On the road again!
Dieser Song von Johnny Cash passt perfekt auf die vergangenen knapp 2 Wochen die wir mit einem Roadtrip von Durban nach Kapstadt und zurück verbrachten. 2 Wochen, in denen wir versucht haben, einen Eindruck von diesem wunderschönen und unglaublich vielfältigen Land zu bekommen. Das was wir erlebt haben lässt sich nur schlecht in Bildern und noch schlechter in Worten wiedergeben, aber ich werde mein bestes versuchen:
Los ging es am 22.4. in unserem Opel, knapp 2.000 km one way. Trotz gewisser Unsicherheit, ob wir das überhaupt mit unserer Karre schaffen können, hat sie auch diese Aufgabe wieder bravourös gemeistert. Autofahren in Südafrika ist auf jeden Fall was anderes als in Europa. Da man nur bei Tageslicht fahren sollte, wegen der Kriminalität (wir haben Storys gehört, bei denen irgendwelche Leute Steine von Brücken auf vorbeifahrende Autos werfen, sie damit zum Anhalten zwingen, um die Insassen anschließend auszurauben. Hiergegen sind auch tatsächlich bei einigen Brücken 2 Meter hohe Geländer installiert oder sie wurden sogar komplett mit Draht umspannt), wegen der teilweise sehr schlechten Straßenlage, und weil Rinder, Schafe, Hunde und Besoffene einem gerne vor das Auto rennen, und man einfach des Nachts schlecht ausweichen kann, mussten wir entsprechend ein bisschen unsere Strecken im Vorfeld planen.
Der erste Stopp war Coffee Bay, an der sog. Wild Coast. Der Weg vom sog. „highway“ bis Coffee Bay war unglaublich schlecht. Ein einziges Schlagloch kann man sagen. Man hatte überhaupt keine Chance schneller als 30 zu fahren, und dass obwohl es langsam dunkel wurde, und noch 50 km zu fahren waren. An dieser Stelle muss ich bzgl. des Befahrens dieser, sowie der restlichen 90% der knapp 4000 km Straße öffentlich eine Lanze für meinen Chauffeur Michael brechen, der schnell und mit kurvender Gewandtheit fast jedes Schlagloch geschickt ausgebremst, um- oder überfahren/-flogen hat. Hut ab, Genosse Rallye-Fahrer!
Aber zurück nach Coffee Bay. Die Landschaft dort war so unglaublich schön, und hatte ein bisschen was von Großbritanniens Steilküsten. Leuchtend saftiges Grün an den Hängen und auf den Bergen, und tosendes Wasser 100 Meter tiefer. Nur ist das Meer, der Strand und das Wetter um einiges schöner, als das der europäischen Inselbewohner. Auf einer knapp vierstündigen Wandertour entlang der Küste ging es zum legendären „hole in the wall“. Das Ding selber war nur halb so beeindruckend, wie der Weg dorthin. Ich muss mich jetzt schon entschuldigen für die zahlreichen Bilder, die ich dafür einstellen werde. Wahrscheinlich hat man irgendwann die Nase voll davon und ist schlicht übersättigt (oder wenigstens neidisch :) Dort haben wir (wie eigentlich überall) eine Gruppe Deutsche getroffen. Der Rückweg wurde dann per Anhalter organisiert. Erst auf der Pritsche eines Pickups und anschließend wurden wir von einem freundlichen Polizisten in der „Gefangenen-Kabine“ mitgenommen. Dort drinnen ist keine Rede von Polsterung, geschweige denn Anschnallmöglichkeit. Obwohl der Polizist sehr langsam unterwegs war, wurden wir ziemlich durchgeschüttelt, und man muss sich überlegen, wie es da drinnen wohl sein mag, wenn der Gesetzeshüter am Steuer auf seine Insassen nicht so gut zu sprechen ist.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Plettenberg Bay. Etwa ab Port Elisabeth verändert sich Südafrika komplett. Die „highways“ wandeln sich in fast mit Deutschland vergleichbaren Autobahnen. Die gesamte Stimmung ist weniger schwarzafrika-kafkaesk (wow!) und Plettenberg selber könnte eine Kleinstadt auf Langeoog sein. Verkehrsberuhigte, kommerzialisierte Einkaufszonen, großzügige, saubere Straßen und Häuser, bei denen nicht der Putz von den Wänden bröckelt. Das war definitiv kein Afrika mehr, wie man es sich vorstellt, bzw. wir es aus Durban kennen.
Von Plettenberg aus haben wir dann eine Wanderung im nahe gelegenen Tsitsikamma Nationalpark in Angriff genommen. Eine auch sehr schöne Gegend, diesmal sind wir aber an der Steilküste direkt entlang gelaufen bzw. geklettert. Auch hier haben wir zufällig einen Deutschen kennen gelernt, der uns spontan begleitete. Auf dem Weg zum Nationalpark sind wir über eine Brücke gefahren, von der aus man den höchsten Brücken-Bungeesprung der Welt begehen kann, wenn man will. Über 200 Meter, 6 Sekunden freier Fall. Haben wir leider nicht gemacht, was mich jetzt ein bisschen ärgert. Aber egal.
Nach Plettenberg wichen wir von der ursprünglich geplanten Route ab nach Oudtshoorn. Auch im Nachhinein ist der Grund ein bisschen lächerlich, aber Michaels feinen Gaumen dürstete es nach Straußenfleisch. Da wir von irgendwem hörten, dass es dort einige Straußenfarmen gibt, sind wir entsprechend abgebogen und haben uns den tatsächlich sehr leckeren Strauß auch schmecken lassen. Gerne wären wir auf einem dieser Vögel geritten, nachdem wir Pferd schon probiert haben. Das war aber nur bis maximal 75kg erlaubt, und wir bringen leider ein bisschen mehr auf die Waage. Das Alternativprogramm fanden wir in einer Tropfsteinhöhle dort in der Nähe. Das hört sich erstmal totlangweilig an. Wer einmal in einer solchen Höhle gewesen ist, kann sich alle anderen eigentlich sparen, es sei denn, man kann sich für die geospezifischen Unterschiede der Gesteins- und Kristallarten begeistern. Ich habe mir auch am Anfang gedacht: Kennste eine, kennste alle, aber diese hier hatte ein „Adventure-Programm“ zu bieten, was sich tatsächlich gelohnt hat. Im Prinzip bestand das Programm daraus, dass man die Grenzen seiner Klaustrophobie kennen lernt. In einer 26 Grad mal feucht- mal trocken-warmen Höhle, bei der man sich generell fragt, wo der Sauerstoff eigentlich herkommt (auf diese Frage wusste auch der Guide keine Antwort) durch Schächte zu kriechen, bei denen beleibtere Besucher hin und wieder bereits stecken geblieben sind, und nur durch ziehen, schieben und Quetsch- und Schürfwunden zu befreien waren, war schon ein kleines Abenteuer. In der Höhle gab es Kristalle, auf denen man super Trommeln konnte, und verschieden hohe Töne herausbekam. Vor allem die tiefen Kristalle hatten einen recht beeindruckenden Sound. Als ich mich aber an das Thema Resonanzkatastrophe aus meiner Physikvorlesung erinnerte, hab ich ziemlich schnell von dem Trommeln Abstand genommen. Gemeinsam mit einem Holländer, die man in Südafrika ähnlich häufig antrifft, wie Deutsche, sind wir dann weiter nördlich gefahren über den Schwarzbergpass. Unser Weg führte uns danach durch die so genannte Kleine Karoo. Es handelt sich dabei um eine Halbwüste, die für uns allerdings schon wie eine große Vollwüste aussah. Staubtrocken, kaum ein Gewächs größer als ein Meter und kein Grün weit und breit, und wir bei gefühlten 40 Grad im Schatten 50 km durch die brüllende Mittagssonne. Einzig der Fahrtwind verschaffte ein bisschen Abkühlung. Nur sehr ungerne wäre ich dort Motor unseres Autos gewesen. Von dort aus fuhren wir auf direktem Wege nach Kapstadt.
Hut ab, dem tapferen Leser, der es bis hier hin geschafft hat. Um mir und euch eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, schreibe ich den Rest des Blogs in den nächsten Tagen weiter.
Hier gibt’s jetzt erstmal ein paar Bilder von gerade Erzähltem!
Montag, 3. Mai 2010
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