Mittwoch, 11. Februar 2009

Goodbye, Prag

Mittlerweile bin ich schon wieder in good-old-germany. Gestern Nachmittag hat mich die Deutsche Bahn in Sandkrug ausgespuckt, nachdem ich um halb 7 morgens in Prag losgefahren bin. Ätzend, aber günstig. Den Abend zuvor gab es noch ein "letztes Abendmahl" mit den meisten Leuten, mit denen in meinem Auslandssemester am meisten zu tun gehabt habe. War ein super Abend, auch wenn der Abschiedsschmerz latent immer mit dabei war. Wir saßen ungf. bis um drei zusammen und ich bin gemeinsam mit Maria gegen 5 wieder los Richtung Bahnhof.
Tja, wie soll ich diese Zeit in Prag gebührend zusammenfassen, frage ich mich. Es war wahrscheinlich die intensivste Zeit meines Lebens. Ein unglaubliches Semester mit so geballt vielen Eindrücken in viel zu kurzer Zeit. Vor allem habe ich in mir die Reiselust entdeckt. Prag selber hat mich gefesselt.
Es gibt so viele Aspekte die diese Stadt erlebenswert machen. Prag ist mit fast 2 Millionen Einwohnern eine riesige Stadt, jedoch wirkt der Kern der Stadt ziemlich überschaubar, und eigentlich lässt sich sehr vieles zu Fuß bewältigen. Dass die Stadt ansonsten unglaublich schön ist, und ein endloses und interessantes kulturelles Angebot bietet, klang ja in dem ein oder anderen Beitrag bereits durch. In den letzten Tagen habe ich noch mal ein Sight-seeing Programm durchgezogen, und habe dabei den alt-ehrwürdigen, traditionsreichen Charakter der Universität zu spüren bekommen. Insbesondere die Bibliotheken haben irgendwie ein Gänsehautfeeling losgetreten.
Die Leute, die ich dort getroffen habe, werde ich unheimlich vermissen. Man hatte leider gar nicht die Zeit alle richtig kennen zu lernen, und zu viele Bekanntschaften blieben oberflächlicher als sie es verdient hätten. Ich war und bin immer noch ziemlich traurig, dass diese Zeit vorbei ist. Sie flog nur so dahin, und ich frage mich noch immer, wo sie bloß geblieben ist. Über eine Verlängerung habe ich intensiv nachgedacht, aber es macht leider keinen Sinn, da ich in den verbleibenden Semestern vor allem Praktika und kleine Unsinnsfächer ableisten muss. Praktika geht nicht, weil ich die Sprache nicht spreche, und ich daher nicht so viel mitnehmen würde und die kleinen Unsinnsfächer gibt es in Tschechien gar nicht.
Das Studieren in Prag war ok. Es war eigentlich nichts besonderes, nur dass es mit dem Englisch ziemlich schnell ziemlich gut geklappt hat, hat mich positiv überrascht. Die Qualität der Lehre war der deutschen ähnlich vielleicht alles in allem etwas besser. Es ist aber kein Geheimnis, dass das Studieren eher sekundär war, ja fast nur einen gewissen Symbolcharakter zur Rechtfertigung dieser Zeit hatte - vielleicht ist das auch ein bisschen übertrieben :)
Auch hätte ich gerne noch ein bisschen mehr Ferien dort gemacht, nur muss ich mir in Gießen eine Wohnung suchen, zumindest eine Famulatur noch ableisten (die morgen in der Unfallchirurgie/Orthopädie anfängt), wahrscheinlich noch einen Vortrag über meine Promo halten, selbige zu Papier bringen und die ein oder andere Klausur in Gießen nachschreiben, da ich nicht alle Fächer in Prag belegen konnte. Mit Semesterferien wird das also eher mal nix, was mich schon ziemlich annervt. Fest steht aber, dass ich bis zum neuen Semester noch einmal nach Prag fahre/fliege.
Vor allem hat es mir Spaß gemacht, diesen Blog zu schreiben und ihn mit Fotos und Videos zu bestücken. Und ich hoffe auch, dass der ein oder andere von Euch wortkargen Lesern (an dieser Stelle vielen Dank an jene, die sich per Kommentar hier verewigten) interessiert meine Zeilen studiert hat, um einen kleinen Eindruck von meiner Zeit in Prag zu bekommen.
Vielleicht werde ich in der nächsten Zeit noch den ein oder anderen Eintrag anfügen, aber mit Sicherheit nicht mit der Frequenz - in Deutschland zu leben ist doch ein gehöriges Stück langweiliger :)
Macht's gut, und bis bald!

Söhnke

Ein paar letzte Fotos

Montag, 9. Februar 2009

Schneeurlaube

Hey, hey!
Hier folgt der bereits angekündigte, wenn auch nur recht kurze Beitrag zu meinen drei Ausflügen in verschiedene Skigebiete in Tschechien.
Noch bevor unserem Auslandssemester habe ich irgendwann realisiert, dass Tschechien ein paar Berge hat und sofort Micha angerufen, dass er seine Schneehose einpackt, da das nächste höher gelegene Gebirge ca. 70 km Luftlinie von den Prager Grenzen entfernt ist. Ursprünglich war ein Fünftagestripp irgendwo in die Slovakei, weil noch günstiger, geplant. Leider konnten wir nicht für genügend Leute einen gemeinsamen Zeitraum finden. Also lief es auf ein paar Tagestrips hinaus. Mein Board hatte ich aus Deutschland mitgenommen.
Erstes Ziel war Janske Lazne. Per Mietwagen sind wir zu fünft zu unchristlichster Zeit vom Wohnheim aus aufgebrochen. Ich stand das erste Mal wieder auf dem Brett seit ca. 2 Jahren, und brauchte auch ein paar Abfahrten, um mich wieder an die Handhabung von dem Ding zu gewöhnen. Zum Glück ging das schneller als gedacht. Super Trip, nur war ich völlig erschlagen, da ich wie fast immer an extremem Schlafmangel litt :) und Micha äußerst dankbar war, dass er Hin- und Rückfahrt gefahren ist, und den ganzen Mist mit Mietwagen organisiert hatte. Mein Beitrag bestand im zur Verfügungstellen meiner Kreditkarte... Erstaunlich ist, dass ich wirklich alle Bedürfnisse vergesse, wenn ich erstmal auf meinem Board stehe. Immer wenn ich das Ding unter den Füßen habe, spüre ich nix von meinem Schlafdefizit, Hunger, Schmerzen durch die Boots oder köperlicher Erschöpfung. Erst wenn ich wieder normale Schuhe anhabe, merke ich was mir mein Körper so mitzuteilen hat.
Geographietechnisch habe ich auch von diesem Trip profitiert: Das Riesengebirge liegt im Grenzgebiet Polen-Tschechien, und Schneekoppe ist nicht nur ein dämliches Markenlogo sondern einer der dortigen Berge.

Die Zweite Tour führte uns per Busreise nach Liberec. Die Truppe war diesmal um einiges größer, und ich war nicht mehr der einzige Snowboarder. Ein Holländer war mit seinem Brett dabei und Micha hat sich auch für den Tag dran versucht. Die Grundzüge habe ich versucht ihm beizubringen. Dann hat er sich in verzweifelnden Stunden alleine um seine Fahrkünste bemüht, hat aber am Ende die Abfahrt ohne zu stürzen gemeistert. Hut ab, Herr Kollege! Trotz eines eher dürftigen Lehrers beide Wenden draufbekommen, Schlepplift gemeistert und sich den Respekt der Truppe eingefahren! Michael1 Michael2

Dritter und leider schon letzter Ausflug ging nach Herlikovice.
Diesmal war ich wieder der einzige Boarder und kann eigentlich insgesamt mit meinen wieder aufgefrischten Skills zufrieden sein, da ich alle Trips weitestgehend problemlos mit den Skifahrern mithalten konnte. Dieser Trip war nur überschattet von ultraschlechter Sicht, und nassem Schnee, weil Tauwetter. Daher gibt es auch eigentlich nur ein Foto. Geloht hat es sich aber allemal. Vor allem weil die Kosten für Skipass und An-/Abreise grundsätzlich ein Witz waren. Wer fährt schon für 20-30 Euro für einen Tag in den Schnee?

Montag, 2. Februar 2009

Budapest

Moin, Moin!
Der Februar hat begonnen und ich bin arg damit beschäftigt mich formell wie auch persönlich mich von meinem Aufenthalt hier zu verabschieden. Mit Genetics habe ich am 23.1. meinen letzten Kurs beendet. War alles andere als spannend und wir haben ziemlich mit der schlechten Organisation zu kämpfen gehabt. Obwohl wir regulär eingeschrieben waren, wollte man uns erst nicht teilnehmen lassen. Außerdem haben wir für eine Anerkennung in Deutschland versucht, hier ein Examen für die ERASMUS-Studenten einzurichten, was nicht für die normalen Studierenden vorgesehen ist. Eigentlich sollte das kein Problem sein, doch stellen sich hier sämtliche Verantwortliche stur, verweisen mich an andere Stellen oder antworten erst gar nicht auf meine Mails. Naja, im Endeffekt auch nicht so schlimm, weil somit meine Ferien ein paar Tage früher begannen als geplant. Jetzt geht es darum, sich alle anderen Kurse anerkennen zu lassen, Erfahrungsberichte zu schreiben und rauschende Abschiedsparties zu feiern. Formeller Kram halt :)
Vor zwei Wochen hat mich meine Familie hier besucht. Ich glaube, das war der erste gemeinsame Urlaub mit allen fünfen seit vielleicht zehn Jahren. Und es war wirklich schön. Mit Karlsbrücke & Co, Jazzclub und einem Eindruck von der generellen Schönheit Prags habe ich versucht ein bisschen zu zeigen, was das Semester für mich hier ausgemacht hat. Bilder dazu.
Vergangenes Wochenende waren wir dann mit 20 Leuten per Bus in Budapest, was mich sehr gefreut hat. So habe ich meine Kenntnisse vom Osten Europas noch ein wenig erweitert. Mit einer sehr guten Führung durch die Stadt hat uns der Herr Fremdenführer außerdem einen kleinen Eindruck von der politischen Lage Ungarns gegeben. Dort, wie hier in Prag sind die Auswirkungen der Planwirtschaft und des Kommunismus immer noch zu spüren. Jeder Angestellte arbeitet nur so viel und schnell wie er oder sie gerade Lust hat, weswegen Schlange stehen hüben wie drüben zum allgemeinen Volkssport wird. Wenn man z.B. im Prager Hauptbahnhof Informationen über Tickets haben möchte, muss man an einem Schalter den Preis, an einem anderen die Abfahrtszeiten erfragen. Und natürlich immer mindestens 15 Minuten Schlange stehen. Außerdem wird man als Tourist insbesondere in Budapest beschissen wo es nur irgend geht. Ziemlich nervig. Wie auch immer, die ungarische Hauptstadt war wirklich lohnenswert. Zwar war das Wetter für Fotos nicht das beste, und die Gebäude/Fassaden in Budapest nicht so herrlich renoviert wie in Prag, aber als gewiefter Fotograf geht man einfach des Nachts auf Jagd nach schön ausgeleuchteten Bauten. Und davon gab es auf jeden Fall einige. Neben Stadtführung und Erkundungstour auf eigene Faust haben wir am Samstag die vom Spazieren geschundenen Körper in einer noch von der türkischen Herrschaft bestehenden Therme/Spa regeneriert. Bei Temperaturen um die null Grad und leichtem Schnee haben wir draußen in bis zu 38 Grad warmem Wasser, mit Saunalandschaft und alter Bausubstanz diese Szene und Badekultur sehr genossen.
Budapest kommt wie gesagt einfach nicht an die Schönheit Prags heran. Ein weiterer erwähnenswerter Eindruck war, dass mehr Budapesen deutsch zu sprechen scheinen als die Prager - was vielleicht noch an der ehemaligen Habsburgischen Herrschaft liegt (wohl aber nicht erklärt, was die Tschechen so germanophob bzgl. der Sprache macht). Unter anderem bietet die dortige Semmelweis-Universität Kurse bis zum Physikum in Medizin und Veterinärmedizin auf deutsch an. Für diese muss man aber anständig Kohle lassen. Witziger Weise habe ich dann auf der Straße Mareike Lüschen, eine Oldenburgerin getroffen, die auf die selbe Schule gegangen ist wie ich und eben dort Tiermedizin studiert.
Zwischendrin sind wir mittlerweile zweimal boarden gewesen. Nichts im Vergleich zu Österreich. Die Pisten sind kürzer und nicht so geil, dafür aber fährt man für 20 Euro inclusive Skipass und Fahrtkosten für einen Tag in den Schnee. Nächste Woche ist ein weiterer Tag in den Bergen geplant und da ich Eure Gedult mit dem Lesen meiner zahlreichen Zeilen nicht überstrapazieren will, gibt es nächste Woche vom Boarden noch einen zusammenfassenden Eintrag. Bilder für Budapest.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Endspurt!

Hey, hey! Frohes Neues, an alle, denen ich das noch nicht persönlich wünschen konnte. Kommt zwar reichlich spät, aber da es bislang noch nichts aufregendes von hier zu berichten gab, bzw. ich zu beschäftigt war, gebe ich diesen Wunsch auch noch Mitte Januar zum Besten!
Hier hat sich aber mit der Zeit wieder einiges an berichtenswertem Stoff zusammengesammelt, den ich Euch nicht vorenthalten will. Meine Zeit in Deutschland habe ich ausgiebigst mit der Familie, Freunden, Sport und Musik machen verbracht, und es war eigentlich viel zu kurz um diese Dinge nach- und sich ein bisschen zu erholen. Am zweiten Weihnachtstag war ich mit meinen Eltern in Würzburg (Bilder), da meine Schwester dort den ersten Teil Bachs Weihnachtsoratoriums gespielt hat. Silvester hat Annika in Münster für mich gerettet, und wir waren u.a. auf der Party von Stefan (langjähriger Klassenkamerad), den ich schon ungf. seit Menschengedenken nicht mehr gesehen habe. Am dritten ging es dann für mich wieder zurück nach Prag und am fünften startete die Uni mit Orthopädie. Unser Prof. ist ein ziemlich skuriler aber witziger Typ von der alten Schule, der aussieht wie ein Fleischer (wer Diablo früher gespielt hat, dem sei gesagt, dass dieser Mensch in Sprache wie Erscheinung dem sog. "Butcher" Portrait stand). Ich hoffe ich bekomme ihn für Euch noch in seiner vollen Schönheit unbemerkt vor die Linse.
Am Wochenende war ich mit Maria für einen Kurztripp in Dresden. Das letzte Mal bin ich dort mit fünf Jahren oder so gewesen, und kann mich daher an nichts erinnern. Bei schönstem Sonnenschein aber klirrenster Kälte haben wir uns Dresdens Innenstadt angeschaut. Maria war zwar von der Stadt sehr, von den Temperaturen überhaupt nicht begeistert. Wundert mich auch nicht, wenn der Winter in ihrem Teil Spaniens nur mit kuscheligen 5°C aufwarten kann. Trotzdem hatten wir ein wunderbares gemeinsames Wochenende und der Zufall wollte es, dass der zweite Teil des Weihnachtsoratoriums aufgeführt wurde, was ich mir und ihr natürlich nicht entgehen ließ, und ihr das praktischer Weise zum Geburtstagsgeschenk machte.
Dummer Weise stand dann heute mein verschobenes Derma-Examen an, für das ich knappe 2 Tage zum lernen hatte. Hat halt nicht gereicht, und ich bin durchgerauscht - allerdings war ich nicht der einzige. Das Examen scheint für manch einen ERASMUS-Studenten nicht machbar zu sein.
Welche Konsequenz zieht man daraus?
Ich habe sofort meiner Koordinatorin in Deutschland eine Mail geschrieben und gefragt, ob ich das Examen auch dort mitschreiben könnte. Der gute Weg des geringsten Widerstandes. Vor allem aber, weil ich nicht einsehe, diesen drögen Stoff noch einmal zu inhalieren, und selbst dann, bei intensiverem Auseinandersetzen mit der Materie noch nicht einmal die Gewissheit zu haben, ob es reichen wird, da es echt nicht ganz ohne ist. Der Ausflug mit ihr war es allemal wert.
Gleich geht es mit Michael an die Planung diverser Ski- und Snowboardausflüge. Dank der anhaltenden Kälte geht hier in der Umgebung bestimmt so einiges. Und dann bleibt wohl kaum mehr Zeit für Wien oder Budapest. Meine Kurse laufen noch bis einschließlich nächste Woche, anschließend eine Woche Urlaub vom Urlaubssemester mit boarden, und dann noch eine Woche Prag. Dann ist es das schon gewesen mit dem Lotterleben hier, was ich aber in vollsten Zügen genossen habe, und wenn ich an die verbleibende Zeit in Gießen denke, ich jenes jetzt schon zurücksehne.
Hier gibts noch ein paar Bilder aus Dresden