sich um ein sog. Granny-Flat. Das ist eine Wohnung neben dem eigentlichen Haus, in dem damals die Hausangestellten gelebt haben. Und genau das ist nun unser Haus.
Die weiße Vermieterin ist ein bisschen arg rassistisch (an allem Elend in Südafrika sind die unzivilisierten Schwarzen schuld, blablabla), aber man muss leider sagen, dass es tatsächlich überdurchschnittlich die schwarze Bevölkerung ist, die die Verantwortung hier für Gewaltverbrechen hier trägt. Außerdem hat ihre Tochter, nachdem ihr ein Schraubenzieher zwischen die Rippen gesteckt wurde, dieses Land verlassen. Da sollte man als Europäer von weit weg auch tunlichst die Finger von lassen, Geschichtsunterricht bzw. Sozialkunde einer einfachen Frau zu erteilen. Und dass wenn sie von Vertreibung der Weißen durch die Schwarzen spricht, es ja vor nicht allzu langer Zeit eher umgekehrt war, bzw. nicht die Hautfarbe sondern der Bildungs- und Sozialunterschied in dieser Problematik die wesentliche Rolle spielt. Uns gegenüber ist sie aber sehr zuvorkommend und freundlich, allerdings auch ein bisschen sehr einsam hier (sie ist geschieden) und labert uns gerne mal eine Frikadelle ans Ohr. Aber das lässt sich problemlos aushalten. Wie gesagt, wir sind mit unserer Wohnung absolut autark, können aber ihre Terrasse benutzen, die direkt ca. 30 Meter über der Küste liegt. In den Ausblick hier haben Micha und ich uns sofort verliebt und dann nicht lange in der Entscheidung gezögert.
Ein Auto haben wir mittlerweile auch, allerdings nur gemietet bis nächste Woche. Am Dienstag kommt ein Bekannter von unserer Vermieterin, der sein Geld damit verdient, Autos gebraucht zu kaufen um sie dann teurer wieder zu verkaufen. Wenn er uns bei der Autosuche behilflich sein kann, wird das Mobilitätsproblem hier auch bald gelöst sein.
Hier ein paar Bilder, um einen Eindruck von unserer Behausung zu bekommen.

Donnerstag, 25. Februar 2010

first days

Ich weiß noch nicht genau, wann ich diesen Eintrag einstellen kann, da es im Augenblick nicht so einfach ist, hier an eine halbwegs schnelle Internetverbindung zu gelangen. Und das nervt. Aber man muss sich einfach immer klar machen, wo man eigentlich steckt. Und für Afrika kann ich schon dankbar sein, dass ich hier per Handy problemlos erreicht werden kann, und das auch noch mit „nur“ 18cent pro Minute. Eigentlich viel aber für einmal um die halbe Welt auf ein Handy zu telefonieren durchaus akzeptabel.
In den vergangenen drei Tagen, die ich erst hier bin, ist gefühlt noch nicht so viel passiert. Allerdings gab es ein paar krasse Eindrücke. Nachdem wir dienstags sämtlichen Anmeldekram erliegt hatten, sind wir per „Taxi“ in die Stadt gefahren. Man unterscheidet hier zwischen „Taxi“ und „Cap“. Cap ist das was man in Deutschland als Taxi kennt. Ein Fahrer der einen sonst wo hinfährt und das Taxameter klickt fröhlich mit allen 200m den Fahrpreis nach oben. Ein „Taxi“ zu nehmen bedeutet hier, mit einem evtl. völlig überfüllten 9-Sitzer Bus befördert zu werden. Dabei fährt einer mehr oder weniger, einer verantwortet das Geld irgendwie und der dritte hängt sich aus dem Fenster und schreit wild gestikulierend Passanten an, ob sie dorthin wollen, wo das Taxi halt grad hinfährt. Dieses Gestikulieren hat allerdings einen Hintergrund. Wo das Taxi hinfährt hängt davon ab, was der Fenstertyp für ein Handzeichen macht. Da man allerdings die Handzeichen kennen muss, was wir natürlich nicht tun, haben wir bald wieder davon absehen müssen, von dieser recht günstigen Verbindung gebrauch zu machen. Es war für uns dieses eine Mal purer Zufall, dass das Taxi dahin gefahren ist, wo wir auch tatsächlich hinwollten. Abgesehen von der fehlenden Fähigkeit, diese Handzeichen zu interpretieren haben wir uns generell dazu entschlossen, diese Fortbewegung nach Möglichkeit nicht mehr zu nutzen, va. nachdem uns folgende Story erzählt wurde: Ein Taxifahrer mit vollbeladenem Bus musste mal kurz austreten, hielt an einem kleinen Hügel, vergaß die Handbremse anzuziehen und der vollbesetzte Kleinbus machte sich selbstständig und fuhr rückwärts irgendwo gegen. Dabei sind alle umgekommen, bis auf den Fahrer, der ja pinkeln war. Wenn man außerdem von den big 5 in Durbans Notaufnahmen spricht, meint man damit: Schuss-, Stich-, Schnitt-, Bissverletzungen und, wer hätts gedacht: Minibusunfälle.
Dieses Taxi hat uns dann in der Nähe unseres Ziels „Touristinformation“ rausgelassen, und wir waren sichtbar erleichtert, dass die Jungs mit uns nicht sonst wo hingefahren sind, um uns auszurauben. Mit jeder älteren Dame die eingestiegen ist, haben wir aufgeatmet, da es uns mit ihr an Bord unwahrscheinlicher erschien, entführt zu werden.
Die Touristeninfo war allerdings in einem eher ärmeren Bezirk Durbans. Alle Leute die zu der Zeit auf der Straße waren, waren schwarz, bis auf Micha und mich. Das war schon mal komisch. Nach dem Tourismusbüro sind wir in irgendeiner Mall essen gegangen, und es spazierten irgendwelche Bad Boys an uns vorbei die ihre Waffen, die in ihrer Hose steckten, offen zur Schau trugen. Durchaus beängstigend. Aber bislang (4 Tage) ist uns noch nix passiert, und wir hoffen, dass das auch so bleibt.
Leider hänge ich mit meinem Blog ein bisschen hinter den ganzen Ereignissen hier her, aber eine News noch: Wir haben heute eine Wohnung klargemacht. Mit einem Blick auf den indischen Ozean, dass man sich wirklich die Augen aus dem Kopf guckt!! Aber davon ein ander Mal mehr. Hier noch ein paar Fotos von unserem Abflug. Bilder aus Durban folgen so bald wie möglich.

Montag, 22. Februar 2010

Take off

Moin, Moin!
ich schreibe euch grad aus Dubai, wo ich am Flughafen irgendwie meine 4,5 Stunden Wartezeit versuche zu überbrücken, totmüde in irgendeinem Kunstlederstuhl hänge und garnich weiß wie spät es eigentlich ist.
Mittlerweile bin ich ziemlich am Ende meines Studiums angelangt, das mit dem sog. Praktischen Jahr abschließt. Und ich versuche so viel wie möglich von diesem Jahr im Ausland zu verbringen. Erster Stopp: Durban, Südafrika für das Chirurgie-Tertial; wieder gemeinsam mit Michael, mit dem ich schon das ERASMUS-Semester in Prag verbracht habe.

Es war auf jeden Fall ziemlich stressig alles organisiert zu bekommen. Vier Stunden vor Abflug haben wir angefangen Michas Zimmer auszuräumen, während er seinen Rucksack gepackt hat... Wir waren leider mit unserer Vorbereitung insgesamt ein bisschen spät dran, haben das Visum für Südafrika erst letzte Woche, nach langem Kampf mit der Botschaft in Berlin erhalten, und entsprechend bis zum Schluss ein bisschen gezweifelt, ob wir das überhaupt durchziehen können. Jetzt sind wir auf jeden Fall schon mal unterwegs. Allerdings müssen wir uns in Durban noch alles organisieren: wir haben keine Wohnung, noch keinen Ansprechpartner im Krankenhaus, müssen uns wohl oder übel ein Auto kaufen/mieten, wissen nicht genau, ob die Krankenhausorganisation weiß, dass wir einen Tag später erst aufschlagen (weil wir keinen anderen bezahlbaren Flug bekommen haben, da ja aufs Visum gewartet werden musste), wissen nicht so recht, was uns dort erwartet. Ich persönlich hab echt ein bisschen Schiss, was die Sicherheitslage dort unten angeht. Also ziemlich stressig. Stress ist überhaupt im Augenblick das Wort, dass ich am meisten und liebsten benutze, wahrscheinlich gleich nach organisieren. Aber erstmal ankommen.