So. Wochenende. Durchatmen und Wetter genießen. Und Kontakte pflegen = Telefonieren, Mails und Blog schreiben. Is schon irgendwie anstrengend, viel unterwegs zu sein. Heute hier, morgen dort. Was für ein kack-Lied, aber so bin ich grad unterwegs. Auch spannend, aber auch ein bisschen zehrend. Und man ist leider viel zu wenig mit den Homies in Kontakt, was mich schon ein bisschen nervt.
Aber es ist auch eine schöne Erfahrung. Man lernt viele nette Leute kennen, die sich dann nur leider auch meist wieder verlieren. Aber man kommt ein bisschen in der Welt herum, auch wenn Schweiz sicher nicht annähernd so kulturell schockierend ist, wie Südafrika. Obwohl es auch hier ein bisschen irritierend ist, da man die Schweiz quasi für ein eingemeindetes Bundesland hält, sich aber vieles anders verhält als in Dütschland.
Sprachlich habe ich auf jeden Fall einige Probleme, den Schweizer zu verstehen. Zwar können alle Hochdeutsch sprechen und sie schreiben auch wie wir, aber das Schwizerdütsch ist wirklich schwer zu verstehen. Außerdem gibt es teils andere Vokabeln hier. Fahrrad heißt Velo, Motorad heißt Töff und man sagt den lieben langen Tag Grüzi, was bei meiner Betonung immer noch nach Grütze klingt. Ebenso ist Merci für danke in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, was mir aber noch garnicht über die Lippen kommen möchte.
Aber bislang habe ich von den Einheimischen ein ganz positives Bild. Alle sind hier wirklich freundlich und hilfsbereit. Sogar die Ämter öffnen einem nochmal die Türen, wenn man 5 Minuten nach der Öffungszeit etwas braucht und sind freundlich dabei.
Im Krankenhaus ist es auch ganz ok. Abgesehen von den Arbeitszeiten. Ich starte um 7.10 Uhr und komme regelmäßig zwischen 18 und 19 uhr erst aus dem Krankenhaus raus. Da werden die 500 Euro, die man hier bekommt eher zu einer Aufwandsentschädigung degradiert. Von Gehalt kann man da echt nicht sprechen. Und das bei diesen wirklich horrenden Schweizer Preisen...
Aber auch im Krankenhaus sind die meisten Ärzte ganz ok. Alles wird bis auf den Chef gedutzt. Einmal die Woche haben wir hier Fortbildung. Wir sind im Augenblick 4 Pjler (=Unterassistenten=UHUs, was wiederum für Unterhund stehen soll; da weiß man über die Hirachie bescheid) was nicht so viel ist, daher auch die viele Arbeit hier. Zu viert müssen wir komplett die Zweitassistenz im OP abdecken. Das heißt, dass wir jeden vierten Tag unter der Woche, sowie jedes vierte Wochenende uns nicht weiter als 20 Minuten vom Krankenhaus (=Spital) entfernen dürfen, um im OP-Fall rechtzeitig am Start sein zu können. Und das schränkt schon ziemlich ein. Aber wie gesagt, die Kollegen sind ganz nett.
In der Schweiz scheint auch mehr und mehr ein Ärztemangel zu herrschen. Die Assistenten sind hier viel am Rotieren, und kommen manchmal erst um 21 Uhr aus der Klinik. Der Grund scheint wohl der, dass man als Arzt in der Schweiz proportional verglichen mit Deutschland wesentlich weniger als andere Berufsgruppen verdient. Ich hab schon nach der ersten Woche von einem sehr netten Oberarzt, der ab August Chef in einem anderen Spital wird, ein Jobangebot bekommen, was mir natürlich sehr schmeichelt, aber aus eben genanntem Gesichtspunkt sich wieder ein bisschen relativiert.
Die Leute, die ich hier im Wohnheim bislang kennengelernt habe, sind ganz ok. Gestern waren wir gemeinsam am Bodensee zum Grillen (=Grillieren). Auch sehr fett. In der einen Richtung ein riesiger See und in die andere schneebedeckte Alpen. Lebensqualität ist hier auf jeden Fall gegeben, nur hatte ich bislang noch nicht wirklich Zeit diese auch auszukosten. Nächstes Wochenende fliege ich erstmal nach Spanien um Adela ein bisschen vom Examenslernen abzulenken. Auch sehr praktisch, von Memmingen aus geht es direkt nach Spanien, für Ryanair-Preise. Da ist der Flughafen noch näher dran als Gießen an Frankfurt-Hahn liegt. Vielleicht sollte ich mal mit dem Meilen sammeln beginnen.
Insgesamt gehts mir hier so ganz gut, aber es ist schon ein gutes Stück langweiliger als Südafrika.
Samstag, 26. Juni 2010
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