Einleitend muss erwähnt werden, dass dieser Beitrag von Micha verfasst wurde (wer hätte das gedacht!), Söhnkes’ wohlerprobtem (und kongenialem) Lebensabschnittsgefährten. Die Gründe hierfür sind zweierlei, 1) um die Wette mit ihm zu gewinnen, dass ich es doch noch schaffe zu schreiben, und 2) weil ich meinen Beitrag zu dieser tollen Erfahrungsberichts-Website leisten will!
Der Exkurs nach Lesotho am letzten Wochenende reiht sich in die (wachsende) Liste der Highlights ein, die man hier in Südafrika erleben kann. Spontan und ohne große Vorbereitungen geplant, fuhren wir freitags zu viert los, im Gepäck Anna (PJlerin aus Marburg) und Anne (Besuch aus Göttingen). Nach anfänglichen (und wie sich herausstellen wird überaus berechtigten) Bedenken, ob unser Opel Astra die Reise mit uns überstehen wird, sind wir dann – ohne uns einen Allrad-Antrieb zu mieten – losgefahren, mit Zelt, Kühlboxen und Reiseführer.
Auf dem Hinweg durften wir erstmalig Bekanntschaft mit der Verkehrspolizei Südafrikas machen – und hier möchte ich einen allgemeinen Ratschlag erteilen. Versucht bitte folgende drei Aussagen zu vermeiden, wenn ihr mit 30+ km/h zu schnell (bei allgemein nur erlaubten 120 km/h) angehalten werdet: 1) „I don’t believe you.“ (als Antwort auf das angesprochene Strafausmaß von 2500 Rand/250 Euro), 2) „Now do I really have to get out of my car?“ (wie unerhört auch, dass man nicht einfach direkt weiterfahren darf!), und 3) „Can you prove that the measured speed belongs to my car?!“ (mein Tacho könnte ja auch lügen) – solche Aussagen tragen nicht zur Lösung des Konfliktes mit dem Diener der Staatsgewalt bei! Gott sei Dank löste Söhnke die Situation durch versierteres Verhandlungsgeschick, und wir konnten (nach zwischenzeitlichem Drohen von Knast-Aufenthalt und Anklage) doch weiterfahren, ohne auch nur einen müden Rand zu zahlen…
In Bethlehem (einer Kleinstadt just nördlich von der Grenze Lesothos), lernten wir dann die andere Seite der Staatsmacht kennen. Auf der Suche nach einem Campingplatz (den es dort nicht gab) suchten wir Rat bei einem am Straßenrand wartenden – was sonst? (man lernt ja nicht dazu) – Verkehrspolizisten. Doch dieser entpuppte sich als so extrem zuvorkommend, dass er uns mit seinem Dienstwagen etliche Kilometer zu diversen Übernachtungsmöglichkeiten eskortierte, u.A. mit Blaulicht in entgegengesetzter Richtung einer Einbahnstraße mit uns fuhr, von seinem (Dienst?-)Handy für uns telefonierte…bis wir eine wirklich exzellente Zeltmöglichkeit im Hintergarten einer „Lodge“ fanden. Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl!
Unausgeschlafen (ein Vier-Mann-Zelt ist nicht immer ein Vier-Mann-Zelt…) aber voller Tatendrang sind wir dann am nächsten Morgen von Norden her nach Lesotho hereingefahren – oder besser hochgefahren. Wer oder was ist Lesotho? Lesotho ist ein extrem bergiges Königreich mit vereinzelten Hochplateaus, die zwischen 2000-3000 Höhenmetern liegen. Diese extremen natürlichen Gegebenheiten bieten eine faszinierende Kulisse, eine sehr klare Atmosphäre und eine große Herausforderung für unser armes Auto, das sich auf den (noch) asphaltierten Straßen mit unzähligen tückischen Schlaglöchern über teilweise große Strecken im ersten Gang hochquälen musste. Wir haben mit jedem einzelnen unserer 101 Pferde mitgezittert! Es sei noch zu erwähnen, dass die Strecke, die wir gefahren sind, Teil der „Roof of Africa“-Rallye ist, die als eine der härtesten der Welt gilt…
Des weiteren ist Lesotho eines der ärmsten Länder auf der Welt, „dritte Welt“ bezeichnet es doch wohl treffend, da es der Welten meines Wissens nur dreie gibt. Doch trotz (oder gerade wegen?) der Armut, die wirklich offensichtlich ist, haben die Einheimischen dort (vom Stamme der Sothos) eine sehr herzliche und ehrliche Art, die mich fasziniert hat. Zu keiner gab es, trotz der vielen Rands und Lebensmittel in unserem Auto, Gefühle der Aggression uns gegenüber. Höhepunkt und Beweis dieser Feststellung war der Moment, als wir bei düsterer Finsternis in einem Bergdorf (nach ca. 10 km bergig-unebener Landstraße – nicht mehr asphaltiert) gestrandet sind, wo laut Reiseführer eine „Lodge“ (Übernachtungsmöglichkeit) sein sollte. Doch erst durch die sehr freundliche Mithilfe der Dorfbewohner konnten wir das Gebäude ausmachen, das sich dann, nachdem es von diesen aufgeschlossen wurde, als exquisite Herberge (ohne Strom) herausstellte. Unser anschließendes Grillen in 3000 Höhenmetern unter einem unglaublichen Sternenhimmel – definitiv ein weiteres Highlight des Ausflugs!
Am nächsten Morgen dann standen schon um acht Uhr in der Früh die vier Bergponys für uns bereit, nach denen wir uns zuvor erkundigt hatten – eine glänzende Idee von Anne bzw. ihrem Reiseführer. Unter der Führung eines netten Dorfbewohners und seines kleinen Hundes Poopie versuchten wir uns dann knapp drei Stunden als Lesotho-Cowboys in den Bergen, mit großem Erfolg! Am nächsten Tag trug jeder von uns Muskelkater davon, Anne noch mehr da sie bei einem zwischenzeitlichen Galopp stürzte (der Sattelriemen war gerissen), doch dank ihrer Fallkünste bzw. der fehlenden Schwerkraft ging alles gut…
Zu guter Letzt ging es an den Rückweg – wir hatten im Vorfeld gehört, wie wunderschön der ostwärts gerichtete Sani-Pass ist. Die Information, die uns ausnahmslos jeder nahe legte, dass Allradantrieb unabdinglich ist, betrachteten wir als sekundär (mit Ausnahme vielleicht von Söhnke). Hey, es geht doch bergab, oder? Das klappt schon! Also machten wir uns auf den Weg. Die Straße, unasphaltiert mit teils immensem Gefälle, wurde immer schlechter, bis sie nach der Außengrenze Lesothos von regelrechten Geröllabschnitten durchsetzt wurde. Ausnahmslos jeder von uns betete, dass das Auto halten würde, der Motor sich nicht aufgibt, die Achsen halten, die Reifen nicht explodieren, die Bremsbeläge nicht schmelzen. In etlichen Abschnitten mussten alle Insassen bis auf den Fahrer einen Teil der Strecke zu Fuß absolvieren, damit das Auto höher liegt. Erste Gedanken an Trinkwasser-Rationalisierung kamen auf, an Essensvorräte, Handyempfang gab es schon lange nicht mehr, also für den Fall der Fälle…doch unser spitze Auto hielt durch! Womit ich die Gelegenheit ergreifen möchte, jeden südafrikanischen Opelhersteller, vom Designer bis zum … Schraubenmonteur, innerlich herzlich zu umarmen!
Der Sani-Pass war, wie der Ausflug nach Lesotho überhaupt, atemberaubend. Söhnke, Anne, Anna – ihr seid ein Spitzenteam! Where to next?
Bilder dazu.
Freitag, 16. April 2010
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