Dienstag, 26. Oktober 2010

Epania

Ich hab mich wie man sieht, schon ein bisschen an das spanische Leben gewöhnt und akklimatisiert, bzw. mich von der spanischen Trägheit anstecken lassen. Schön Siesta und den Tag so dahinlaufen lassen ohne z.B. hier einen Eintrag hineinzuschreiben. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich selber noch nicht so genau. Aber abgesehen von der Trägheit habe ich mich sonst auch schon ganz gut eingelebt. Immerhin bin ich auch schon einen Monat hier. Nach wie vor ist die Sprache am schwierigsten für mich zu bewältigen. Auch weil die Leute hier in Granada einen beschissenen Akzent sprechen, der es mir noch schwieriger macht, zu verstehen um was es grad geht. So wird z.B. fast prinzipiell bei jedem Wort das S weggelassen, bzw. der letzte Buchstabe der Worte nicht ausgesprochen, damit der Spanier noch schneller ein Wort an das andere reihen kann, und ich garnix mehr verstehen kann.
Stichwort: Sprachproblem: Am Wochenende war ich mit Adela und ihrer Familie bei einem Musical, das von Laien gespielt wurde. Bei den Laien handelt es sich um die Leute, die im vergangenen Jahr die Prüfung abgelegt haben, für die Adela jetzt für insgesamt ein halbes Jahr wie in einer Schule lernt. Der Professor, der die Vorbereitung auf diese Prüfung leitet, hat auch dieses Musical organisiert und „singt“ mit. Im Anschluss an das Musical gab es eine große Party, auf der Adela mich diesem Prof. vorgestellt hat. Ein wohl netter Typ, aber wegen der scheiße lauten Musik und meinem Spanisch habe ich seine Frage, ob mir denn das Musical gefallen hat, falsch als Frage, ob ich dem Musical sprachlich folgen konnte, verstanden, und habe wahrheitsgemäß mit „casi nada– fast garnicht“ geantwortet. Fand er nicht so gut, aber Adela hat das schnell aufgeklärt und ich damit für einen Lacher unter den übrigen Studenten gesorgt :)
Letzte Woche Montag habe ich mit der „Arbeit“ hier angefangen. Dem ersten Tag habe ich mit einem ziemlich unguten Gefühl entgegengeblickt. Einfach weil ich mehr schlecht als recht nur die Basiskommunikation beherrsche. Ich kann auch noch nicht sagen, dass ich gerne ins Krankenhaus hier gehe – sprachbedingt. Insgesamt hätte ich aber kaum bessere Umstände antreffen können.
Zunächst hält sich die Arbeit hier im Grenzen. Ich fange um halb neun an mit ner Frühbesprechung. Danach wird Kaffee getrunken und gefrühstückt, und ca. um halb zehn beginnt die Arbeit. Aktenvisite, dann Patientenvisite und evtl. eine sich anschließende Fortbildung, so dass ich um halb drei meistens den Laden wieder verlassen kann. Sehr chillig, va. wenn ich das mit der Arbeit in der Schweiz vergleiche. Hier gibt es außerdem keinerlei Dienste oder so einen Quatsch für mich.
Die „Arbeit“ besteht hier aus zuschauen. Ich mach eigentlich nix außer auch mal abhören, dem Patienten eine Frage stellen und irgendwie dem behandelnden Arzt assistieren. Vielleicht ändert sich das auch noch, aber grad siehts nicht danach aus. Va. weil die Assistenzärzte im ersten Jahr etwa exakt das gleiche machen. Zuschauen. Für jemanden, der die Sprache nur rudimentär beherrscht, ist das natürlich sehr angenehm.
Der Kollege, der mir zugeteilt wurde, ist eigentlich ein freundlicher Zeitgenosse und relativ geduldig mit meinem Sprachproblem. Außerdem glaube ich, dass er ziemlich gut ist, und insgesamt im Team eine ziemliche Autorität, obwohl er noch sehr jung ist, vielleicht Mitte dreißig. Auch der Assistenzarzt der in seinem zweiten Jahr ist, und mal Neurologe werden will, aber eine Rotation in der Inneren macht, ist ganz ok. Es dauert wohl ein bisschen länger bis man den Zugang zu den Leuten findet, wenn man sich nur über banale Dinge unterhalten kann. Englisch, hab gesagt, will ich am liebsten gar nicht mit denen sprechen. Klar, um die Sprache zu lernen. Und manchmal glaube ich, dass das zu noch mehr Missverständnissen führen würde, da der Spanier, auch wenn er Arzt ist, ein beschissenes Englisch spricht.
Das Patientengut hier ist auch echt interessant. Der Chef der Abteilung ist sowas wie Dr. House. Nicht was seinen Charakter betrifft – der Typ ist bei Studenten im Allgemeinen sehr beliebt, da er sehr nahbar und freundlich ist – aber er behandelt seltene oder komische Erkrankungen, Infektionskrankheiten und Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis. In der Woche in der ich jetzt hier bin habe ich wirklich viele unterschiedliche und schwere Krankheitsbilder gesehen und das ist wirklich interessant. Das habe ich von der Inneren Medizin gar nicht so erwartet. Für mich ist Innere Medizin Geriatrie und Behandlung von Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und so weiter. Und diese Medizin kotzt mich komplett an. Das hier ist ein bisschen spektakulärer. Und wenn es so spannend weitergeht, wie in dieser und der vergangenen Woche, dann lohnt sich der Aufenthalt hier fachlich noch mehr als ich ihm am Anfang zugetraut hätte.
Also insgesamt ein ganz guter Anfang.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Granada!

Bienvenido!

Lange hab ich ja nix mehr geschrieben. Mittlerweile ist das zweite Tertial vorbei und die St. Gallen damit abgeschlossen. Leider war es ein bisschen langweilig dort, bzw. es gab nicht so wahnsinnig viel zu berichten – insbesondere im Vergleich mit Südafrika. Und ich hatte echt viel zu tun, so dass ich kaum was gestartet habe. Es war aber abgesehen von der vielen Arbeit, bei der ich aber recht viel gelernt habe, auch sehr schön. Insbesondere wegen der Leute, die ich dort kennengelernt habe, und mit denen ich eine sehr schöne Zeit hatte. Vor allem mein Spanischtandem mit Carmen hat mir sehr gut gefallen, und ich vermisse die witzige Zeit mit ihr schon ein bisschen. An einem meiner letzten Wochenenden bin ich mit ihr, ihrem Freund und ein paar anderen Spaniern auf den so genannten hohen Kasten gewandert. Da hat sich die Schweiz wettertechnisch noch einmal von ihrer besten Seite gezeigt. Dann ging es für mich mit dem Auto los Richtung Süden. Ein bisschen Sorge hatte ich schon, ob die Kiste diese Strecke durchsteht, da sie ja in St. Gallen fast gar nicht bewegt wurde. Aber das hat alles bestens geklappt. Auf ca. der Hälfte der Strecke bin ich bei der Freundin meines Bruders für eine Nacht in Montpellier untergekommen. Danach ging es weiter Richtung Granada. Auf der Strecke habe ich noch sehr spontan eine Freundin von mir, die ich in Prag kennengelernt habe, in Albacete besucht. Marta hat mit Micha und mir in Tschechien vor nun fast schon 2 Jahren auch Medizin studiert und bereitet sich grad wie Adela auf ihr letztes Examen vor. Es hat mich sehr gefreut, dass das mit dem Treffen geklappt hat, insbesondere weil ich mich nur 3 Stunden vorher angekündigt habe.
Irgendwann bin ich dann nachts in Granada angekommen. Adela hatte einige Freundinnen eingeladen, die dann geholfen haben in Windeseile mein wirklich sehr voll gepacktes Auto leerzuräumen. Ich habe dann hier eine wirklich unglaublich schöne und ziemlich große, vollständig eingerichtete Wohnung mit Balkon-Terrasse, die den ganzen Tag lang Sonne hat, vorgefunden, in der ich mich sofort wie zu Hause gefühlt hab. Ich muss das noch mal abfotografieren, dass ihr einen Eindruck davon bekommen könnt.
Am nächsten Tag gabs dann gleich eine weitere Willkommensüberraschung: Irgendein Arsch hat in meiner ersten Nacht hier in Granada mein Beifahrerfenster eingeschlagen und sich mein 20 Euro Radio rausgeklaut. Das Scheißfenster hätte ein Vielfaches von dem Radio gekostet, hätte Adelas Vater nicht einen sehr günstigen Mechaniker gekannt. Abgesehen von dieser Geschichte werde ich aber sehr gut hier aufgenommen. Ich mache jetzt seit einer Woche einen 2-wöchigen Sprachkurs und dann beginnt mein letztes Tertial in der Inneren Medizin am 18.10. Ich hab noch ziemlich viel Schiss davor, da mein Spanisch noch sehr rudimentär ist, aber das wird hoffentlich auch bald besser, wenn ich hier regelmäßig keine andere Möglichkeit mehr habe, als mich auf Spanisch zu verständigen. Über ein verlängertes Wochenende besuchen mich z.Z. meine Eltern hier. Wie das so ist, bringen die Oldenburger das Scheißwetter im Handgepäck mit. Bis vor 3 Tagen waren hier sommerliche 30°. Jetzt sind wir bei verregneten 15°, genau dann, als ich mit meinen Eltern hier ein bisschen was unternehmen wollte… Egal.
Wenn das Wetter wieder besser ist mach ich mal ein paar Fotos von hier, im Augenblick lohnt sich das leider gar nicht. Ich hoffe, dass mein Tertial hier ein bisschen interessanter wird, als das letzte. Kleine Zweifel habe ich dabei schon, da ich ab November mir vorgenommen habe für mein im April anstehendes Examen zu lernen und gemeinsam mit Adela mich in die Bib zu setzen. Mal sehen ob das klappt, es wäre auf jeden Fall nötig.

Sonntag, 18. Juli 2010

Reise-Wochenende

Schließlich habe ich es doch geschafft, mir ein bisschen die Schweiz anzuschauen. Und ich musste mit der Zeit feststellen, dass dieses den Bayern bzw. Badenwürttembergern so nahe Land wirklich mit einigem an Lebensqualität aufwartet.
Alpen in der Ferne, hügelige und saftig Grüne Landschaften, unglaublich klare Flüsse und Seen - allen voran der Bodensee. Es ist wirklich ein sehr schönes Umland, an das man sich problemlos gewöhnen kann - wenn man nicht grad sein Fahrrad als Fortbewegungsmittel nutzt. Zum Sportmachen sind die Berge sicherlich geeignet, aber wenn ich mich mit meinem Drahtesel die Hügel hier hochquälen muss, bin ich schon ziemlich am Fluchen.
Aber schön ists schon :)
Und die Schweiz ist extrem klein. Mit dem Auto lässt sie sich wirklich problemlos erkunden.
Ich war mit ein paar Leuten am Bodensee grillieren und mit meinen Mitbewohnerinnen hier in Luzern, wo leider das Wetter ziemlich schlecht war.
Heute habe ich mich mit Jojo, einem Kommilitonen aus Gießen, der in Bern PJ macht, in Zürich getroffen. Zürich soll wohl die lebenswerteste Stadt Europas sein - wahrscheinlich ist sie das auch, nach Prag versteht sich :) aber sie ist dafür wahrscheinlich auch die teuerste.
Neben einem ausgedehnten Stadtrundgang haben wir uns noch ein Medizinhistorisches Museum angeschaut. Es ist wirklich eine wunderschöne Stadt, mit vielen kleinen Gassen und teils recht imposanten Gebäuden. Allerdings wirkt es auf mich auch ein bisschen steril.
Abgesehen von der Reiserei geht es mir ganz gut. Zwar leide ich unter chronischem Schlafmangel hier, aber insgesamt ist es ein ganz gutes Tertial. Immer noch viel Arbeit und jetzt wahrscheinlich noch mehr, da zwei von vier PJlern nun fertig sind, und daher mehr oder weniger die doppelte Arbeit für uns ansteht, aber in zwei Wochen kommt schon wieder Verstärkung.
So richtig warm werde ich mit den Schweizern hier noch nicht, auch nicht mit meinen Kollegen. Um so dankbarer bin ich für die Leute hier aus dem Wohnheim, die ein echter Glücksfall sind, sowie mein Spanischtandem Carmen, die mich noch nach der Arbeit zum Spanisch lernen und zum Lachen bringt. Allerdings würde ich auch gerne mal wieder nach Hause fahren - es ist doch schon eine Weile her, dass Oldenburg mich zu Gesicht bekommen hat.
Hier gibts Fotos von
- Luzern und Bodensee
- Zürich

Samstag, 10. Juli 2010

laaaaaangweilig!

Ich sollte mal wieder was schreiben, mh?
Leider ist die Schweiz nur viel langweiliger als Südafrika. Keine Elefanten und so. Und viel mehr Arbeit. Und das, obwohl das Wetter sooooo geil ist hier. Nur Sonne in den letzten 2 Wochen, und ich komme hier nicht raus. Heute muss ich schon wieder Dienst schieben, den ich einem Kollegen abnehmen sollte. Aber es ist irgendwie ok. Vor allem mit den Leuten aus dem Wohnheim hier verstehe ich mich ganz gut. Hätte ich garnicht gedacht, wo doch wirklich ziemlich viele Vollpfosten Medizin studieren...
St. Gallen habe ich auch noch nicht richtig kennen gelernt. Vielleicht geht da ein bisschen mehr, wenn mich nächste Woche meine Family besuchen kommt, und ich entsprechend vielleicht ein bisschen eher von der Arbeit weg darf.
Man arbeitet hier sicherlich mehr als in Deutschland als PJler. Aber hin und wieder gibt es dann auch ein kleines Schmankerl, je nachdem mit wem man so operiert oder zusammenarbeitet. Ein bisschen Nähen hier, ein paar Rücken- und Gelenksinfiltrationen da, und mein praktischer Wissensdurst wird einigermaßen befriedigt.
Neben Krankenhausalltag habe ich mir hier ein Spanischtandem gesucht, um meine praktischen Sprachkenntnisse zu entwickeln. Das ist auch ganz gut, wenn man den ganzen Medizinmist mal hinter sich lassen kann, und was ganz anderes macht. Sie kommt aus Cordoba und wohnt hier bei ihrem Freund und lernt gleichzeitig Englisch in einer Sprachschule hier. Ich soll im Gegenzug dafür, dass sie ein bisschen Spanisch mit mir spricht, mit ihr Englisch reden, was sie nur viel besser kann, als ich Spanisch. Von daher muss ich vor allem mich ein bisschen mehr dazu zwingen den schwierigeren Weg über ihre Sprache zu nehmen. Aber ich glaube, dass das ganz gut klappen wird.
Und das war es eigentlich auch schon wieder :( ich habe noch nicht mal wirklich Bilder machen können. Aber das hole ich noch nach und stelle die die Tage mal ein!

Samstag, 26. Juni 2010

Hopp Schwiiz!

So. Wochenende. Durchatmen und Wetter genießen. Und Kontakte pflegen = Telefonieren, Mails und Blog schreiben. Is schon irgendwie anstrengend, viel unterwegs zu sein. Heute hier, morgen dort. Was für ein kack-Lied, aber so bin ich grad unterwegs. Auch spannend, aber auch ein bisschen zehrend. Und man ist leider viel zu wenig mit den Homies in Kontakt, was mich schon ein bisschen nervt.
Aber es ist auch eine schöne Erfahrung. Man lernt viele nette Leute kennen, die sich dann nur leider auch meist wieder verlieren. Aber man kommt ein bisschen in der Welt herum, auch wenn Schweiz sicher nicht annähernd so kulturell schockierend ist, wie Südafrika. Obwohl es auch hier ein bisschen irritierend ist, da man die Schweiz quasi für ein eingemeindetes Bundesland hält, sich aber vieles anders verhält als in Dütschland.
Sprachlich habe ich auf jeden Fall einige Probleme, den Schweizer zu verstehen. Zwar können alle Hochdeutsch sprechen und sie schreiben auch wie wir, aber das Schwizerdütsch ist wirklich schwer zu verstehen. Außerdem gibt es teils andere Vokabeln hier. Fahrrad heißt Velo, Motorad heißt Töff und man sagt den lieben langen Tag Grüzi, was bei meiner Betonung immer noch nach Grütze klingt. Ebenso ist Merci für danke in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, was mir aber noch garnicht über die Lippen kommen möchte.
Aber bislang habe ich von den Einheimischen ein ganz positives Bild. Alle sind hier wirklich freundlich und hilfsbereit. Sogar die Ämter öffnen einem nochmal die Türen, wenn man 5 Minuten nach der Öffungszeit etwas braucht und sind freundlich dabei.
Im Krankenhaus ist es auch ganz ok. Abgesehen von den Arbeitszeiten. Ich starte um 7.10 Uhr und komme regelmäßig zwischen 18 und 19 uhr erst aus dem Krankenhaus raus. Da werden die 500 Euro, die man hier bekommt eher zu einer Aufwandsentschädigung degradiert. Von Gehalt kann man da echt nicht sprechen. Und das bei diesen wirklich horrenden Schweizer Preisen...
Aber auch im Krankenhaus sind die meisten Ärzte ganz ok. Alles wird bis auf den Chef gedutzt. Einmal die Woche haben wir hier Fortbildung. Wir sind im Augenblick 4 Pjler (=Unterassistenten=UHUs, was wiederum für Unterhund stehen soll; da weiß man über die Hirachie bescheid) was nicht so viel ist, daher auch die viele Arbeit hier. Zu viert müssen wir komplett die Zweitassistenz im OP abdecken. Das heißt, dass wir jeden vierten Tag unter der Woche, sowie jedes vierte Wochenende uns nicht weiter als 20 Minuten vom Krankenhaus (=Spital) entfernen dürfen, um im OP-Fall rechtzeitig am Start sein zu können. Und das schränkt schon ziemlich ein. Aber wie gesagt, die Kollegen sind ganz nett.
In der Schweiz scheint auch mehr und mehr ein Ärztemangel zu herrschen. Die Assistenten sind hier viel am Rotieren, und kommen manchmal erst um 21 Uhr aus der Klinik. Der Grund scheint wohl der, dass man als Arzt in der Schweiz proportional verglichen mit Deutschland wesentlich weniger als andere Berufsgruppen verdient. Ich hab schon nach der ersten Woche von einem sehr netten Oberarzt, der ab August Chef in einem anderen Spital wird, ein Jobangebot bekommen, was mir natürlich sehr schmeichelt, aber aus eben genanntem Gesichtspunkt sich wieder ein bisschen relativiert.
Die Leute, die ich hier im Wohnheim bislang kennengelernt habe, sind ganz ok. Gestern waren wir gemeinsam am Bodensee zum Grillen (=Grillieren). Auch sehr fett. In der einen Richtung ein riesiger See und in die andere schneebedeckte Alpen. Lebensqualität ist hier auf jeden Fall gegeben, nur hatte ich bislang noch nicht wirklich Zeit diese auch auszukosten. Nächstes Wochenende fliege ich erstmal nach Spanien um Adela ein bisschen vom Examenslernen abzulenken. Auch sehr praktisch, von Memmingen aus geht es direkt nach Spanien, für Ryanair-Preise. Da ist der Flughafen noch näher dran als Gießen an Frankfurt-Hahn liegt. Vielleicht sollte ich mal mit dem Meilen sammeln beginnen.
Insgesamt gehts mir hier so ganz gut, aber es ist schon ein gutes Stück langweiliger als Südafrika.

Sonntag, 20. Juni 2010

Work, Work

Nur ganz kurz: Ich bin in der Schweiz angekommen, und es regnet die ganze Zeit. Macht aber nix, weil ich die ganze Zeit arbeiten muss...
Also mal eine ganz andere Nummer als Südafrika, und natürlich nicht nur in der Arbeitsintensität. Aber es macht insgesamt einen ganz pasablen Eindruck. Ich hab noch nix von St. Gallen gesehen, weil ich, nachdem ich vergangenen Sonntag hier angekommen bin, nur gearbeitet habe. Incl. dieses Wochenendes, bei dem ich durchgehend 24h Rufdienst hatte, und mich nicht weiter als 20 min vom Spital (= Krankenhaus) entfernen durfte.
Es wird hier definitiv nur halb so spannend wie in Afrika, aber viele meiner Kommilitonen sind irgendwo in der Schweiz grad verstreut. Hat da eigentlich irgendwer einen gescheiten Überblick, wer sich wo befindet? Für den Fall, dass das hier ein Wissender ließt, bitte mal Laut geben, bzw. falls er sich selbst grad in der Schweiz befindet, mal ansagen, wo genau, dass man sich auf ein Pils treffen kann.
Ich hoffe, dass es von hier bald mehr und erfreulicheres als Arbeit und Regen zu vermelden gibt...

Montag, 7. Juni 2010

Letzte Ausflüge

Das war Afrika. Ich bin mittlerweile schon wieder in Deutschland um mich ein bisschen zu akklimatisieren, wenn es dann am nächsten Montag für mich in die Schweiz geht, und um noch ein bisschen was von Adela hier zu haben, die es leider wieder nach Spanien verschlägt. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh wieder hier in Deutschland zu sein. Mit Sicherheit war Afrika eine unglaubliche Erfahrung, und ich bin froh, dass ich dieses Land habe kennenlernen können. Aber es war auch anstrengend mit dem Sicherheitsproblem klarzukommen - auch wenn uns nicht ansatzweise etwas passiert ist. Auch die Arbeit im Krankenhaus war nicht so meins. Ich habe mir, wie ich bereits gesagt habe, mehr Eigenverantwortung versprochen. Prinzipiell habe ich aber weniger machen dürfen als bei meiner letzten Famulatur in Deutschland. Abgesehen von meiner Ausbildung dort hat mich auch genervt, wie in diesem Krankenhaus gearbeitet wird. Oder vielmehr nicht gearbeitet wird. Das Leben zählt hier einfach nichts. Die Krankenschwestern, alles schwarze und, man kann es nicht anders sagen, unglaublich fette Mamas, die sich entweder in Zeitlupentempo bewegen, oder irgendwo während der Arbeitszeit schlafen. Egal, ob grad nix los ist auf Station oder gerade jemand stirbt. Es ist einfach egal. Wir haben den Großteil der Zeit damit verbracht, Dinge, wie Nadeln oder Spritzen oder, oder, oder zu suchen. Und wir erledigen die Arbeit von Interns, die mit über 2000 Euro/Monat gut bezahlt werden, und wenn wir nicht wären, für dieses Geld größtenteils Materialsucher wären. Lächerlich und frustrierend. Einmal hat einer unserer Interns, ein sehr ruhiger und freundlicher Zeitgenosse, jemanden auf Station genäht, und benötigte eine neue Naht, bat die Schwester, da er steril war, ihm eine neue zu bringen. Die Schwester wackelte von dannen, und als sie nach 20 Minuten nicht zurück kam, fand er sie im Teeraum beim Quatschen. Auf die Frage, wo denn seine Naht war, entgegnete sie ihm: "Ich weiß nicht, was eine Naht ist." Dieses wirklich groteske Nichtwissen hat sie einfach dazu bewogen, ihn stehen zu lassen - vielleicht erledigt sich das Problem von selbst.
Auch dem ein oder anderen unseren ärztlichen Kollegen waren die Patienten je nach Laune mal wichtig und mal ziemlich egal. Operiert wurde generell mit recht wenig Erfahrung und ohne wirkliche Supervision. Der Oberarzt, verantwortlich für unser Team, war in unseren 4 Monaten bei drei Visiten dabei. Ebenso hat man ihn vergeblich im OP gesucht. Ich habe keine Ahnung, was dieser hochbezahlte Mann so getrieben hat. Krankenhauspatienten hat er definitiv nicht gesehen und auf meine Nachfrage, wurde gelacht und mir die dürftige Antwort gegeben, dass man als fest Angestellter solcher Fragen lieber nicht stellen sollte. Verstanden habe ich das überhaupt nicht. Ohne diese Supervision ist natürlich viel Scheiß passiert. Insbesondere hat der kubanische Arzt unseres Teams durch sichtliches Unvermögen und noch schlimmer: Ignoranz und völlige Überschätzung seiner Fähigkeiten geglänzt. Eine Patientin mit Bauchschmerzen und scheinbar eher gynäkologischen Problemen? Kaum Diagnostik, Bauch vom Brustbein bis zur Symphyse aufgeschnitten, nichts gefunden, wieder zugemacht, und auf Station verlegt. Als die Patientin wagte, sich am nächsten Tag über Schmerzen zu beklagen, deren Ursache er nicht in der Lage war auszumachen, hat sich sein Unvermögen in Aggression dieser Patientin gegenüber geäußert. Er war auch der erste Arzt, den ich jemals mit Sonnenbrille habe operieren sehen. Unvermögen durch Coolness oder wütende Argumentation ausbügeln, der man besser nicht wiederspricht.
Wer diesen Blog aber gelesen hat, weiß aber, dass es uns alles andere als schlecht erging. Dieses Land ist unglaublich schön und so vielseitig in seiner Natur. Die Landschaft und die meisten Leute, die wir hier kennen gelernt haben, haben dieses Abenteuer zu einem unvergesslichen werden lassen.
In den letzten zwei Wochen haben wir noch ein paar Ausflüge gemacht, die noch auf unserer todo Liste standen. Zunächst sind wir gemeinsam mit Steve, einem Intern hier, in die Drakensberge zum Wandern gefahren.
An meinem letzten Wochenende waren wir mit einem Südafrikaner in Cape Vidal im Norden. Obwohl hier der Winter beginnt, sind wir entlang von Korallenriffen geschnorchelt und gemeinsam mit Fischen geschwommen, haben Seeigel gesehen und so weiter. Das war ein wirklich wunderschöner Abschluss meiner Zeit hier.
In der Hoffnung, dass ich im nächsten Tertial (leider ohne Michael, der es hoffentlich schafft, sein Tertial nach Griechenland zu legen) in der Schweiz auch das ein- oder andere Interessante zu vermelden habe, versuche ich meinen Blog dort weiterzuführen und bedanke mich für euer Leseinteresse!
Grüße aus dem sonnigen Gießen!

Sonntag, 23. Mai 2010

King Edward Hospital

Für den Fall, dass ihr denkt: „Die Zwei machen da unten in Afrika sowieso nur Urlaub“ hab ich einen Eintrag ausgegraben, den ich nach unserem ersten Monat hier zwar geschrieben, aber aus mir unverständlichen Gründen noch nicht gebloggt habe. Da ich euch den nicht vorenthalten möchte, und er auch immer noch für das steht, was in diesem Krankenhaus so läuft, stell ich ihn mal online:

So langsam spielt sich das mit unserem Krankenhausdienst ein hier. Ich bin mit relativ großen Erwartungen an unser PJ-Tertial hier herangegangen, aber bislang wurde ich ein bisschen enttäuscht. Der einzige Arzt hier, der sich wirklich super um uns kümmert, ist ein Inder ungf. unseren Alters, der selber noch nicht so den großen Durchblick hat. Aber das, was er weiß vermittelt er gut und gerne. Die übrigen Ärzte sind eher desinteressiert. Ähnlich wie in Deutschland. Das habe ich wirklich gehofft hier anders zu erfahren. Vielleicht wird das ja auch noch ein bisschen besser – allerdings sind wir hier schon fast einen Monat – aber die älteren Ärzte (sog. Registras, vergleichbar mit Ärzten die eine Facharztausbildung machen) haben im Augenblick Prüfungen und haben uns eigentlich zugesichert, dass sie sich nach ihren Prüfungen ein bisschen mehr um uns kümmern werden. Mal sehen, was tatsächlich daraus wird.
Alle sechs Tage haben wir hier „Intake“. Das heißt einen ca. 28h Dienst. Und den hatten wir vergangene Woche von Samstag auf Sonntag. Entsprechend wurden die ganzen Betrunkenen mit Schuss-, Stich undsoweiterverletzungen eingeliefert. Die Bilanz lässt sich wohl kaum mit Deutschland vergleichen. Es sind auf jeden Fall an diesem einen Abend drei Leute auf der Notaufnahme gestorben. Zwei wurden so heftig zusammengeschlagen, dass sie wahrscheinlich an einer Hirnschwellung/-einklemmung gestorben sind. Die dritte ist an einer Magenblutung verstorben. Und das eigentlich auch nur, weil hier die Endoskope seit Wochen kaputt sind, mit denen man die Blutung wahrscheinlich in einer halben Stunde hätte klippen können. Stattdessen lag die arme Frau 6 Stunden in der Aufnahme, und ist kurz bevor sie auf den OP-Tisch sollte verstorben.
Dann kamen irgendwann zwei Kombattanten, bei denen der eine dem anderen mit einer Glasflasche den Rücken teilweise bis auf die Muskeln aufgeschnitten hat. Micha und ich haben in mühevoller Kleinarbeit und bestimmt über 40 Stichen seinen Rücken wieder zusammengeflickt. Dem anderen Kollegen ist weniger passiert, aber ich fands witzig, dass die zwei quasi in der Wartezone sich einander gegenübersaßen, und darauf gewartet haben, dass man sie im Krankenhaus wieder zusammenbaut, nachdem sie sich eine Stunde vorher mehr oder weniger auseinander genommen haben.
Außerdem sieht man wirklich extrem kranke Leute hier, teilweise bis auf die Knochen abgemagert durch irgendeine „konsumierende Krankheit“. Man kann teilweise die Knochen des Schädels bestens nachvollziehen (gut für Schädelexperten, die sich fragen, wo genau das Jochbein eigentlich entlangläuft), oder das Schlüsselbein steht so weit hervor, dass man wirklich zweimal hinschauen muss, weil man es im ersten Augenblick für irgendeine anatomische Abnormalität hält, dann aber feststellt, dass der Patient einfach nur noch aus Haut und Knochen besteht.
Ich muss mich oft daran erinnern, wenn ich von den Patienten spreche oder hier einen Eintrag schreibe, dass ich das mit Respekt tue. Oft genug verliere ich genau den, bzw. mein Mitgefühl. Man stumpft wirklich ab, weil man mit derart krassen Dingen konfrontiert wird, dass man schnell in Sarkasmus abdriftet. Vor allem merke ich das bei einigen (Studenten-) Kollegen, und es widert mich an, wenn der Chirurg sich laut fragt, „warum diese verdammte Mutti sich genau jetzt sich dazu entscheidet zu sterben, wo hier die Hütte brennt“ (frei, aber sinngemäß übersetzt).
Ich sehne mich schon fast ein bisschen nach dem Alltag in Deutschen Krankenhäusern und der westlichen Medizin zurück, wo man wenigstens in aller Regel das findet was man gerade braucht. Hier verbringt man manchmal 30 Minuten damit, eine Braunüle zu finden. Nicht, dass die Dinger nicht vorhanden wären, aber es gibt keinen der sich ums Auffüllen solcher Dinge kümmert. Nichts hat hier seinen eigenen Platz. Alles kann irgendwo liegen. Neulich habe ich nach irgendeinem Formblatt gefragt, und die Schwester hat dann irgendwo einen Stapel davon gefunden, der dann von ihr an allen möglichen Ecken auf der Station verteilt wurde. Quasi nach dem Eichhörnchenprinzip, das laufend irgendwo Nüsse eingräbt, diese dann aber wenn es sie braucht, nicht wiederfindet.
TIA, wie es so schön in dem Film „Blood Diamond“ mit Leonardo DiCaprio heißt (der übrigens meine Meinung über selbigen Schauspieler von Grund auf zum Positiven geändert hat): This is Africa!
Hier Fotos

Donnerstag, 20. Mai 2010

Video

Ein kurzer Eintrag des Dankes, an alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben - vor allem via Videobotschaft. Der Brief hat mich nach fast 3 Wochen Postweg gestern Abend endlich erreicht, in dem Adela eure und ihre Videos in muehevoller Kleinarbeit als CD verpackt zusammengestellt hat. Das wirklich sehenswerte Ergebnis hat mich gestern echt ueberwaeltigt und sprachlos gemacht :). Ganz vielen Dank fuer eure Beitraege!!!
Ich freue mich sehr darauf, euch alle wiederzusehen! Bis hoffentlich ganz bald!

Soehnke

hier gibts noch ein paar Random pictures von dem Stadion in Durban, einem weiteren Gamepark mit Löwen!!! und ein paar anderen Fotos.

Samstag, 8. Mai 2010

Kapstadt 2/2

Effektiv hatten wir leider bloß 4 Tage in Kapstadt. In jedem Fall war das viel zu wenig Zeit für diese Stadt.
Nachdem wir eine Nacht in einem eher ätzenden Party-Backpacker verbracht haben, sind wir am Dienstag auf Kapstadts Wahrzeichen, den Tafelberg gewandert. Die ersten Dreiviertel des Berges waren ok. Das letzte Viertel habe ich nur noch den Berg verflucht und beschimpft. Zum Glück hatten wir ein super Wetter, und beste Sicht auf Kapstadt. Nach kurzer Verschnaufpause, Cola, Eis, Schokomuffin usw. und sich anschließendem Zuckerflash, ging es dann mit der vielleicht steilsten Seilbahn der südlichen Hemisphäre wieder bergab zu unserem Auto. Da dieses sich beim Herunterfahren drehende Konstrukt zum Glück von einer Schweizer Gesellschaft erbaut worden ist, bin ich auch mehr oder weniger bedenkenlos eingestiegen. Wenn sich jemand mit Seilbahnen auskennt auf der Welt, dann sind es auf jeden Fall unsere kantonisierten Nachbarn. In die südafrikanischen Konstrukteure habe ich überhaupt kein Vertrauen mehr, vor allem, weil sich uns in Kapstadt eine Autobahn, oder besser Autobahnbrücke präsentierte. Dieses Ding wurde ursprünglich konstruiert um den va. in den Rushhours sehr zäh fließenden Verkehr ein bisschen in geordnete Bahnen zu leiten. Doch irgendwann, mitten in den Konstruktionsarbeiten fiel offenbar den Ingeneuren auf, dass man diese Autobahn überhaupt nicht so bauen konnte, und so wurde schlicht alles eingepackt und diese Autobahn steht nun einfach im Nichts endend in der Stadt rum. Vielleicht als Gag, vielleicht als Warnung: never trust our engineers . Was auch immer der Grund sein mag, uns hat es königlich belustigt, und ein weiteres Mal haben wir uns gedacht, wir sind halt immer noch in Afrika, auch wenn dieses sehr europäische Kapstadt es einen wirklich hat vergessen lassen, auf welchem Kontinent man sich befindet. Offenbar dient dieses Symbol der Unfähigkeit nun einigen Actionfilmregisseuren Hollywoods als Kulisse.

Nach einer dringend benötigten Dusche haben wir dann Tine und Flo getroffen, zwei Kommilitonen aus Gießen, die ihr Chirurgietertial an der Stellenbosch-Uni bei Kapstadt ableisten und ein bisschen in das Nachtleben Kapstadts einzuführen wussten.
Nach einer Nacht in einem besseren Hostel bin ich mit Micha zunächst in den Kirstenbosch Botanischen Garten gefahren. Leider war das Wetter nicht so gut, und die Fotos damit auch nicht. Anschließend ging es in einen der Vororte. Südafrika ist ja durchaus bekannt für den ein oder anderen guten Wein. Dementsprechend konnten wir es uns nicht entgehen lassen, auf ein nahegelegenes Weingut zu fahren, um dort schick Wein und endlich mal wieder richtigen Käse (es gibt hier nur Käse, bei dem während der ganzen Erzeugung niemals eine Kuh mit im Spiel war) zu probieren, mit einem sehr leckeren sich anschließenden Essen. Nach Krokodil und Strauß konnten wir dort Springbock probieren, was wirklich ein wahrer Gaumenschmaus war.
Abends noch gesättigt vom Springbock gab es einen anständigem Braai (Südafrikanisch für Barbecue) im Studentenwohnheim. Anschließend wurden zwei Partybusse engagiert. Die hatten einen Subwoover an Board der längst vergessene Schlaglöcher bestens zu imitieren wusste. Mit schlechter Musik auf den Ohren und zahlungskräftigen europäischen Studenten im Gepäck sind wir anständig angeheitert nach Downtown gefahren. Für diese zwei Busse wurden tatsächlich bereits geschlossene Bars wieder geöffnet. Für mich stellte sich diese Szenerie völlig grotesk dar, sich auf diese pseudoreiche Proletenart transportieren zu lassen, um sich anständig zu betrinken, nachdem man mit dem für Party gut gefüllten Portmonee die bettelnden Kinder auf der Straße überwunden hatte. Bis zu meinem fünften Bier war ich angewidert von mir und den Leuten, danach hab ich das auch vergessen. Keine schöne Erfahrung.
Für die nächsten zwei Nächte haben wir dann bei unseren beiden Kollegen im Studentenwohnheim eingecheckt und sind am Morgen nach der Party mit Tine zusammen nach Robben Island gefahren. Dabei handelt es um jene Insel, auf der Volksheld, Vorbild, Friedensnobelpreisträger und südafrikanischer Halbgott Nelson Mandela schlappe 18 von insgesamt 27 Jahren eingesperrt war.
Wieder zurück auf dem Festland sind wir ein bisschen mit Tine durch die Stadt gelaufen, haben noch ein wenig die Souveniermärkte Kapstadts erkundet und uns von den Marktschreiern volllabern lassen. Gestärkt durch ein weiteres, sich in den Delikatessenroadtrip einreihendes Festmahl in einem Fischrestaurant, haben wir tags darauf am Freitag das schöne, europäische Kapstadt wieder gen Durban verlassen. Einen kurzen Zwischenstopp wurde natürlich noch beim Kap der guten Hoffnung eingelegt, den sich die Tourismusbranche hier viel zu gut bezahlen lässt. Aber egal.
Die letzte Nacht unseres Trips haben wird in Cintsa verbracht. Obwohl unsere Reiseroute straffer geplant war als auf dem Hinweg, mussten wir dort wenigstens eines der wirklich interessant klingenden Angebote des Backpackers wahrnehmen, und sind mit einer Amerikanerin und einem Guide per Fahrrad ein bisschen durch die Gegend gefahren. Einen längeren Stopp haben wir in einem kleinen Dorf eingelegt, wo wir von „Mama Tofu“, einer über 90jährigen Dorfbewohnerin ein bisschen in die Kultur, vor allem Heiratskultur, der Xhosa (Afrikanischer Stamm) eingeführt wurden. Man verhandelt dort über den Kopf der Braut hinweg, wer ihr zukünftiger Mann sein wird, der seine Traumfrau dann mit 18 Rindern bei der Familie auslösen muss. Also umgekehrt wie in Indien, werden nach Xhosa-Brauch Familien reich, die viele Töchter haben. Die Führung war leider ein bisschen zu touristisch. Man wurde mit einem traditionellen, aber irgendwie halbgaren Tanz begrüßt und verabschiedet und wurde so halb dazu genötigt, nach der Unterhaltung mit der Tofufrau, irgendwas von dem selbst hergestelltem Plastikperlendtand zu kaufen. Dennoch war der Einblick in diese Kultur mit Mama Tofu durchaus lohnenswert.
Das waren unsere Reiseerlebnisse in Kapstadt im Zeitraffer. Ich bin froh, dass wir den langen Weg per Auto zurückgelegt haben. Die Erfahrungen auf der Route waren noch interessanter als Kapstadt selber, und wir haben so viel mehr von diesem wunderschönen Land zu Gesicht bekommen.
Hier die übrigen Bilder.

Montag, 3. Mai 2010

Kapstadt 1/2

On the road again!
Dieser Song von Johnny Cash passt perfekt auf die vergangenen knapp 2 Wochen die wir mit einem Roadtrip von Durban nach Kapstadt und zurück verbrachten. 2 Wochen, in denen wir versucht haben, einen Eindruck von diesem wunderschönen und unglaublich vielfältigen Land zu bekommen. Das was wir erlebt haben lässt sich nur schlecht in Bildern und noch schlechter in Worten wiedergeben, aber ich werde mein bestes versuchen:
Los ging es am 22.4. in unserem Opel, knapp 2.000 km one way. Trotz gewisser Unsicherheit, ob wir das überhaupt mit unserer Karre schaffen können, hat sie auch diese Aufgabe wieder bravourös gemeistert. Autofahren in Südafrika ist auf jeden Fall was anderes als in Europa. Da man nur bei Tageslicht fahren sollte, wegen der Kriminalität (wir haben Storys gehört, bei denen irgendwelche Leute Steine von Brücken auf vorbeifahrende Autos werfen, sie damit zum Anhalten zwingen, um die Insassen anschließend auszurauben. Hiergegen sind auch tatsächlich bei einigen Brücken 2 Meter hohe Geländer installiert oder sie wurden sogar komplett mit Draht umspannt), wegen der teilweise sehr schlechten Straßenlage, und weil Rinder, Schafe, Hunde und Besoffene einem gerne vor das Auto rennen, und man einfach des Nachts schlecht ausweichen kann, mussten wir entsprechend ein bisschen unsere Strecken im Vorfeld planen.
Der erste Stopp war Coffee Bay, an der sog. Wild Coast. Der Weg vom sog. „highway“ bis Coffee Bay war unglaublich schlecht. Ein einziges Schlagloch kann man sagen. Man hatte überhaupt keine Chance schneller als 30 zu fahren, und dass obwohl es langsam dunkel wurde, und noch 50 km zu fahren waren. An dieser Stelle muss ich bzgl. des Befahrens dieser, sowie der restlichen 90% der knapp 4000 km Straße öffentlich eine Lanze für meinen Chauffeur Michael brechen, der schnell und mit kurvender Gewandtheit fast jedes Schlagloch geschickt ausgebremst, um- oder überfahren/-flogen hat. Hut ab, Genosse Rallye-Fahrer!
Aber zurück nach Coffee Bay. Die Landschaft dort war so unglaublich schön, und hatte ein bisschen was von Großbritanniens Steilküsten. Leuchtend saftiges Grün an den Hängen und auf den Bergen, und tosendes Wasser 100 Meter tiefer. Nur ist das Meer, der Strand und das Wetter um einiges schöner, als das der europäischen Inselbewohner. Auf einer knapp vierstündigen Wandertour entlang der Küste ging es zum legendären „hole in the wall“. Das Ding selber war nur halb so beeindruckend, wie der Weg dorthin. Ich muss mich jetzt schon entschuldigen für die zahlreichen Bilder, die ich dafür einstellen werde. Wahrscheinlich hat man irgendwann die Nase voll davon und ist schlicht übersättigt (oder wenigstens neidisch :) Dort haben wir (wie eigentlich überall) eine Gruppe Deutsche getroffen. Der Rückweg wurde dann per Anhalter organisiert. Erst auf der Pritsche eines Pickups und anschließend wurden wir von einem freundlichen Polizisten in der „Gefangenen-Kabine“ mitgenommen. Dort drinnen ist keine Rede von Polsterung, geschweige denn Anschnallmöglichkeit. Obwohl der Polizist sehr langsam unterwegs war, wurden wir ziemlich durchgeschüttelt, und man muss sich überlegen, wie es da drinnen wohl sein mag, wenn der Gesetzeshüter am Steuer auf seine Insassen nicht so gut zu sprechen ist.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Plettenberg Bay. Etwa ab Port Elisabeth verändert sich Südafrika komplett. Die „highways“ wandeln sich in fast mit Deutschland vergleichbaren Autobahnen. Die gesamte Stimmung ist weniger schwarzafrika-kafkaesk (wow!) und Plettenberg selber könnte eine Kleinstadt auf Langeoog sein. Verkehrsberuhigte, kommerzialisierte Einkaufszonen, großzügige, saubere Straßen und Häuser, bei denen nicht der Putz von den Wänden bröckelt. Das war definitiv kein Afrika mehr, wie man es sich vorstellt, bzw. wir es aus Durban kennen.
Von Plettenberg aus haben wir dann eine Wanderung im nahe gelegenen Tsitsikamma Nationalpark in Angriff genommen. Eine auch sehr schöne Gegend, diesmal sind wir aber an der Steilküste direkt entlang gelaufen bzw. geklettert. Auch hier haben wir zufällig einen Deutschen kennen gelernt, der uns spontan begleitete. Auf dem Weg zum Nationalpark sind wir über eine Brücke gefahren, von der aus man den höchsten Brücken-Bungeesprung der Welt begehen kann, wenn man will. Über 200 Meter, 6 Sekunden freier Fall. Haben wir leider nicht gemacht, was mich jetzt ein bisschen ärgert. Aber egal.
Nach Plettenberg wichen wir von der ursprünglich geplanten Route ab nach Oudtshoorn. Auch im Nachhinein ist der Grund ein bisschen lächerlich, aber Michaels feinen Gaumen dürstete es nach Straußenfleisch. Da wir von irgendwem hörten, dass es dort einige Straußenfarmen gibt, sind wir entsprechend abgebogen und haben uns den tatsächlich sehr leckeren Strauß auch schmecken lassen. Gerne wären wir auf einem dieser Vögel geritten, nachdem wir Pferd schon probiert haben. Das war aber nur bis maximal 75kg erlaubt, und wir bringen leider ein bisschen mehr auf die Waage. Das Alternativprogramm fanden wir in einer Tropfsteinhöhle dort in der Nähe. Das hört sich erstmal totlangweilig an. Wer einmal in einer solchen Höhle gewesen ist, kann sich alle anderen eigentlich sparen, es sei denn, man kann sich für die geospezifischen Unterschiede der Gesteins- und Kristallarten begeistern. Ich habe mir auch am Anfang gedacht: Kennste eine, kennste alle, aber diese hier hatte ein „Adventure-Programm“ zu bieten, was sich tatsächlich gelohnt hat. Im Prinzip bestand das Programm daraus, dass man die Grenzen seiner Klaustrophobie kennen lernt. In einer 26 Grad mal feucht- mal trocken-warmen Höhle, bei der man sich generell fragt, wo der Sauerstoff eigentlich herkommt (auf diese Frage wusste auch der Guide keine Antwort) durch Schächte zu kriechen, bei denen beleibtere Besucher hin und wieder bereits stecken geblieben sind, und nur durch ziehen, schieben und Quetsch- und Schürfwunden zu befreien waren, war schon ein kleines Abenteuer. In der Höhle gab es Kristalle, auf denen man super Trommeln konnte, und verschieden hohe Töne herausbekam. Vor allem die tiefen Kristalle hatten einen recht beeindruckenden Sound. Als ich mich aber an das Thema Resonanzkatastrophe aus meiner Physikvorlesung erinnerte, hab ich ziemlich schnell von dem Trommeln Abstand genommen. Gemeinsam mit einem Holländer, die man in Südafrika ähnlich häufig antrifft, wie Deutsche, sind wir dann weiter nördlich gefahren über den Schwarzbergpass. Unser Weg führte uns danach durch die so genannte Kleine Karoo. Es handelt sich dabei um eine Halbwüste, die für uns allerdings schon wie eine große Vollwüste aussah. Staubtrocken, kaum ein Gewächs größer als ein Meter und kein Grün weit und breit, und wir bei gefühlten 40 Grad im Schatten 50 km durch die brüllende Mittagssonne. Einzig der Fahrtwind verschaffte ein bisschen Abkühlung. Nur sehr ungerne wäre ich dort Motor unseres Autos gewesen. Von dort aus fuhren wir auf direktem Wege nach Kapstadt.
Hut ab, dem tapferen Leser, der es bis hier hin geschafft hat. Um mir und euch eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, schreibe ich den Rest des Blogs in den nächsten Tagen weiter.
Hier gibt’s jetzt erstmal ein paar Bilder von gerade Erzähltem!

Freitag, 16. April 2010

Lesotho

Einleitend muss erwähnt werden, dass dieser Beitrag von Micha verfasst wurde (wer hätte das gedacht!), Söhnkes’ wohlerprobtem (und kongenialem) Lebensabschnittsgefährten. Die Gründe hierfür sind zweierlei, 1) um die Wette mit ihm zu gewinnen, dass ich es doch noch schaffe zu schreiben, und 2) weil ich meinen Beitrag zu dieser tollen Erfahrungsberichts-Website leisten will!

Der Exkurs nach Lesotho am letzten Wochenende reiht sich in die (wachsende) Liste der Highlights ein, die man hier in Südafrika erleben kann. Spontan und ohne große Vorbereitungen geplant, fuhren wir freitags zu viert los, im Gepäck Anna (PJlerin aus Marburg) und Anne (Besuch aus Göttingen). Nach anfänglichen (und wie sich herausstellen wird überaus berechtigten) Bedenken, ob unser Opel Astra die Reise mit uns überstehen wird, sind wir dann – ohne uns einen Allrad-Antrieb zu mieten – losgefahren, mit Zelt, Kühlboxen und Reiseführer.
Auf dem Hinweg durften wir erstmalig Bekanntschaft mit der Verkehrspolizei Südafrikas machen – und hier möchte ich einen allgemeinen Ratschlag erteilen. Versucht bitte folgende drei Aussagen zu vermeiden, wenn ihr mit 30+ km/h zu schnell (bei allgemein nur erlaubten 120 km/h) angehalten werdet: 1) „I don’t believe you.“ (als Antwort auf das angesprochene Strafausmaß von 2500 Rand/250 Euro), 2) „Now do I really have to get out of my car?“ (wie unerhört auch, dass man nicht einfach direkt weiterfahren darf!), und 3) „Can you prove that the measured speed belongs to my car?!“ (mein Tacho könnte ja auch lügen) – solche Aussagen tragen nicht zur Lösung des Konfliktes mit dem Diener der Staatsgewalt bei! Gott sei Dank löste Söhnke die Situation durch versierteres Verhandlungsgeschick, und wir konnten (nach zwischenzeitlichem Drohen von Knast-Aufenthalt und Anklage) doch weiterfahren, ohne auch nur einen müden Rand zu zahlen…
In Bethlehem (einer Kleinstadt just nördlich von der Grenze Lesothos), lernten wir dann die andere Seite der Staatsmacht kennen. Auf der Suche nach einem Campingplatz (den es dort nicht gab) suchten wir Rat bei einem am Straßenrand wartenden – was sonst? (man lernt ja nicht dazu) – Verkehrspolizisten. Doch dieser entpuppte sich als so extrem zuvorkommend, dass er uns mit seinem Dienstwagen etliche Kilometer zu diversen Übernachtungsmöglichkeiten eskortierte, u.A. mit Blaulicht in entgegengesetzter Richtung einer Einbahnstraße mit uns fuhr, von seinem (Dienst?-)Handy für uns telefonierte…bis wir eine wirklich exzellente Zeltmöglichkeit im Hintergarten einer „Lodge“ fanden. Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl!
Unausgeschlafen (ein Vier-Mann-Zelt ist nicht immer ein Vier-Mann-Zelt…) aber voller Tatendrang sind wir dann am nächsten Morgen von Norden her nach Lesotho hereingefahren – oder besser hochgefahren. Wer oder was ist Lesotho? Lesotho ist ein extrem bergiges Königreich mit vereinzelten Hochplateaus, die zwischen 2000-3000 Höhenmetern liegen. Diese extremen natürlichen Gegebenheiten bieten eine faszinierende Kulisse, eine sehr klare Atmosphäre und eine große Herausforderung für unser armes Auto, das sich auf den (noch) asphaltierten Straßen mit unzähligen tückischen Schlaglöchern über teilweise große Strecken im ersten Gang hochquälen musste. Wir haben mit jedem einzelnen unserer 101 Pferde mitgezittert! Es sei noch zu erwähnen, dass die Strecke, die wir gefahren sind, Teil der „Roof of Africa“-Rallye ist, die als eine der härtesten der Welt gilt…
Des weiteren ist Lesotho eines der ärmsten Länder auf der Welt, „dritte Welt“ bezeichnet es doch wohl treffend, da es der Welten meines Wissens nur dreie gibt. Doch trotz (oder gerade wegen?) der Armut, die wirklich offensichtlich ist, haben die Einheimischen dort (vom Stamme der Sothos) eine sehr herzliche und ehrliche Art, die mich fasziniert hat. Zu keiner gab es, trotz der vielen Rands und Lebensmittel in unserem Auto, Gefühle der Aggression uns gegenüber. Höhepunkt und Beweis dieser Feststellung war der Moment, als wir bei düsterer Finsternis in einem Bergdorf (nach ca. 10 km bergig-unebener Landstraße – nicht mehr asphaltiert) gestrandet sind, wo laut Reiseführer eine „Lodge“ (Übernachtungsmöglichkeit) sein sollte. Doch erst durch die sehr freundliche Mithilfe der Dorfbewohner konnten wir das Gebäude ausmachen, das sich dann, nachdem es von diesen aufgeschlossen wurde, als exquisite Herberge (ohne Strom) herausstellte. Unser anschließendes Grillen in 3000 Höhenmetern unter einem unglaublichen Sternenhimmel – definitiv ein weiteres Highlight des Ausflugs!
Am nächsten Morgen dann standen schon um acht Uhr in der Früh die vier Bergponys für uns bereit, nach denen wir uns zuvor erkundigt hatten – eine glänzende Idee von Anne bzw. ihrem Reiseführer. Unter der Führung eines netten Dorfbewohners und seines kleinen Hundes Poopie versuchten wir uns dann knapp drei Stunden als Lesotho-Cowboys in den Bergen, mit großem Erfolg! Am nächsten Tag trug jeder von uns Muskelkater davon, Anne noch mehr da sie bei einem zwischenzeitlichen Galopp stürzte (der Sattelriemen war gerissen), doch dank ihrer Fallkünste bzw. der fehlenden Schwerkraft ging alles gut…
Zu guter Letzt ging es an den Rückweg – wir hatten im Vorfeld gehört, wie wunderschön der ostwärts gerichtete Sani-Pass ist. Die Information, die uns ausnahmslos jeder nahe legte, dass Allradantrieb unabdinglich ist, betrachteten wir als sekundär (mit Ausnahme vielleicht von Söhnke). Hey, es geht doch bergab, oder? Das klappt schon! Also machten wir uns auf den Weg. Die Straße, unasphaltiert mit teils immensem Gefälle, wurde immer schlechter, bis sie nach der Außengrenze Lesothos von regelrechten Geröllabschnitten durchsetzt wurde. Ausnahmslos jeder von uns betete, dass das Auto halten würde, der Motor sich nicht aufgibt, die Achsen halten, die Reifen nicht explodieren, die Bremsbeläge nicht schmelzen. In etlichen Abschnitten mussten alle Insassen bis auf den Fahrer einen Teil der Strecke zu Fuß absolvieren, damit das Auto höher liegt. Erste Gedanken an Trinkwasser-Rationalisierung kamen auf, an Essensvorräte, Handyempfang gab es schon lange nicht mehr, also für den Fall der Fälle…doch unser spitze Auto hielt durch! Womit ich die Gelegenheit ergreifen möchte, jeden südafrikanischen Opelhersteller, vom Designer bis zum … Schraubenmonteur, innerlich herzlich zu umarmen!
Der Sani-Pass war, wie der Ausflug nach Lesotho überhaupt, atemberaubend. Söhnke, Anne, Anna – ihr seid ein Spitzenteam! Where to next?
Bilder dazu.

Mittwoch, 14. April 2010

Autodoktoren

Auto im Arsch. Allerdings schon vorvergangenes Wochenende. Ich bin hier viel unterwegs und komme daher nicht zum bloggen. Wir hatten schon seit einiger Zeit bemerkt, dass irgendwas mit der Kupplung nicht richtig war – man musste sie, va. bergauf, selbstständig per Fußrücken hochziehen, damit die Karre wieder ein bisschen zog. Am schlimmsten war es, als ich mit Adela in den Drakensbergen unterwegs war, und wir kaum noch die Berge, mitten im nirgendwo, hochgekommen sind. Da hat es uns aber noch sicher nach Hause gefahren. Vorletzten Sonntag dann wollten wir einen Ausflug machen: Krokodile im Crocpark sehen und anschließend dort Krokodile essen. Wir sind mit Annes Auto, einer Deutschen, die wir hier kennengelernt haben hin, und haben unser Auto an zwei andere deutsche Medizinstudentinnen hier ausgeliehen, die damit zum Stadtstrand wollten. Die Armen waren kaum hier angekommen, und sind dann mit unserer alten Lady direkt mal liegen geblieben. In der Zwischenzeit waren wir schon 50km aus Durban entfernt, dick am Krokodil essen. Der Park hatte leider schon zu und wir konnten nur ein paar Exemplare von außen fotografieren. Das Essen war ganz gut, aber weniger spektakulär als gedacht. Reptilienfleisch schmeckt irgendwie nach Huhn-Schwein-Kreuzung. Wir sind dann ziemlich bald nach der Autonachricht zurück nach Durban gefahren, haben uns von uns unbekannten, aber wieder ultranetten Menschen abschleppen lassen. Unser Autoberater- und Gottseidank auch -mechaniker Winston stellte die Diagnose: Kupplung im Arsch. Was auch immer das für eine Konsequenz hatte, es war uns bis dahin unklar. Winston war allerdings ganz guter Dinge, und meinte, er könne uns erklären, was wir zu tun hätten, um die Kupplung zu wechseln. Für 70 Euro gabs das neue Material und so wurde dann am Montag nicht Patienten- sondern Autoreparieren gestartet. In 5 Stunden Arbeit haben wir fast den kompletten Motorraum auseinander genommen, das weggerauchte Kupplungsblatt unter Winstons fachmännischer Beratung und auch tatkräftiger Mitarbeit ausgewechselt (möglichst nicht allzu tatkräftig, da er sich an einem Bandscheibenvorfall ohne Krankenversicherung erfreut, und sich schon bei der letzten Autoteileauswechselgeschichte einen ordentlichen Schuss eingefangen hat, mit Taubheit und Motorikausfall im Bein; Neurologe Micha hat sofort die Höhe, des Vorfalls diagnostiziert, konnte aber wie ich auch nix für den alten Herrn tun, außer ihn ins Bett tragen und hoffen, dass das bald wieder weggeht). Allerdings eben immer mit der Angst, dass Winston wieder einen kleinen Vorfall hat, und wir ohne ihn nicht weitermachen können…
Das Ding haben wir aber dann super wieder in Schuss bekommen. Unter total beschissenen Bedingungen haben wir die Kiste aufgebockt, auf einer schrägen Einfahrt, abgestützt mit Reifen und Backsteinen und mit nichts mehr als dem, was die normalo-Heimwerkerwerkstatt so hergibt, wurde mit uns Automotorsport-Nixblickern die alte Dame bestens repariert.
Nachhaltig bestens repariert, denn der Opel musste am vergangenen Wochenende einiges reißen. Wir waren im Königreich Lesotho unterwegs, was uns auf über 3500m führte, bei teilweise unmöglicher Straßenlage und Wegen, die zumindest uphill nur mit einem 4-Rad-Antrieb machbar sind, und downhill auch eine unheimliche Herausforderung für Fahrzeug und Fahrzeugführer darstellten. Beide haben beides bestens gemeistert! Näheres gibt es aber dazu im nächsten Beitrag, und da darf ich stolz wie auch flitzebogen-gespannt, gespickt mit großen Erwartungen kund tun, dass Big M – Micha – da Greek – Seiradakis hoffentlich bald und in griechischer Manier einige Verse zu Papier bringt, die Homers Ilias vor blankem Neid erblassen lassen.

Hier ein paar Bilder von wilden und nicht mehr wilden Krokodilen sowie fingerfertigen Automechanikern.

Mittwoch, 7. April 2010

Besuch aus Deutschland…

…den ich leider gerade wieder zum Flughafen zurück gebracht habe.
Für eine gute Woche hat Adela mich hier in Durban besucht, daher war in der letzten Zeit leider nichts mit bloggen. Kurz bevor ich mich nach Südafrika aufgemacht habe, hat sie sich für uns einen Flug nach Durban gebucht, was natürlich super war, und mir mit dieser Perspektive den Abschied von Deutschland und ihr wesentlich erleichtert hat.
Eine Woche ist für Südafrika natürlich extrem kurz, also haben wir versucht diese Zeit mit vielen Eindrücken, aber möglichst stressfrei zu füllen. Und ich glaube, dass wir das ganz gut geschafft haben. Neben Strand und natürlich wieder Safari waren wir noch in den Drakensbergen, einem Gebirgszug der Südafrika vom Königreich Lesotho trennt. Über das Osterwochenende fand dort ein Festival statt, das sog. Splashy Fen, benannt nach der Farm, die die Fläche verpachtet, auf der das Festival stattfindet. Auf dem Flyer dafür sind die GPS-Daten von der Weide angegeben. Einerseits hat das gewissermaßen Stil, andererseits kann man ansonsten durchaus Probleme bekommen, dort hinzufinden, da man mehrere Kilometer nur äußerst beschissene Feldwege fährt, und lediglich ein einziges 40 Quadratzentimeterschild auf dieses Festival hinweist, wenn man die geteerte Straße zu verlassen hat. Aus dämlichen organisatorischen Gründen konnten wir keine Nacht dort schlafen, und sind bei einem Campingplatz abgestiegen, der von einem dauerbesoffenen Ex-Farmer betrieben wird, und haben eine Nacht im Auto geschlafen. Am nächsten Tag ging es dann für eine vierstündige Wanderung in die Berge. Bei zu viel Sonne und Restalkoholintoxikation waren die vielen Bergflüsse und -seen eine willkommene Abkühlung bei einer unglaublich schönen Landschaft. Auf der Wanderkarte, die aussah wie selbstgemalt und wenig vertrauenerweckend, konnte man ankreuzen, welche Tiere man gesehen hat. Sorge haben uns die zahlreichen Schlangenarten und der Leopard bereitet, von denen wir wegen des kniehohen Grases, abgesehen von einer Minischlange aber nichts gesehen oder gespürt haben…
Die Safari war auch ein Knaller. Im Prinzip ähnlich wie die letzte, aber in einem Punkt ein bisschen aufregender: Vor einer Kurve bat Adela mich zu stoppen, da sie links von uns etwas gesehen hat. Im dichten Gestrüpp stand keine 10 Meter von uns entfernt ein Elefant. Also übliches Procedere: Kamera raus, und versuchen ein gutes Bild von dem Kollegen zu machen. Plötzlich krachte Unterholz, irgendwo im Umkreis von 20 Metern trompetete irgendein Elefant und direkt vor unserem Auto donnerte erst ein Nashorn über die Straße, gefolgt von einer Elefantenmama, die, so weit wir ihre Gestik richtig verstehen, wie wild und mit aufgestellten Ohren hinter dem Nashorn her war, wiederum gefolgt von dem Grund ihrer Aufregung, ihrem kleinen Elefantenkind. Ich hab keine Ahnung, wie lange wir vor Aufregung nicht geatmet haben und will nicht wissen, was passiert wäre, wenn wir einfach weiter gefahren wären. Auf jeden Fall wären wir mitten drin, statt nur dabei gewesen. Gemütlicher ging es dafür auf der Bootstour zu, bei der wir zahlreiche Hippos und endlich auch ein Krokodil gesehen haben!
Hier so einige Bilder dazu.

Montag, 22. März 2010

Safari!!

Was für ein Wochenende! Zum Glück ist heute hier irgendein Feiertag, so dass wir zu Hause bleiben können, um ein bisschen die Eindrücke zu verarbeiten.
Am Freitag hatten wir wieder einen 24h Dienst, sind aber schon gegen 22:00 abgedampft, da Samstag für St. Lucia und Sonntag für ein Reservat reserviert war.
Gemeinsam mit Mike und einer Freundin von ihm sind wir Samstag morgen mit jeder Menge Bier im Kofferraum nach St. Lucia aufgebrochen, das ca. 3 Stunden Autofahrt von Durban entfernt liegt. Dort haben wir den Strand und einen angrenzenden Fluss angesteuert. Ein paar Locals haben uns einen Bereich empfohlen, bei dem wir dann auch gleich eine ganze Hippo-Familie angetroffen haben. Diese Flusspferde sind mit ziemlicher Vorsicht zu genießen, da sie im Jahr wesentlich mehr Menschen töten, als irgendein anderes Tier in Südafrika. Mit dieser Warnung haben wir uns dann auf ca. 30 Meter an die Tiere herangewagt, was die Viecher wohl schon nicht so super fanden, da sie vorher die ganze Zeit nur ruhig im Wasser lagen, und unruhiger wurden, je näher wir kamen. Gut für Fotos, schlecht für den Blutdruck. Aber sehr beeindruckend große Tiere.
Die Nacht über haben wir bei skurrilen Alt-68-Typen in einem Hostel verbracht, die von irgendwelchen Musikfestivals und LSD gefaselt haben, während sie schön ihr own-grown Gras schmökerten, und dass die Drogen immer krasser werden. Keine Ahnung was bei denen noch so neben THC und jeder Menge Alkohol in der Blutbahn schwamm.
Nachdem der Samstag wettertechnisch superschön war, haben wir Pech mit dem Sonntag gehabt. Es hat die meiste Zeit geregnet, was uns die Sicht im Auto manchmal völlig genommen hat. Einige Straßen waren durch Flussüberschwemmungen nicht mehr befahrbar, und bei unserer alten Schleuder habe ich auch manchmal Bedenken gehabt, ob sie es schafft, bei den Matschwegen und der Steigung, uns durch den Gamepark zu bringen. Aber sie hat diese erste große Bewährungsprobe wunderbar gemeistert.
Trotz des Wetters war dieser Tag der bislang vielleicht eindrucksvollste. Wir haben so unglaublich viele Tiere gesehen, vor allem im Gegensatz zu anderen Besuchern, mit denen wir uns unterhalten haben: Nashörner, Giraffen, Zebras, Warzenschweine, Elefanten, Büffel, Affen und antilopenartige Vierbeiner noch und nöcher. Und das aus direkter Nähe! Das einzige, was fehlte, waren die großen Katzen und kein einziges Krokodil hat sich blicken lassen. Aber der Tag war ein voller Erfolg und ich glaube fast nicht, dass wir noch mal so viel Glück haben. Als wir grad laut gedacht haben: Einen Elefanten haben wir aus nächster Nähe noch nicht gesehen, hat sich nach der nächsten Kurve direkt einer blicken lassen, der dann auch noch 200 Meter auf der Straße mit uns mitgelaufen ist.
Aber ich glaube mein Geschreibsel hier kann diese Eindrücke nicht annähernd so gut wiedergeben, wie die Bilder, die auch alles andere als an die Realität herankommen. Wenn ich demnächst eine schnellere Internetverbindung habe, werde ich wahrscheinlich noch ein paar Videos einstellen.

Dienstag, 9. März 2010

Auto!!!

Yeah! Auto am start. Für 2500 Euro haben wir uns nen alten Opel Astra gekauft. 260.000 km runtergefahren, Klimaanlage – serienmäßig, und man kann die Sitze soweit versenken, dass man eine plane Fläche zum drauf schlafen hat. Exzellent! Sieht zwar nicht so super aus, und ist mit einem Baujahr von 1996 und 260.000 km durchaus schon eine alte Schleuder, aber unser Berater Winston meinte sofort, dass man da nicht viel falsch machen kann, und die Kiste locker wieder für den selben Preis losbekommt. Ich hoffe, dass das so stimmt, aber wahrscheinlich kauft er es uns sogar wieder ab. Wie gesagt, er verdient sich ein bisschen was zu seiner Rente dazu, indem er Gebrauchtwagen kauft und wieder verkauft. Außerdem hat er lange Zeit in einer Werkstatt gearbeitet, und kennt sich wohl aus. Ich glaube auch, dass er ziemlich genau weiß, was er will, und wie mit den Leuten zu verhandeln ist. Man fühlte sich auf jeden Fall sicher mit so einem alten Fuchs unterwegs zu sein, an dem das Gelaber von den schmierigen Gebrauchtwagenhändlern einfach abperlt. Micha und ich sind leider ziemliche Nixblicker, wenn es um Autos geht.
Was unsere Bekanntschaften hier angeht, fällt uns echt einiges in den Schoß.
Auf jeden Fall mussten wir feststellen, dass Autos hier um ein wesentliches teurer sind als daheim. Für einen Gebrauchtwagen zahlt man hier mal locker das Doppelte und wahrscheinlich hat der ein oder andere von euch auch bei dem Preis und den Konditionen ein bisschen sparsam geguckt.
Kann uns aber mehr oder weniger egal sein, da wir die Kiste bald wieder losschlagen wollen. Und wenn wir 500 Euro Verlust machen ist das immer noch besser als mehr als 2000 Euro Miete für einen Wagen hier zu zahlen, die danach in den Wind geschossen ist.
Dieser Automarkt fand mitten in Durban auf einem großen Parkplatz/Rasenfläche statt, und es wurden bestimmt rund 300 Autos feilgeboten. Leider war nicht die Zeit so wahnsinnig viele Bilder zu machen. Vor allem weil ich mit unserem Geld in der Tasche nicht mehr Aufmerksamkeit auf mich ziehen wollte.
Im Endeffekt haben wir das Auto erst zwei Tage später bezahlt. War auch ein bisschen komisch. 25.000 Rand (Afrikanische Währung) in Bar, und das alles in 100 Randscheinen, weil die Automaten hier nichts anderes ausspucken. Dennoch gibt es nur noch den 200 Randschein da drüber, und sonst nix. Das wäre so, wie wenn bei uns ein zwanzig Euroschein die größte Geldnote wäre. Und das, obwohl die Preise hier auf jeden Fall mit den deutschen vergleichbar sind. Saudämlich. Naja, wir haben auf jeden Fall erst fröhlich 250 Scheine gezählt (siehe Bilder), und die dann irgendwie verpackt mitgenommen. Der Ort des „Deals“ war auch witzig. Da man irgendwo ungestört und sicher Geld zählen will, sind wir zu einem großen und beschrankten Parkplatz eines Casinos gefahren. Komische Erfahrung irgendwie, mit so viel Geld rumzugurken, und man hofft an jeder roten Ampel, dass sie gleich grün wird, und man nicht von irgendwelchen Leuten um 25.000 Rand erleichtert wird, bzw. ein bisschen besorgt, dass, beim Casino angekommen, neben dem Autoverkäufer auch noch seine Brüder auftauchen und die lieber mit dem Geld und dem Auto wieder heimfahren. Es hat aber alles gut geklappt, und wir sind jetzt stolze Besitzer eines Opel Astras!
Hier gibt’s aber ein paar Bilder u.a. von unserer Karre, Winston (unserem Car-Consultant) und dem Markt.
Vorgestern hatten wir Besuch von ein paar Affen, wegen denen wir immer die Fenster schließen sollen, wenn wir nicht zu Hause sind. Oft werden wir von einigen Affen geweckt, die über unser Dach poltern. Vor 2 Tagen hatte ich mal die Gelegenheit Fotos von einer kompletten Affenfamilie zu machen. Imposant sind vor allem die alten Männchen, deren recht große Hoden ganz hellblau sind. Ich habe leider nur einen relativ jungen Kollegen ablichten können, wenn mir ein altes Prachtexemplar vor die Linse hüpft, wird’s geblockt, versprochen!
Bilder dazu.

Samstag, 6. März 2010

Strand und so

So Leude,
jetzt gibts mal ein paar Bilder auf die Augen zum neidisch werden :)
Gestern waren wir zusammen mit Mike am indischen Ozean. Über einen verborgenen Pfad durch dschungelartige Atmosphäre sind wir Barfuß zum Strand gelaufen. Ziemlich coole Sache: 5 km Strand und keine Menschenseele. Anschließend waren wir bei Mike eingeladen auf ein Barbecue. War auch ganz witzig.
Morgen fahren wir gemeinsam mit dem Bekannten der Vermieterin auf diesen Automarkt, in der Hoffnung dort ein gutes und billiges Auto für uns zu finden. Ich mach drei Kreuze, wenn das endlich klappt. Anschließend geht es direkt ins Krankenhaus, und dort ist Nachtschicht bis Montag 9 Uhr angesagt. Ich hoffe, dass wir ein bisschen was zu sehen bekommen, und nicht nur die meiste Zeit rumsitzen und uns langweilen.
Bislang gibt es noch nicht viel neues zu erzählen. Wir sind immer noch ein bisschen mit an- und klarkommen beschäftigt und müssen unbedingt in den nächsten Tagen mal das erste Reiseziel hier klarmachen. So richtig viel gesehen von Afrika haben wir noch nicht, aber das, was sich uns bislang gezeigt hat, war sehr eindrucksvoll.
Hier die angekündigten Bilder!

Mittwoch, 3. März 2010

Krankenhaus

Mehr als die erste "Arbeitswoche" liegt mittlerweile hinter uns. Neben Auto- Wohnungsorganisation war es ziemlich anstrengend, in einem völlig anderen Krankenhausumfeld und Kultur zu arbeiten. Vor allem der Südafrikanische Akzent macht uns zu schaffen. Teilweise sprechen die Patienten nicht einmal Englisch. Dann müssen die Schwestern übersetzen. Ich weiß nicht wieviel Sprachen in Durban gesprochen werden, aber es sind auf jeden Fall einige. Unter anderem Africaans, Zulu, Swazi, Sotho, Tsonga, XuxuHuthuTutsiRumbablablabla oder mein absoluter Favourite: Xhosa. Bei letzterer bauen die Leute hier in ihren Sprachgebrauch mehr oder weniger al gusto irgendwelche Klick- oder Schnalzlaute ein, was extrem witzig klingt.
Aber zurück zum Krankenhaus:
Was die sterilen Umstände angeht, sind wir aus Prag ja bereits schon zu Deutschland unterschiedliche Standarts gewohnt. Das hier ist aber auf jeden Fall einige Nummern härter. Dies Haus ist eine öffentliche Klinik, die direkt an die hier ansässige Uni von Kwazulu-Natal angeschlossen ist, und es ist, gelinde gesagt, ein absolutes Drecksloch. Neben Ratten, Katzen und Kakerlaken fliegt auch gerne mal die ein oder andere Taube durch die 40 Betten umfassende Station, die aus einer großen Halle besteht. Wenn man durch die Gänge hier läuft, herrscht teilweise ohrenbetäubender Lärm, verursacht von irgendwelchen undichten Rohren. überall tropft, zischt und rumpelt irgendetwas. Dieses Arrangement passt sich aber wunderbar in den runtergekommenen roten Backsteinbau hier ein.
Bei ca. 30 Grad im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von gefühlten 200% fehlen auf der Station natürlich die Klimaanlagen, so dass wir nicht schön im ärztedefinierendem weißen Kittel durch die Gegend laufen, sondern in T-Shirt und kurzer Hose. Alles was uns zu einer respektierten Persönlichkeit macht, ist die viel zu blasse Hautfarbe (ich hoffe, das ändert sich in absehbarer Zeit) und natürlich das professionell um den Hals gehängte Stethoskop. Langer Kittel und lange Hose würde für mich überhaupt nicht gehen. Ich wäre nicht mehr in der Lange auch nur irgendetwas zu tun, sondern würde einfach davon fließen.
Bei diesen Umständen müssen die Patienten hier auf jeden Fall über weit mehr Ressourcen verfügen, als der gemeine deutsche Kranke. Ich bin mir sicher, dass es hier in Durban auch ganz andere Häuser gibt, die den westlichen Standarts entsprechen. Dies hier ist auf jeden Fall ein dritte-Welt-Krankenhaus. Und das Patientengut zu 99% schwarz.
Ein weiterer erwähnenswerter Punkt sind die Blutabnahmen. Daheim wird ja alles mit einmal-wegwerf-Containersystemen abgenommen. Hier sieht das folgendermaßen aus:
Eigentlich existiert ein Container-System auch hier. Nur fehlen grundsätzlich irgendwelche Zubehörteile, so dass man eigentlich von diesem System nur die mit verschiedenen blutverdünnenden Röhrchen gebraucht, die mit einer Art Gummiverschluss (ähnlich wie in Deutschland) vakuumversiegelt sind.
Abgenommen wird mit nun einer normalen Spritze. Das darin enthaltende Blut wird mit der selben Nadel in das beschriebene Röhrchen gerammt. Dabei ist absolute Vorsicht geboten, da man sich problemlos beim Abrutschen selbst verletzen kann. So wird das Patientenblut auf verschiedene Röhrchen verteilt. Zuletzt wird die Nadel wieder mit der Kappe verschlossen (sog. Recapping, das in Deutschland zu den meisten Stichverletzungen führt), und dann erst verworfen. Falls dochmal alle Teile vom sicheren Containersystem vorhanden sind, dürfen einige Teile nicht verworfen werden, die durchaus mit Patientenblut in Kontakt kommen, weil sie so selten aufzutreiben sind...
Anfangs wurden wir darauf hingewiesen, dass wir grob damit rechnen können dass JEDER Patient hier zumindest HIV-positiv ist. Von den Hepatitiden A bis Z garnicht erst zu sprechen.
Einer der Praktikanten hier, Schweizer Nationalität, hat sich bereits an einer HIV-positiven Nadel gestochen, und hatte, nach entsprechend unangenehmer Nachbehandlung durch Medikamente, einige Wochen Ungewissheit, ob er nun positiv ist, oder nicht. Kranke Umstände hier, über die ich mir zwar im Vorfeld Gedanken gemacht habe, sie aber eindeutig in ihrem Ausmaße unterschätzt habe.
Ich hoffe, dass Bilder bald hierzu folgen werden. Ich bin immer noch ziemlich paranoid, was das Stehlen/Ausrauben anbelangt, und daher latsch ich bislang nur ungern mit meiner Kamera durch die Gegend.

Sonntag, 28. Februar 2010

Sweet Home

So,
langsam aber sicher läuft das alles an hier. Wohnung gemietet, Auto gemietet, ein bisschen gearbeitet und die anfänglichen Hemmungen im Krankenhaus etwas hinter sich gelassen.
Die ersten Tage haben wir im Hostel verbracht und dort den vielleicht nettesten und selbstlosesten Typen nach Jesus kennengelernt: Mike. Er hat uns bei der Wohnungssuche nicht nur geholfen, er hat sie quasi selbst übernommen. Zuerst haben Micha und ich gemeinsam im Internet gecheckt, was es so gibt im sog. Bluff, einer schönen und sicheren Gegend, Vorort von Durban und recht nahe am King Edward Hospital gelegen, wo wir arbeiten. Allerdings waren unsere Versuche ziemlich kläglich. Entweder waren die Wohnungen vergeben, oder drei Monate waren den Vermietern zu kurz, oder oder oder.
Am nächsten Morgen mussten wir wieder ins Krankenhaus, und in der Zeit hat Mike für uns 5 Wohnungen ausfindig gemacht, uns vom Krankenhaus abgeholt und ist all die Wohnungen mit uns abgefahren. Zwischen unmöblierten Wohnungen, mehr weniger als mehr umgebauten Garagen und Wohnungen von Alkoholiker-Vermietern war ein Krohnjuwel, das wir uns dann auch nicht haben entgehen lassen. Dabei handelt es sich um ein sog. Granny-Flat. Das ist eine Wohnung neben dem eigentlichen Haus, in dem damals die Hausangestellten gelebt haben. Und genau das ist nun unser Haus.
Die weiße Vermieterin ist ein bisschen arg rassistisch (an allem Elend in Südafrika sind die unzivilisierten Schwarzen schuld, blablabla), aber man muss leider sagen, dass es tatsächlich überdurchschnittlich die schwarze Bevölkerung ist, die die Verantwortung hier für Gewaltverbrechen hier trägt. Außerdem hat ihre Tochter, nachdem ihr ein Schraubenzieher zwischen die Rippen gesteckt wurde, dieses Land verlassen. Da sollte man als Europäer von weit weg auch tunlichst die Finger von lassen, Geschichtsunterricht bzw. Sozialkunde einer einfachen Frau zu erteilen. Und dass wenn sie von Vertreibung der Weißen durch die Schwarzen spricht, es ja vor nicht allzu langer Zeit eher umgekehrt war, bzw. nicht die Hautfarbe sondern der Bildungs- und Sozialunterschied in dieser Problematik die wesentliche Rolle spielt. Uns gegenüber ist sie aber sehr zuvorkommend und freundlich, allerdings auch ein bisschen sehr einsam hier (sie ist geschieden) und labert uns gerne mal eine Frikadelle ans Ohr. Aber das lässt sich problemlos aushalten. Wie gesagt, wir sind mit unserer Wohnung absolut autark, können aber ihre Terrasse benutzen, die direkt ca. 30 Meter über der Küste liegt. In den Ausblick hier haben Micha und ich uns sofort verliebt und dann nicht lange in der Entscheidung gezögert.
Ein Auto haben wir mittlerweile auch, allerdings nur gemietet bis nächste Woche. Am Dienstag kommt ein Bekannter von unserer Vermieterin, der sein Geld damit verdient, Autos gebraucht zu kaufen um sie dann teurer wieder zu verkaufen. Wenn er uns bei der Autosuche behilflich sein kann, wird das Mobilitätsproblem hier auch bald gelöst sein.
Hier ein paar Bilder, um einen Eindruck von unserer Behausung zu bekommen.

Donnerstag, 25. Februar 2010

first days

Ich weiß noch nicht genau, wann ich diesen Eintrag einstellen kann, da es im Augenblick nicht so einfach ist, hier an eine halbwegs schnelle Internetverbindung zu gelangen. Und das nervt. Aber man muss sich einfach immer klar machen, wo man eigentlich steckt. Und für Afrika kann ich schon dankbar sein, dass ich hier per Handy problemlos erreicht werden kann, und das auch noch mit „nur“ 18cent pro Minute. Eigentlich viel aber für einmal um die halbe Welt auf ein Handy zu telefonieren durchaus akzeptabel.
In den vergangenen drei Tagen, die ich erst hier bin, ist gefühlt noch nicht so viel passiert. Allerdings gab es ein paar krasse Eindrücke. Nachdem wir dienstags sämtlichen Anmeldekram erliegt hatten, sind wir per „Taxi“ in die Stadt gefahren. Man unterscheidet hier zwischen „Taxi“ und „Cap“. Cap ist das was man in Deutschland als Taxi kennt. Ein Fahrer der einen sonst wo hinfährt und das Taxameter klickt fröhlich mit allen 200m den Fahrpreis nach oben. Ein „Taxi“ zu nehmen bedeutet hier, mit einem evtl. völlig überfüllten 9-Sitzer Bus befördert zu werden. Dabei fährt einer mehr oder weniger, einer verantwortet das Geld irgendwie und der dritte hängt sich aus dem Fenster und schreit wild gestikulierend Passanten an, ob sie dorthin wollen, wo das Taxi halt grad hinfährt. Dieses Gestikulieren hat allerdings einen Hintergrund. Wo das Taxi hinfährt hängt davon ab, was der Fenstertyp für ein Handzeichen macht. Da man allerdings die Handzeichen kennen muss, was wir natürlich nicht tun, haben wir bald wieder davon absehen müssen, von dieser recht günstigen Verbindung gebrauch zu machen. Es war für uns dieses eine Mal purer Zufall, dass das Taxi dahin gefahren ist, wo wir auch tatsächlich hinwollten. Abgesehen von der fehlenden Fähigkeit, diese Handzeichen zu interpretieren haben wir uns generell dazu entschlossen, diese Fortbewegung nach Möglichkeit nicht mehr zu nutzen, va. nachdem uns folgende Story erzählt wurde: Ein Taxifahrer mit vollbeladenem Bus musste mal kurz austreten, hielt an einem kleinen Hügel, vergaß die Handbremse anzuziehen und der vollbesetzte Kleinbus machte sich selbstständig und fuhr rückwärts irgendwo gegen. Dabei sind alle umgekommen, bis auf den Fahrer, der ja pinkeln war. Wenn man außerdem von den big 5 in Durbans Notaufnahmen spricht, meint man damit: Schuss-, Stich-, Schnitt-, Bissverletzungen und, wer hätts gedacht: Minibusunfälle.
Dieses Taxi hat uns dann in der Nähe unseres Ziels „Touristinformation“ rausgelassen, und wir waren sichtbar erleichtert, dass die Jungs mit uns nicht sonst wo hingefahren sind, um uns auszurauben. Mit jeder älteren Dame die eingestiegen ist, haben wir aufgeatmet, da es uns mit ihr an Bord unwahrscheinlicher erschien, entführt zu werden.
Die Touristeninfo war allerdings in einem eher ärmeren Bezirk Durbans. Alle Leute die zu der Zeit auf der Straße waren, waren schwarz, bis auf Micha und mich. Das war schon mal komisch. Nach dem Tourismusbüro sind wir in irgendeiner Mall essen gegangen, und es spazierten irgendwelche Bad Boys an uns vorbei die ihre Waffen, die in ihrer Hose steckten, offen zur Schau trugen. Durchaus beängstigend. Aber bislang (4 Tage) ist uns noch nix passiert, und wir hoffen, dass das auch so bleibt.
Leider hänge ich mit meinem Blog ein bisschen hinter den ganzen Ereignissen hier her, aber eine News noch: Wir haben heute eine Wohnung klargemacht. Mit einem Blick auf den indischen Ozean, dass man sich wirklich die Augen aus dem Kopf guckt!! Aber davon ein ander Mal mehr. Hier noch ein paar Fotos von unserem Abflug. Bilder aus Durban folgen so bald wie möglich.

Montag, 22. Februar 2010

Take off

Moin, Moin!
ich schreibe euch grad aus Dubai, wo ich am Flughafen irgendwie meine 4,5 Stunden Wartezeit versuche zu überbrücken, totmüde in irgendeinem Kunstlederstuhl hänge und garnich weiß wie spät es eigentlich ist.
Mittlerweile bin ich ziemlich am Ende meines Studiums angelangt, das mit dem sog. Praktischen Jahr abschließt. Und ich versuche so viel wie möglich von diesem Jahr im Ausland zu verbringen. Erster Stopp: Durban, Südafrika für das Chirurgie-Tertial; wieder gemeinsam mit Michael, mit dem ich schon das ERASMUS-Semester in Prag verbracht habe.

Es war auf jeden Fall ziemlich stressig alles organisiert zu bekommen. Vier Stunden vor Abflug haben wir angefangen Michas Zimmer auszuräumen, während er seinen Rucksack gepackt hat... Wir waren leider mit unserer Vorbereitung insgesamt ein bisschen spät dran, haben das Visum für Südafrika erst letzte Woche, nach langem Kampf mit der Botschaft in Berlin erhalten, und entsprechend bis zum Schluss ein bisschen gezweifelt, ob wir das überhaupt durchziehen können. Jetzt sind wir auf jeden Fall schon mal unterwegs. Allerdings müssen wir uns in Durban noch alles organisieren: wir haben keine Wohnung, noch keinen Ansprechpartner im Krankenhaus, müssen uns wohl oder übel ein Auto kaufen/mieten, wissen nicht genau, ob die Krankenhausorganisation weiß, dass wir einen Tag später erst aufschlagen (weil wir keinen anderen bezahlbaren Flug bekommen haben, da ja aufs Visum gewartet werden musste), wissen nicht so recht, was uns dort erwartet. Ich persönlich hab echt ein bisschen Schiss, was die Sicherheitslage dort unten angeht. Also ziemlich stressig. Stress ist überhaupt im Augenblick das Wort, dass ich am meisten und liebsten benutze, wahrscheinlich gleich nach organisieren. Aber erstmal ankommen.