Effektiv hatten wir leider bloß 4 Tage in Kapstadt. In jedem Fall war das viel zu wenig Zeit für diese Stadt.
Nachdem wir eine Nacht in einem eher ätzenden Party-Backpacker verbracht haben, sind wir am Dienstag auf Kapstadts Wahrzeichen, den Tafelberg gewandert. Die ersten Dreiviertel des Berges waren ok. Das letzte Viertel habe ich nur noch den Berg verflucht und beschimpft. Zum Glück hatten wir ein super Wetter, und beste Sicht auf Kapstadt. Nach kurzer Verschnaufpause, Cola, Eis, Schokomuffin usw. und sich anschließendem Zuckerflash, ging es dann mit der vielleicht steilsten Seilbahn der südlichen Hemisphäre wieder bergab zu unserem Auto. Da dieses sich beim Herunterfahren drehende Konstrukt zum Glück von einer Schweizer Gesellschaft erbaut worden ist, bin ich auch mehr oder weniger bedenkenlos eingestiegen. Wenn sich jemand mit Seilbahnen auskennt auf der Welt, dann sind es auf jeden Fall unsere kantonisierten Nachbarn. In die südafrikanischen Konstrukteure habe ich überhaupt kein Vertrauen mehr, vor allem, weil sich uns in Kapstadt eine Autobahn, oder besser Autobahnbrücke präsentierte. Dieses Ding wurde ursprünglich konstruiert um den va. in den Rushhours sehr zäh fließenden Verkehr ein bisschen in geordnete Bahnen zu leiten. Doch irgendwann, mitten in den Konstruktionsarbeiten fiel offenbar den Ingeneuren auf, dass man diese Autobahn überhaupt nicht so bauen konnte, und so wurde schlicht alles eingepackt und diese Autobahn steht nun einfach im Nichts endend in der Stadt rum. Vielleicht als Gag, vielleicht als Warnung: never trust our engineers . Was auch immer der Grund sein mag, uns hat es königlich belustigt, und ein weiteres Mal haben wir uns gedacht, wir sind halt immer noch in Afrika, auch wenn dieses sehr europäische Kapstadt es einen wirklich hat vergessen lassen, auf welchem Kontinent man sich befindet. Offenbar dient dieses Symbol der Unfähigkeit nun einigen Actionfilmregisseuren Hollywoods als Kulisse.
Nach einer dringend benötigten Dusche haben wir dann Tine und Flo getroffen, zwei Kommilitonen aus Gießen, die ihr Chirurgietertial an der Stellenbosch-Uni bei Kapstadt ableisten und ein bisschen in das Nachtleben Kapstadts einzuführen wussten.
Nach einer Nacht in einem besseren Hostel bin ich mit Micha zunächst in den Kirstenbosch Botanischen Garten gefahren. Leider war das Wetter nicht so gut, und die Fotos damit auch nicht. Anschließend ging es in einen der Vororte. Südafrika ist ja durchaus bekannt für den ein oder anderen guten Wein. Dementsprechend konnten wir es uns nicht entgehen lassen, auf ein nahegelegenes Weingut zu fahren, um dort schick Wein und endlich mal wieder richtigen Käse (es gibt hier nur Käse, bei dem während der ganzen Erzeugung niemals eine Kuh mit im Spiel war) zu probieren, mit einem sehr leckeren sich anschließenden Essen. Nach Krokodil und Strauß konnten wir dort Springbock probieren, was wirklich ein wahrer Gaumenschmaus war.
Abends noch gesättigt vom Springbock gab es einen anständigem Braai (Südafrikanisch für Barbecue) im Studentenwohnheim. Anschließend wurden zwei Partybusse engagiert. Die hatten einen Subwoover an Board der längst vergessene Schlaglöcher bestens zu imitieren wusste. Mit schlechter Musik auf den Ohren und zahlungskräftigen europäischen Studenten im Gepäck sind wir anständig angeheitert nach Downtown gefahren. Für diese zwei Busse wurden tatsächlich bereits geschlossene Bars wieder geöffnet. Für mich stellte sich diese Szenerie völlig grotesk dar, sich auf diese pseudoreiche Proletenart transportieren zu lassen, um sich anständig zu betrinken, nachdem man mit dem für Party gut gefüllten Portmonee die bettelnden Kinder auf der Straße überwunden hatte. Bis zu meinem fünften Bier war ich angewidert von mir und den Leuten, danach hab ich das auch vergessen. Keine schöne Erfahrung.
Für die nächsten zwei Nächte haben wir dann bei unseren beiden Kollegen im Studentenwohnheim eingecheckt und sind am Morgen nach der Party mit Tine zusammen nach Robben Island gefahren. Dabei handelt es um jene Insel, auf der Volksheld, Vorbild, Friedensnobelpreisträger und südafrikanischer Halbgott Nelson Mandela schlappe 18 von insgesamt 27 Jahren eingesperrt war.
Wieder zurück auf dem Festland sind wir ein bisschen mit Tine durch die Stadt gelaufen, haben noch ein wenig die Souveniermärkte Kapstadts erkundet und uns von den Marktschreiern volllabern lassen. Gestärkt durch ein weiteres, sich in den Delikatessenroadtrip einreihendes Festmahl in einem Fischrestaurant, haben wir tags darauf am Freitag das schöne, europäische Kapstadt wieder gen Durban verlassen. Einen kurzen Zwischenstopp wurde natürlich noch beim Kap der guten Hoffnung eingelegt, den sich die Tourismusbranche hier viel zu gut bezahlen lässt. Aber egal.
Die letzte Nacht unseres Trips haben wird in Cintsa verbracht. Obwohl unsere Reiseroute straffer geplant war als auf dem Hinweg, mussten wir dort wenigstens eines der wirklich interessant klingenden Angebote des Backpackers wahrnehmen, und sind mit einer Amerikanerin und einem Guide per Fahrrad ein bisschen durch die Gegend gefahren. Einen längeren Stopp haben wir in einem kleinen Dorf eingelegt, wo wir von „Mama Tofu“, einer über 90jährigen Dorfbewohnerin ein bisschen in die Kultur, vor allem Heiratskultur, der Xhosa (Afrikanischer Stamm) eingeführt wurden. Man verhandelt dort über den Kopf der Braut hinweg, wer ihr zukünftiger Mann sein wird, der seine Traumfrau dann mit 18 Rindern bei der Familie auslösen muss. Also umgekehrt wie in Indien, werden nach Xhosa-Brauch Familien reich, die viele Töchter haben. Die Führung war leider ein bisschen zu touristisch. Man wurde mit einem traditionellen, aber irgendwie halbgaren Tanz begrüßt und verabschiedet und wurde so halb dazu genötigt, nach der Unterhaltung mit der Tofufrau, irgendwas von dem selbst hergestelltem Plastikperlendtand zu kaufen. Dennoch war der Einblick in diese Kultur mit Mama Tofu durchaus lohnenswert.
Das waren unsere Reiseerlebnisse in Kapstadt im Zeitraffer. Ich bin froh, dass wir den langen Weg per Auto zurückgelegt haben. Die Erfahrungen auf der Route waren noch interessanter als Kapstadt selber, und wir haben so viel mehr von diesem wunderschönen Land zu Gesicht bekommen.
Hier die übrigen Bilder.
Samstag, 8. Mai 2010
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ihr lieben, wie immer ein fantastisch geschriebener bericht und fotos, bei denen man sofort in den flieger steigen möchte! danke für diese wundervolle ablenkung von bibliotheksmuff und lernmarathon!
AntwortenLöschenallerliebste grüße aus göttingen schickt euch: anne