Für den Fall, dass ihr denkt: „Die Zwei machen da unten in Afrika sowieso nur Urlaub“ hab ich einen Eintrag ausgegraben, den ich nach unserem ersten Monat hier zwar geschrieben, aber aus mir unverständlichen Gründen noch nicht gebloggt habe. Da ich euch den nicht vorenthalten möchte, und er auch immer noch für das steht, was in diesem Krankenhaus so läuft, stell ich ihn mal online:
So langsam spielt sich das mit unserem Krankenhausdienst ein hier. Ich bin mit relativ großen Erwartungen an unser PJ-Tertial hier herangegangen, aber bislang wurde ich ein bisschen enttäuscht. Der einzige Arzt hier, der sich wirklich super um uns kümmert, ist ein Inder ungf. unseren Alters, der selber noch nicht so den großen Durchblick hat. Aber das, was er weiß vermittelt er gut und gerne. Die übrigen Ärzte sind eher desinteressiert. Ähnlich wie in Deutschland. Das habe ich wirklich gehofft hier anders zu erfahren. Vielleicht wird das ja auch noch ein bisschen besser – allerdings sind wir hier schon fast einen Monat – aber die älteren Ärzte (sog. Registras, vergleichbar mit Ärzten die eine Facharztausbildung machen) haben im Augenblick Prüfungen und haben uns eigentlich zugesichert, dass sie sich nach ihren Prüfungen ein bisschen mehr um uns kümmern werden. Mal sehen, was tatsächlich daraus wird.
Alle sechs Tage haben wir hier „Intake“. Das heißt einen ca. 28h Dienst. Und den hatten wir vergangene Woche von Samstag auf Sonntag. Entsprechend wurden die ganzen Betrunkenen mit Schuss-, Stich undsoweiterverletzungen eingeliefert. Die Bilanz lässt sich wohl kaum mit Deutschland vergleichen. Es sind auf jeden Fall an diesem einen Abend drei Leute auf der Notaufnahme gestorben. Zwei wurden so heftig zusammengeschlagen, dass sie wahrscheinlich an einer Hirnschwellung/-einklemmung gestorben sind. Die dritte ist an einer Magenblutung verstorben. Und das eigentlich auch nur, weil hier die Endoskope seit Wochen kaputt sind, mit denen man die Blutung wahrscheinlich in einer halben Stunde hätte klippen können. Stattdessen lag die arme Frau 6 Stunden in der Aufnahme, und ist kurz bevor sie auf den OP-Tisch sollte verstorben.
Dann kamen irgendwann zwei Kombattanten, bei denen der eine dem anderen mit einer Glasflasche den Rücken teilweise bis auf die Muskeln aufgeschnitten hat. Micha und ich haben in mühevoller Kleinarbeit und bestimmt über 40 Stichen seinen Rücken wieder zusammengeflickt. Dem anderen Kollegen ist weniger passiert, aber ich fands witzig, dass die zwei quasi in der Wartezone sich einander gegenübersaßen, und darauf gewartet haben, dass man sie im Krankenhaus wieder zusammenbaut, nachdem sie sich eine Stunde vorher mehr oder weniger auseinander genommen haben.
Außerdem sieht man wirklich extrem kranke Leute hier, teilweise bis auf die Knochen abgemagert durch irgendeine „konsumierende Krankheit“. Man kann teilweise die Knochen des Schädels bestens nachvollziehen (gut für Schädelexperten, die sich fragen, wo genau das Jochbein eigentlich entlangläuft), oder das Schlüsselbein steht so weit hervor, dass man wirklich zweimal hinschauen muss, weil man es im ersten Augenblick für irgendeine anatomische Abnormalität hält, dann aber feststellt, dass der Patient einfach nur noch aus Haut und Knochen besteht.
Ich muss mich oft daran erinnern, wenn ich von den Patienten spreche oder hier einen Eintrag schreibe, dass ich das mit Respekt tue. Oft genug verliere ich genau den, bzw. mein Mitgefühl. Man stumpft wirklich ab, weil man mit derart krassen Dingen konfrontiert wird, dass man schnell in Sarkasmus abdriftet. Vor allem merke ich das bei einigen (Studenten-) Kollegen, und es widert mich an, wenn der Chirurg sich laut fragt, „warum diese verdammte Mutti sich genau jetzt sich dazu entscheidet zu sterben, wo hier die Hütte brennt“ (frei, aber sinngemäß übersetzt).
Ich sehne mich schon fast ein bisschen nach dem Alltag in Deutschen Krankenhäusern und der westlichen Medizin zurück, wo man wenigstens in aller Regel das findet was man gerade braucht. Hier verbringt man manchmal 30 Minuten damit, eine Braunüle zu finden. Nicht, dass die Dinger nicht vorhanden wären, aber es gibt keinen der sich ums Auffüllen solcher Dinge kümmert. Nichts hat hier seinen eigenen Platz. Alles kann irgendwo liegen. Neulich habe ich nach irgendeinem Formblatt gefragt, und die Schwester hat dann irgendwo einen Stapel davon gefunden, der dann von ihr an allen möglichen Ecken auf der Station verteilt wurde. Quasi nach dem Eichhörnchenprinzip, das laufend irgendwo Nüsse eingräbt, diese dann aber wenn es sie braucht, nicht wiederfindet.
TIA, wie es so schön in dem Film „Blood Diamond“ mit Leonardo DiCaprio heißt (der übrigens meine Meinung über selbigen Schauspieler von Grund auf zum Positiven geändert hat): This is Africa!
Hier Fotos
Sonntag, 23. Mai 2010
Donnerstag, 20. Mai 2010
Video
Ein kurzer Eintrag des Dankes, an alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben - vor allem via Videobotschaft. Der Brief hat mich nach fast 3 Wochen Postweg gestern Abend endlich erreicht, in dem Adela eure und ihre Videos in muehevoller Kleinarbeit als CD verpackt zusammengestellt hat. Das wirklich sehenswerte Ergebnis hat mich gestern echt ueberwaeltigt und sprachlos gemacht :). Ganz vielen Dank fuer eure Beitraege!!!
Ich freue mich sehr darauf, euch alle wiederzusehen! Bis hoffentlich ganz bald!
Soehnke
hier gibts noch ein paar Random pictures von dem Stadion in Durban, einem weiteren Gamepark mit Löwen!!! und ein paar anderen Fotos.
Ich freue mich sehr darauf, euch alle wiederzusehen! Bis hoffentlich ganz bald!
Soehnke
hier gibts noch ein paar Random pictures von dem Stadion in Durban, einem weiteren Gamepark mit Löwen!!! und ein paar anderen Fotos.
Samstag, 8. Mai 2010
Kapstadt 2/2
Effektiv hatten wir leider bloß 4 Tage in Kapstadt. In jedem Fall war das viel zu wenig Zeit für diese Stadt.
Nachdem wir eine Nacht in einem eher ätzenden Party-Backpacker verbracht haben, sind wir am Dienstag auf Kapstadts Wahrzeichen, den Tafelberg gewandert. Die ersten Dreiviertel des Berges waren ok. Das letzte Viertel habe ich nur noch den Berg verflucht und beschimpft. Zum Glück hatten wir ein super Wetter, und beste Sicht auf Kapstadt. Nach kurzer Verschnaufpause, Cola, Eis, Schokomuffin usw. und sich anschließendem Zuckerflash, ging es dann mit der vielleicht steilsten Seilbahn der südlichen Hemisphäre wieder bergab zu unserem Auto. Da dieses sich beim Herunterfahren drehende Konstrukt zum Glück von einer Schweizer Gesellschaft erbaut worden ist, bin ich auch mehr oder weniger bedenkenlos eingestiegen. Wenn sich jemand mit Seilbahnen auskennt auf der Welt, dann sind es auf jeden Fall unsere kantonisierten Nachbarn. In die südafrikanischen Konstrukteure habe ich überhaupt kein Vertrauen mehr, vor allem, weil sich uns in Kapstadt eine Autobahn, oder besser Autobahnbrücke präsentierte. Dieses Ding wurde ursprünglich konstruiert um den va. in den Rushhours sehr zäh fließenden Verkehr ein bisschen in geordnete Bahnen zu leiten. Doch irgendwann, mitten in den Konstruktionsarbeiten fiel offenbar den Ingeneuren auf, dass man diese Autobahn überhaupt nicht so bauen konnte, und so wurde schlicht alles eingepackt und diese Autobahn steht nun einfach im Nichts endend in der Stadt rum. Vielleicht als Gag, vielleicht als Warnung: never trust our engineers . Was auch immer der Grund sein mag, uns hat es königlich belustigt, und ein weiteres Mal haben wir uns gedacht, wir sind halt immer noch in Afrika, auch wenn dieses sehr europäische Kapstadt es einen wirklich hat vergessen lassen, auf welchem Kontinent man sich befindet. Offenbar dient dieses Symbol der Unfähigkeit nun einigen Actionfilmregisseuren Hollywoods als Kulisse.
Nach einer dringend benötigten Dusche haben wir dann Tine und Flo getroffen, zwei Kommilitonen aus Gießen, die ihr Chirurgietertial an der Stellenbosch-Uni bei Kapstadt ableisten und ein bisschen in das Nachtleben Kapstadts einzuführen wussten.
Nach einer Nacht in einem besseren Hostel bin ich mit Micha zunächst in den Kirstenbosch Botanischen Garten gefahren. Leider war das Wetter nicht so gut, und die Fotos damit auch nicht. Anschließend ging es in einen der Vororte. Südafrika ist ja durchaus bekannt für den ein oder anderen guten Wein. Dementsprechend konnten wir es uns nicht entgehen lassen, auf ein nahegelegenes Weingut zu fahren, um dort schick Wein und endlich mal wieder richtigen Käse (es gibt hier nur Käse, bei dem während der ganzen Erzeugung niemals eine Kuh mit im Spiel war) zu probieren, mit einem sehr leckeren sich anschließenden Essen. Nach Krokodil und Strauß konnten wir dort Springbock probieren, was wirklich ein wahrer Gaumenschmaus war.
Abends noch gesättigt vom Springbock gab es einen anständigem Braai (Südafrikanisch für Barbecue) im Studentenwohnheim. Anschließend wurden zwei Partybusse engagiert. Die hatten einen Subwoover an Board der längst vergessene Schlaglöcher bestens zu imitieren wusste. Mit schlechter Musik auf den Ohren und zahlungskräftigen europäischen Studenten im Gepäck sind wir anständig angeheitert nach Downtown gefahren. Für diese zwei Busse wurden tatsächlich bereits geschlossene Bars wieder geöffnet. Für mich stellte sich diese Szenerie völlig grotesk dar, sich auf diese pseudoreiche Proletenart transportieren zu lassen, um sich anständig zu betrinken, nachdem man mit dem für Party gut gefüllten Portmonee die bettelnden Kinder auf der Straße überwunden hatte. Bis zu meinem fünften Bier war ich angewidert von mir und den Leuten, danach hab ich das auch vergessen. Keine schöne Erfahrung.
Für die nächsten zwei Nächte haben wir dann bei unseren beiden Kollegen im Studentenwohnheim eingecheckt und sind am Morgen nach der Party mit Tine zusammen nach Robben Island gefahren. Dabei handelt es um jene Insel, auf der Volksheld, Vorbild, Friedensnobelpreisträger und südafrikanischer Halbgott Nelson Mandela schlappe 18 von insgesamt 27 Jahren eingesperrt war.
Wieder zurück auf dem Festland sind wir ein bisschen mit Tine durch die Stadt gelaufen, haben noch ein wenig die Souveniermärkte Kapstadts erkundet und uns von den Marktschreiern volllabern lassen. Gestärkt durch ein weiteres, sich in den Delikatessenroadtrip einreihendes Festmahl in einem Fischrestaurant, haben wir tags darauf am Freitag das schöne, europäische Kapstadt wieder gen Durban verlassen. Einen kurzen Zwischenstopp wurde natürlich noch beim Kap der guten Hoffnung eingelegt, den sich die Tourismusbranche hier viel zu gut bezahlen lässt. Aber egal.
Die letzte Nacht unseres Trips haben wird in Cintsa verbracht. Obwohl unsere Reiseroute straffer geplant war als auf dem Hinweg, mussten wir dort wenigstens eines der wirklich interessant klingenden Angebote des Backpackers wahrnehmen, und sind mit einer Amerikanerin und einem Guide per Fahrrad ein bisschen durch die Gegend gefahren. Einen längeren Stopp haben wir in einem kleinen Dorf eingelegt, wo wir von „Mama Tofu“, einer über 90jährigen Dorfbewohnerin ein bisschen in die Kultur, vor allem Heiratskultur, der Xhosa (Afrikanischer Stamm) eingeführt wurden. Man verhandelt dort über den Kopf der Braut hinweg, wer ihr zukünftiger Mann sein wird, der seine Traumfrau dann mit 18 Rindern bei der Familie auslösen muss. Also umgekehrt wie in Indien, werden nach Xhosa-Brauch Familien reich, die viele Töchter haben. Die Führung war leider ein bisschen zu touristisch. Man wurde mit einem traditionellen, aber irgendwie halbgaren Tanz begrüßt und verabschiedet und wurde so halb dazu genötigt, nach der Unterhaltung mit der Tofufrau, irgendwas von dem selbst hergestelltem Plastikperlendtand zu kaufen. Dennoch war der Einblick in diese Kultur mit Mama Tofu durchaus lohnenswert.
Das waren unsere Reiseerlebnisse in Kapstadt im Zeitraffer. Ich bin froh, dass wir den langen Weg per Auto zurückgelegt haben. Die Erfahrungen auf der Route waren noch interessanter als Kapstadt selber, und wir haben so viel mehr von diesem wunderschönen Land zu Gesicht bekommen.
Hier die übrigen Bilder.
Nachdem wir eine Nacht in einem eher ätzenden Party-Backpacker verbracht haben, sind wir am Dienstag auf Kapstadts Wahrzeichen, den Tafelberg gewandert. Die ersten Dreiviertel des Berges waren ok. Das letzte Viertel habe ich nur noch den Berg verflucht und beschimpft. Zum Glück hatten wir ein super Wetter, und beste Sicht auf Kapstadt. Nach kurzer Verschnaufpause, Cola, Eis, Schokomuffin usw. und sich anschließendem Zuckerflash, ging es dann mit der vielleicht steilsten Seilbahn der südlichen Hemisphäre wieder bergab zu unserem Auto. Da dieses sich beim Herunterfahren drehende Konstrukt zum Glück von einer Schweizer Gesellschaft erbaut worden ist, bin ich auch mehr oder weniger bedenkenlos eingestiegen. Wenn sich jemand mit Seilbahnen auskennt auf der Welt, dann sind es auf jeden Fall unsere kantonisierten Nachbarn. In die südafrikanischen Konstrukteure habe ich überhaupt kein Vertrauen mehr, vor allem, weil sich uns in Kapstadt eine Autobahn, oder besser Autobahnbrücke präsentierte. Dieses Ding wurde ursprünglich konstruiert um den va. in den Rushhours sehr zäh fließenden Verkehr ein bisschen in geordnete Bahnen zu leiten. Doch irgendwann, mitten in den Konstruktionsarbeiten fiel offenbar den Ingeneuren auf, dass man diese Autobahn überhaupt nicht so bauen konnte, und so wurde schlicht alles eingepackt und diese Autobahn steht nun einfach im Nichts endend in der Stadt rum. Vielleicht als Gag, vielleicht als Warnung: never trust our engineers . Was auch immer der Grund sein mag, uns hat es königlich belustigt, und ein weiteres Mal haben wir uns gedacht, wir sind halt immer noch in Afrika, auch wenn dieses sehr europäische Kapstadt es einen wirklich hat vergessen lassen, auf welchem Kontinent man sich befindet. Offenbar dient dieses Symbol der Unfähigkeit nun einigen Actionfilmregisseuren Hollywoods als Kulisse.
Nach einer dringend benötigten Dusche haben wir dann Tine und Flo getroffen, zwei Kommilitonen aus Gießen, die ihr Chirurgietertial an der Stellenbosch-Uni bei Kapstadt ableisten und ein bisschen in das Nachtleben Kapstadts einzuführen wussten.
Nach einer Nacht in einem besseren Hostel bin ich mit Micha zunächst in den Kirstenbosch Botanischen Garten gefahren. Leider war das Wetter nicht so gut, und die Fotos damit auch nicht. Anschließend ging es in einen der Vororte. Südafrika ist ja durchaus bekannt für den ein oder anderen guten Wein. Dementsprechend konnten wir es uns nicht entgehen lassen, auf ein nahegelegenes Weingut zu fahren, um dort schick Wein und endlich mal wieder richtigen Käse (es gibt hier nur Käse, bei dem während der ganzen Erzeugung niemals eine Kuh mit im Spiel war) zu probieren, mit einem sehr leckeren sich anschließenden Essen. Nach Krokodil und Strauß konnten wir dort Springbock probieren, was wirklich ein wahrer Gaumenschmaus war.
Abends noch gesättigt vom Springbock gab es einen anständigem Braai (Südafrikanisch für Barbecue) im Studentenwohnheim. Anschließend wurden zwei Partybusse engagiert. Die hatten einen Subwoover an Board der längst vergessene Schlaglöcher bestens zu imitieren wusste. Mit schlechter Musik auf den Ohren und zahlungskräftigen europäischen Studenten im Gepäck sind wir anständig angeheitert nach Downtown gefahren. Für diese zwei Busse wurden tatsächlich bereits geschlossene Bars wieder geöffnet. Für mich stellte sich diese Szenerie völlig grotesk dar, sich auf diese pseudoreiche Proletenart transportieren zu lassen, um sich anständig zu betrinken, nachdem man mit dem für Party gut gefüllten Portmonee die bettelnden Kinder auf der Straße überwunden hatte. Bis zu meinem fünften Bier war ich angewidert von mir und den Leuten, danach hab ich das auch vergessen. Keine schöne Erfahrung.
Für die nächsten zwei Nächte haben wir dann bei unseren beiden Kollegen im Studentenwohnheim eingecheckt und sind am Morgen nach der Party mit Tine zusammen nach Robben Island gefahren. Dabei handelt es um jene Insel, auf der Volksheld, Vorbild, Friedensnobelpreisträger und südafrikanischer Halbgott Nelson Mandela schlappe 18 von insgesamt 27 Jahren eingesperrt war.
Wieder zurück auf dem Festland sind wir ein bisschen mit Tine durch die Stadt gelaufen, haben noch ein wenig die Souveniermärkte Kapstadts erkundet und uns von den Marktschreiern volllabern lassen. Gestärkt durch ein weiteres, sich in den Delikatessenroadtrip einreihendes Festmahl in einem Fischrestaurant, haben wir tags darauf am Freitag das schöne, europäische Kapstadt wieder gen Durban verlassen. Einen kurzen Zwischenstopp wurde natürlich noch beim Kap der guten Hoffnung eingelegt, den sich die Tourismusbranche hier viel zu gut bezahlen lässt. Aber egal.
Die letzte Nacht unseres Trips haben wird in Cintsa verbracht. Obwohl unsere Reiseroute straffer geplant war als auf dem Hinweg, mussten wir dort wenigstens eines der wirklich interessant klingenden Angebote des Backpackers wahrnehmen, und sind mit einer Amerikanerin und einem Guide per Fahrrad ein bisschen durch die Gegend gefahren. Einen längeren Stopp haben wir in einem kleinen Dorf eingelegt, wo wir von „Mama Tofu“, einer über 90jährigen Dorfbewohnerin ein bisschen in die Kultur, vor allem Heiratskultur, der Xhosa (Afrikanischer Stamm) eingeführt wurden. Man verhandelt dort über den Kopf der Braut hinweg, wer ihr zukünftiger Mann sein wird, der seine Traumfrau dann mit 18 Rindern bei der Familie auslösen muss. Also umgekehrt wie in Indien, werden nach Xhosa-Brauch Familien reich, die viele Töchter haben. Die Führung war leider ein bisschen zu touristisch. Man wurde mit einem traditionellen, aber irgendwie halbgaren Tanz begrüßt und verabschiedet und wurde so halb dazu genötigt, nach der Unterhaltung mit der Tofufrau, irgendwas von dem selbst hergestelltem Plastikperlendtand zu kaufen. Dennoch war der Einblick in diese Kultur mit Mama Tofu durchaus lohnenswert.
Das waren unsere Reiseerlebnisse in Kapstadt im Zeitraffer. Ich bin froh, dass wir den langen Weg per Auto zurückgelegt haben. Die Erfahrungen auf der Route waren noch interessanter als Kapstadt selber, und wir haben so viel mehr von diesem wunderschönen Land zu Gesicht bekommen.
Hier die übrigen Bilder.
Montag, 3. Mai 2010
Kapstadt 1/2
On the road again!
Dieser Song von Johnny Cash passt perfekt auf die vergangenen knapp 2 Wochen die wir mit einem Roadtrip von Durban nach Kapstadt und zurück verbrachten. 2 Wochen, in denen wir versucht haben, einen Eindruck von diesem wunderschönen und unglaublich vielfältigen Land zu bekommen. Das was wir erlebt haben lässt sich nur schlecht in Bildern und noch schlechter in Worten wiedergeben, aber ich werde mein bestes versuchen:
Los ging es am 22.4. in unserem Opel, knapp 2.000 km one way. Trotz gewisser Unsicherheit, ob wir das überhaupt mit unserer Karre schaffen können, hat sie auch diese Aufgabe wieder bravourös gemeistert. Autofahren in Südafrika ist auf jeden Fall was anderes als in Europa. Da man nur bei Tageslicht fahren sollte, wegen der Kriminalität (wir haben Storys gehört, bei denen irgendwelche Leute Steine von Brücken auf vorbeifahrende Autos werfen, sie damit zum Anhalten zwingen, um die Insassen anschließend auszurauben. Hiergegen sind auch tatsächlich bei einigen Brücken 2 Meter hohe Geländer installiert oder sie wurden sogar komplett mit Draht umspannt), wegen der teilweise sehr schlechten Straßenlage, und weil Rinder, Schafe, Hunde und Besoffene einem gerne vor das Auto rennen, und man einfach des Nachts schlecht ausweichen kann, mussten wir entsprechend ein bisschen unsere Strecken im Vorfeld planen.
Der erste Stopp war Coffee Bay, an der sog. Wild Coast. Der Weg vom sog. „highway“ bis Coffee Bay war unglaublich schlecht. Ein einziges Schlagloch kann man sagen. Man hatte überhaupt keine Chance schneller als 30 zu fahren, und dass obwohl es langsam dunkel wurde, und noch 50 km zu fahren waren. An dieser Stelle muss ich bzgl. des Befahrens dieser, sowie der restlichen 90% der knapp 4000 km Straße öffentlich eine Lanze für meinen Chauffeur Michael brechen, der schnell und mit kurvender Gewandtheit fast jedes Schlagloch geschickt ausgebremst, um- oder überfahren/-flogen hat. Hut ab, Genosse Rallye-Fahrer!
Aber zurück nach Coffee Bay. Die Landschaft dort war so unglaublich schön, und hatte ein bisschen was von Großbritanniens Steilküsten. Leuchtend saftiges Grün an den Hängen und auf den Bergen, und tosendes Wasser 100 Meter tiefer. Nur ist das Meer, der Strand und das Wetter um einiges schöner, als das der europäischen Inselbewohner. Auf einer knapp vierstündigen Wandertour entlang der Küste ging es zum legendären „hole in the wall“. Das Ding selber war nur halb so beeindruckend, wie der Weg dorthin. Ich muss mich jetzt schon entschuldigen für die zahlreichen Bilder, die ich dafür einstellen werde. Wahrscheinlich hat man irgendwann die Nase voll davon und ist schlicht übersättigt (oder wenigstens neidisch :) Dort haben wir (wie eigentlich überall) eine Gruppe Deutsche getroffen. Der Rückweg wurde dann per Anhalter organisiert. Erst auf der Pritsche eines Pickups und anschließend wurden wir von einem freundlichen Polizisten in der „Gefangenen-Kabine“ mitgenommen. Dort drinnen ist keine Rede von Polsterung, geschweige denn Anschnallmöglichkeit. Obwohl der Polizist sehr langsam unterwegs war, wurden wir ziemlich durchgeschüttelt, und man muss sich überlegen, wie es da drinnen wohl sein mag, wenn der Gesetzeshüter am Steuer auf seine Insassen nicht so gut zu sprechen ist.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Plettenberg Bay. Etwa ab Port Elisabeth verändert sich Südafrika komplett. Die „highways“ wandeln sich in fast mit Deutschland vergleichbaren Autobahnen. Die gesamte Stimmung ist weniger schwarzafrika-kafkaesk (wow!) und Plettenberg selber könnte eine Kleinstadt auf Langeoog sein. Verkehrsberuhigte, kommerzialisierte Einkaufszonen, großzügige, saubere Straßen und Häuser, bei denen nicht der Putz von den Wänden bröckelt. Das war definitiv kein Afrika mehr, wie man es sich vorstellt, bzw. wir es aus Durban kennen.
Von Plettenberg aus haben wir dann eine Wanderung im nahe gelegenen Tsitsikamma Nationalpark in Angriff genommen. Eine auch sehr schöne Gegend, diesmal sind wir aber an der Steilküste direkt entlang gelaufen bzw. geklettert. Auch hier haben wir zufällig einen Deutschen kennen gelernt, der uns spontan begleitete. Auf dem Weg zum Nationalpark sind wir über eine Brücke gefahren, von der aus man den höchsten Brücken-Bungeesprung der Welt begehen kann, wenn man will. Über 200 Meter, 6 Sekunden freier Fall. Haben wir leider nicht gemacht, was mich jetzt ein bisschen ärgert. Aber egal.
Nach Plettenberg wichen wir von der ursprünglich geplanten Route ab nach Oudtshoorn. Auch im Nachhinein ist der Grund ein bisschen lächerlich, aber Michaels feinen Gaumen dürstete es nach Straußenfleisch. Da wir von irgendwem hörten, dass es dort einige Straußenfarmen gibt, sind wir entsprechend abgebogen und haben uns den tatsächlich sehr leckeren Strauß auch schmecken lassen. Gerne wären wir auf einem dieser Vögel geritten, nachdem wir Pferd schon probiert haben. Das war aber nur bis maximal 75kg erlaubt, und wir bringen leider ein bisschen mehr auf die Waage. Das Alternativprogramm fanden wir in einer Tropfsteinhöhle dort in der Nähe. Das hört sich erstmal totlangweilig an. Wer einmal in einer solchen Höhle gewesen ist, kann sich alle anderen eigentlich sparen, es sei denn, man kann sich für die geospezifischen Unterschiede der Gesteins- und Kristallarten begeistern. Ich habe mir auch am Anfang gedacht: Kennste eine, kennste alle, aber diese hier hatte ein „Adventure-Programm“ zu bieten, was sich tatsächlich gelohnt hat. Im Prinzip bestand das Programm daraus, dass man die Grenzen seiner Klaustrophobie kennen lernt. In einer 26 Grad mal feucht- mal trocken-warmen Höhle, bei der man sich generell fragt, wo der Sauerstoff eigentlich herkommt (auf diese Frage wusste auch der Guide keine Antwort) durch Schächte zu kriechen, bei denen beleibtere Besucher hin und wieder bereits stecken geblieben sind, und nur durch ziehen, schieben und Quetsch- und Schürfwunden zu befreien waren, war schon ein kleines Abenteuer. In der Höhle gab es Kristalle, auf denen man super Trommeln konnte, und verschieden hohe Töne herausbekam. Vor allem die tiefen Kristalle hatten einen recht beeindruckenden Sound. Als ich mich aber an das Thema Resonanzkatastrophe aus meiner Physikvorlesung erinnerte, hab ich ziemlich schnell von dem Trommeln Abstand genommen. Gemeinsam mit einem Holländer, die man in Südafrika ähnlich häufig antrifft, wie Deutsche, sind wir dann weiter nördlich gefahren über den Schwarzbergpass. Unser Weg führte uns danach durch die so genannte Kleine Karoo. Es handelt sich dabei um eine Halbwüste, die für uns allerdings schon wie eine große Vollwüste aussah. Staubtrocken, kaum ein Gewächs größer als ein Meter und kein Grün weit und breit, und wir bei gefühlten 40 Grad im Schatten 50 km durch die brüllende Mittagssonne. Einzig der Fahrtwind verschaffte ein bisschen Abkühlung. Nur sehr ungerne wäre ich dort Motor unseres Autos gewesen. Von dort aus fuhren wir auf direktem Wege nach Kapstadt.
Hut ab, dem tapferen Leser, der es bis hier hin geschafft hat. Um mir und euch eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, schreibe ich den Rest des Blogs in den nächsten Tagen weiter.
Hier gibt’s jetzt erstmal ein paar Bilder von gerade Erzähltem!
Dieser Song von Johnny Cash passt perfekt auf die vergangenen knapp 2 Wochen die wir mit einem Roadtrip von Durban nach Kapstadt und zurück verbrachten. 2 Wochen, in denen wir versucht haben, einen Eindruck von diesem wunderschönen und unglaublich vielfältigen Land zu bekommen. Das was wir erlebt haben lässt sich nur schlecht in Bildern und noch schlechter in Worten wiedergeben, aber ich werde mein bestes versuchen:
Los ging es am 22.4. in unserem Opel, knapp 2.000 km one way. Trotz gewisser Unsicherheit, ob wir das überhaupt mit unserer Karre schaffen können, hat sie auch diese Aufgabe wieder bravourös gemeistert. Autofahren in Südafrika ist auf jeden Fall was anderes als in Europa. Da man nur bei Tageslicht fahren sollte, wegen der Kriminalität (wir haben Storys gehört, bei denen irgendwelche Leute Steine von Brücken auf vorbeifahrende Autos werfen, sie damit zum Anhalten zwingen, um die Insassen anschließend auszurauben. Hiergegen sind auch tatsächlich bei einigen Brücken 2 Meter hohe Geländer installiert oder sie wurden sogar komplett mit Draht umspannt), wegen der teilweise sehr schlechten Straßenlage, und weil Rinder, Schafe, Hunde und Besoffene einem gerne vor das Auto rennen, und man einfach des Nachts schlecht ausweichen kann, mussten wir entsprechend ein bisschen unsere Strecken im Vorfeld planen.
Der erste Stopp war Coffee Bay, an der sog. Wild Coast. Der Weg vom sog. „highway“ bis Coffee Bay war unglaublich schlecht. Ein einziges Schlagloch kann man sagen. Man hatte überhaupt keine Chance schneller als 30 zu fahren, und dass obwohl es langsam dunkel wurde, und noch 50 km zu fahren waren. An dieser Stelle muss ich bzgl. des Befahrens dieser, sowie der restlichen 90% der knapp 4000 km Straße öffentlich eine Lanze für meinen Chauffeur Michael brechen, der schnell und mit kurvender Gewandtheit fast jedes Schlagloch geschickt ausgebremst, um- oder überfahren/-flogen hat. Hut ab, Genosse Rallye-Fahrer!
Aber zurück nach Coffee Bay. Die Landschaft dort war so unglaublich schön, und hatte ein bisschen was von Großbritanniens Steilküsten. Leuchtend saftiges Grün an den Hängen und auf den Bergen, und tosendes Wasser 100 Meter tiefer. Nur ist das Meer, der Strand und das Wetter um einiges schöner, als das der europäischen Inselbewohner. Auf einer knapp vierstündigen Wandertour entlang der Küste ging es zum legendären „hole in the wall“. Das Ding selber war nur halb so beeindruckend, wie der Weg dorthin. Ich muss mich jetzt schon entschuldigen für die zahlreichen Bilder, die ich dafür einstellen werde. Wahrscheinlich hat man irgendwann die Nase voll davon und ist schlicht übersättigt (oder wenigstens neidisch :) Dort haben wir (wie eigentlich überall) eine Gruppe Deutsche getroffen. Der Rückweg wurde dann per Anhalter organisiert. Erst auf der Pritsche eines Pickups und anschließend wurden wir von einem freundlichen Polizisten in der „Gefangenen-Kabine“ mitgenommen. Dort drinnen ist keine Rede von Polsterung, geschweige denn Anschnallmöglichkeit. Obwohl der Polizist sehr langsam unterwegs war, wurden wir ziemlich durchgeschüttelt, und man muss sich überlegen, wie es da drinnen wohl sein mag, wenn der Gesetzeshüter am Steuer auf seine Insassen nicht so gut zu sprechen ist.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Plettenberg Bay. Etwa ab Port Elisabeth verändert sich Südafrika komplett. Die „highways“ wandeln sich in fast mit Deutschland vergleichbaren Autobahnen. Die gesamte Stimmung ist weniger schwarzafrika-kafkaesk (wow!) und Plettenberg selber könnte eine Kleinstadt auf Langeoog sein. Verkehrsberuhigte, kommerzialisierte Einkaufszonen, großzügige, saubere Straßen und Häuser, bei denen nicht der Putz von den Wänden bröckelt. Das war definitiv kein Afrika mehr, wie man es sich vorstellt, bzw. wir es aus Durban kennen.
Von Plettenberg aus haben wir dann eine Wanderung im nahe gelegenen Tsitsikamma Nationalpark in Angriff genommen. Eine auch sehr schöne Gegend, diesmal sind wir aber an der Steilküste direkt entlang gelaufen bzw. geklettert. Auch hier haben wir zufällig einen Deutschen kennen gelernt, der uns spontan begleitete. Auf dem Weg zum Nationalpark sind wir über eine Brücke gefahren, von der aus man den höchsten Brücken-Bungeesprung der Welt begehen kann, wenn man will. Über 200 Meter, 6 Sekunden freier Fall. Haben wir leider nicht gemacht, was mich jetzt ein bisschen ärgert. Aber egal.
Nach Plettenberg wichen wir von der ursprünglich geplanten Route ab nach Oudtshoorn. Auch im Nachhinein ist der Grund ein bisschen lächerlich, aber Michaels feinen Gaumen dürstete es nach Straußenfleisch. Da wir von irgendwem hörten, dass es dort einige Straußenfarmen gibt, sind wir entsprechend abgebogen und haben uns den tatsächlich sehr leckeren Strauß auch schmecken lassen. Gerne wären wir auf einem dieser Vögel geritten, nachdem wir Pferd schon probiert haben. Das war aber nur bis maximal 75kg erlaubt, und wir bringen leider ein bisschen mehr auf die Waage. Das Alternativprogramm fanden wir in einer Tropfsteinhöhle dort in der Nähe. Das hört sich erstmal totlangweilig an. Wer einmal in einer solchen Höhle gewesen ist, kann sich alle anderen eigentlich sparen, es sei denn, man kann sich für die geospezifischen Unterschiede der Gesteins- und Kristallarten begeistern. Ich habe mir auch am Anfang gedacht: Kennste eine, kennste alle, aber diese hier hatte ein „Adventure-Programm“ zu bieten, was sich tatsächlich gelohnt hat. Im Prinzip bestand das Programm daraus, dass man die Grenzen seiner Klaustrophobie kennen lernt. In einer 26 Grad mal feucht- mal trocken-warmen Höhle, bei der man sich generell fragt, wo der Sauerstoff eigentlich herkommt (auf diese Frage wusste auch der Guide keine Antwort) durch Schächte zu kriechen, bei denen beleibtere Besucher hin und wieder bereits stecken geblieben sind, und nur durch ziehen, schieben und Quetsch- und Schürfwunden zu befreien waren, war schon ein kleines Abenteuer. In der Höhle gab es Kristalle, auf denen man super Trommeln konnte, und verschieden hohe Töne herausbekam. Vor allem die tiefen Kristalle hatten einen recht beeindruckenden Sound. Als ich mich aber an das Thema Resonanzkatastrophe aus meiner Physikvorlesung erinnerte, hab ich ziemlich schnell von dem Trommeln Abstand genommen. Gemeinsam mit einem Holländer, die man in Südafrika ähnlich häufig antrifft, wie Deutsche, sind wir dann weiter nördlich gefahren über den Schwarzbergpass. Unser Weg führte uns danach durch die so genannte Kleine Karoo. Es handelt sich dabei um eine Halbwüste, die für uns allerdings schon wie eine große Vollwüste aussah. Staubtrocken, kaum ein Gewächs größer als ein Meter und kein Grün weit und breit, und wir bei gefühlten 40 Grad im Schatten 50 km durch die brüllende Mittagssonne. Einzig der Fahrtwind verschaffte ein bisschen Abkühlung. Nur sehr ungerne wäre ich dort Motor unseres Autos gewesen. Von dort aus fuhren wir auf direktem Wege nach Kapstadt.
Hut ab, dem tapferen Leser, der es bis hier hin geschafft hat. Um mir und euch eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, schreibe ich den Rest des Blogs in den nächsten Tagen weiter.
Hier gibt’s jetzt erstmal ein paar Bilder von gerade Erzähltem!
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