Samstag, 10. Juli 2010

laaaaaangweilig!

Ich sollte mal wieder was schreiben, mh?
Leider ist die Schweiz nur viel langweiliger als Südafrika. Keine Elefanten und so. Und viel mehr Arbeit. Und das, obwohl das Wetter sooooo geil ist hier. Nur Sonne in den letzten 2 Wochen, und ich komme hier nicht raus. Heute muss ich schon wieder Dienst schieben, den ich einem Kollegen abnehmen sollte. Aber es ist irgendwie ok. Vor allem mit den Leuten aus dem Wohnheim hier verstehe ich mich ganz gut. Hätte ich garnicht gedacht, wo doch wirklich ziemlich viele Vollpfosten Medizin studieren...
St. Gallen habe ich auch noch nicht richtig kennen gelernt. Vielleicht geht da ein bisschen mehr, wenn mich nächste Woche meine Family besuchen kommt, und ich entsprechend vielleicht ein bisschen eher von der Arbeit weg darf.
Man arbeitet hier sicherlich mehr als in Deutschland als PJler. Aber hin und wieder gibt es dann auch ein kleines Schmankerl, je nachdem mit wem man so operiert oder zusammenarbeitet. Ein bisschen Nähen hier, ein paar Rücken- und Gelenksinfiltrationen da, und mein praktischer Wissensdurst wird einigermaßen befriedigt.
Neben Krankenhausalltag habe ich mir hier ein Spanischtandem gesucht, um meine praktischen Sprachkenntnisse zu entwickeln. Das ist auch ganz gut, wenn man den ganzen Medizinmist mal hinter sich lassen kann, und was ganz anderes macht. Sie kommt aus Cordoba und wohnt hier bei ihrem Freund und lernt gleichzeitig Englisch in einer Sprachschule hier. Ich soll im Gegenzug dafür, dass sie ein bisschen Spanisch mit mir spricht, mit ihr Englisch reden, was sie nur viel besser kann, als ich Spanisch. Von daher muss ich vor allem mich ein bisschen mehr dazu zwingen den schwierigeren Weg über ihre Sprache zu nehmen. Aber ich glaube, dass das ganz gut klappen wird.
Und das war es eigentlich auch schon wieder :( ich habe noch nicht mal wirklich Bilder machen können. Aber das hole ich noch nach und stelle die die Tage mal ein!

Samstag, 26. Juni 2010

Hopp Schwiiz!

So. Wochenende. Durchatmen und Wetter genießen. Und Kontakte pflegen = Telefonieren, Mails und Blog schreiben. Is schon irgendwie anstrengend, viel unterwegs zu sein. Heute hier, morgen dort. Was für ein kack-Lied, aber so bin ich grad unterwegs. Auch spannend, aber auch ein bisschen zehrend. Und man ist leider viel zu wenig mit den Homies in Kontakt, was mich schon ein bisschen nervt.
Aber es ist auch eine schöne Erfahrung. Man lernt viele nette Leute kennen, die sich dann nur leider auch meist wieder verlieren. Aber man kommt ein bisschen in der Welt herum, auch wenn Schweiz sicher nicht annähernd so kulturell schockierend ist, wie Südafrika. Obwohl es auch hier ein bisschen irritierend ist, da man die Schweiz quasi für ein eingemeindetes Bundesland hält, sich aber vieles anders verhält als in Dütschland.
Sprachlich habe ich auf jeden Fall einige Probleme, den Schweizer zu verstehen. Zwar können alle Hochdeutsch sprechen und sie schreiben auch wie wir, aber das Schwizerdütsch ist wirklich schwer zu verstehen. Außerdem gibt es teils andere Vokabeln hier. Fahrrad heißt Velo, Motorad heißt Töff und man sagt den lieben langen Tag Grüzi, was bei meiner Betonung immer noch nach Grütze klingt. Ebenso ist Merci für danke in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, was mir aber noch garnicht über die Lippen kommen möchte.
Aber bislang habe ich von den Einheimischen ein ganz positives Bild. Alle sind hier wirklich freundlich und hilfsbereit. Sogar die Ämter öffnen einem nochmal die Türen, wenn man 5 Minuten nach der Öffungszeit etwas braucht und sind freundlich dabei.
Im Krankenhaus ist es auch ganz ok. Abgesehen von den Arbeitszeiten. Ich starte um 7.10 Uhr und komme regelmäßig zwischen 18 und 19 uhr erst aus dem Krankenhaus raus. Da werden die 500 Euro, die man hier bekommt eher zu einer Aufwandsentschädigung degradiert. Von Gehalt kann man da echt nicht sprechen. Und das bei diesen wirklich horrenden Schweizer Preisen...
Aber auch im Krankenhaus sind die meisten Ärzte ganz ok. Alles wird bis auf den Chef gedutzt. Einmal die Woche haben wir hier Fortbildung. Wir sind im Augenblick 4 Pjler (=Unterassistenten=UHUs, was wiederum für Unterhund stehen soll; da weiß man über die Hirachie bescheid) was nicht so viel ist, daher auch die viele Arbeit hier. Zu viert müssen wir komplett die Zweitassistenz im OP abdecken. Das heißt, dass wir jeden vierten Tag unter der Woche, sowie jedes vierte Wochenende uns nicht weiter als 20 Minuten vom Krankenhaus (=Spital) entfernen dürfen, um im OP-Fall rechtzeitig am Start sein zu können. Und das schränkt schon ziemlich ein. Aber wie gesagt, die Kollegen sind ganz nett.
In der Schweiz scheint auch mehr und mehr ein Ärztemangel zu herrschen. Die Assistenten sind hier viel am Rotieren, und kommen manchmal erst um 21 Uhr aus der Klinik. Der Grund scheint wohl der, dass man als Arzt in der Schweiz proportional verglichen mit Deutschland wesentlich weniger als andere Berufsgruppen verdient. Ich hab schon nach der ersten Woche von einem sehr netten Oberarzt, der ab August Chef in einem anderen Spital wird, ein Jobangebot bekommen, was mir natürlich sehr schmeichelt, aber aus eben genanntem Gesichtspunkt sich wieder ein bisschen relativiert.
Die Leute, die ich hier im Wohnheim bislang kennengelernt habe, sind ganz ok. Gestern waren wir gemeinsam am Bodensee zum Grillen (=Grillieren). Auch sehr fett. In der einen Richtung ein riesiger See und in die andere schneebedeckte Alpen. Lebensqualität ist hier auf jeden Fall gegeben, nur hatte ich bislang noch nicht wirklich Zeit diese auch auszukosten. Nächstes Wochenende fliege ich erstmal nach Spanien um Adela ein bisschen vom Examenslernen abzulenken. Auch sehr praktisch, von Memmingen aus geht es direkt nach Spanien, für Ryanair-Preise. Da ist der Flughafen noch näher dran als Gießen an Frankfurt-Hahn liegt. Vielleicht sollte ich mal mit dem Meilen sammeln beginnen.
Insgesamt gehts mir hier so ganz gut, aber es ist schon ein gutes Stück langweiliger als Südafrika.

Sonntag, 20. Juni 2010

Work, Work

Nur ganz kurz: Ich bin in der Schweiz angekommen, und es regnet die ganze Zeit. Macht aber nix, weil ich die ganze Zeit arbeiten muss...
Also mal eine ganz andere Nummer als Südafrika, und natürlich nicht nur in der Arbeitsintensität. Aber es macht insgesamt einen ganz pasablen Eindruck. Ich hab noch nix von St. Gallen gesehen, weil ich, nachdem ich vergangenen Sonntag hier angekommen bin, nur gearbeitet habe. Incl. dieses Wochenendes, bei dem ich durchgehend 24h Rufdienst hatte, und mich nicht weiter als 20 min vom Spital (= Krankenhaus) entfernen durfte.
Es wird hier definitiv nur halb so spannend wie in Afrika, aber viele meiner Kommilitonen sind irgendwo in der Schweiz grad verstreut. Hat da eigentlich irgendwer einen gescheiten Überblick, wer sich wo befindet? Für den Fall, dass das hier ein Wissender ließt, bitte mal Laut geben, bzw. falls er sich selbst grad in der Schweiz befindet, mal ansagen, wo genau, dass man sich auf ein Pils treffen kann.
Ich hoffe, dass es von hier bald mehr und erfreulicheres als Arbeit und Regen zu vermelden gibt...

Montag, 7. Juni 2010

Letzte Ausflüge

Das war Afrika. Ich bin mittlerweile schon wieder in Deutschland um mich ein bisschen zu akklimatisieren, wenn es dann am nächsten Montag für mich in die Schweiz geht, und um noch ein bisschen was von Adela hier zu haben, die es leider wieder nach Spanien verschlägt. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh wieder hier in Deutschland zu sein. Mit Sicherheit war Afrika eine unglaubliche Erfahrung, und ich bin froh, dass ich dieses Land habe kennenlernen können. Aber es war auch anstrengend mit dem Sicherheitsproblem klarzukommen - auch wenn uns nicht ansatzweise etwas passiert ist. Auch die Arbeit im Krankenhaus war nicht so meins. Ich habe mir, wie ich bereits gesagt habe, mehr Eigenverantwortung versprochen. Prinzipiell habe ich aber weniger machen dürfen als bei meiner letzten Famulatur in Deutschland. Abgesehen von meiner Ausbildung dort hat mich auch genervt, wie in diesem Krankenhaus gearbeitet wird. Oder vielmehr nicht gearbeitet wird. Das Leben zählt hier einfach nichts. Die Krankenschwestern, alles schwarze und, man kann es nicht anders sagen, unglaublich fette Mamas, die sich entweder in Zeitlupentempo bewegen, oder irgendwo während der Arbeitszeit schlafen. Egal, ob grad nix los ist auf Station oder gerade jemand stirbt. Es ist einfach egal. Wir haben den Großteil der Zeit damit verbracht, Dinge, wie Nadeln oder Spritzen oder, oder, oder zu suchen. Und wir erledigen die Arbeit von Interns, die mit über 2000 Euro/Monat gut bezahlt werden, und wenn wir nicht wären, für dieses Geld größtenteils Materialsucher wären. Lächerlich und frustrierend. Einmal hat einer unserer Interns, ein sehr ruhiger und freundlicher Zeitgenosse, jemanden auf Station genäht, und benötigte eine neue Naht, bat die Schwester, da er steril war, ihm eine neue zu bringen. Die Schwester wackelte von dannen, und als sie nach 20 Minuten nicht zurück kam, fand er sie im Teeraum beim Quatschen. Auf die Frage, wo denn seine Naht war, entgegnete sie ihm: "Ich weiß nicht, was eine Naht ist." Dieses wirklich groteske Nichtwissen hat sie einfach dazu bewogen, ihn stehen zu lassen - vielleicht erledigt sich das Problem von selbst.
Auch dem ein oder anderen unseren ärztlichen Kollegen waren die Patienten je nach Laune mal wichtig und mal ziemlich egal. Operiert wurde generell mit recht wenig Erfahrung und ohne wirkliche Supervision. Der Oberarzt, verantwortlich für unser Team, war in unseren 4 Monaten bei drei Visiten dabei. Ebenso hat man ihn vergeblich im OP gesucht. Ich habe keine Ahnung, was dieser hochbezahlte Mann so getrieben hat. Krankenhauspatienten hat er definitiv nicht gesehen und auf meine Nachfrage, wurde gelacht und mir die dürftige Antwort gegeben, dass man als fest Angestellter solcher Fragen lieber nicht stellen sollte. Verstanden habe ich das überhaupt nicht. Ohne diese Supervision ist natürlich viel Scheiß passiert. Insbesondere hat der kubanische Arzt unseres Teams durch sichtliches Unvermögen und noch schlimmer: Ignoranz und völlige Überschätzung seiner Fähigkeiten geglänzt. Eine Patientin mit Bauchschmerzen und scheinbar eher gynäkologischen Problemen? Kaum Diagnostik, Bauch vom Brustbein bis zur Symphyse aufgeschnitten, nichts gefunden, wieder zugemacht, und auf Station verlegt. Als die Patientin wagte, sich am nächsten Tag über Schmerzen zu beklagen, deren Ursache er nicht in der Lage war auszumachen, hat sich sein Unvermögen in Aggression dieser Patientin gegenüber geäußert. Er war auch der erste Arzt, den ich jemals mit Sonnenbrille habe operieren sehen. Unvermögen durch Coolness oder wütende Argumentation ausbügeln, der man besser nicht wiederspricht.
Wer diesen Blog aber gelesen hat, weiß aber, dass es uns alles andere als schlecht erging. Dieses Land ist unglaublich schön und so vielseitig in seiner Natur. Die Landschaft und die meisten Leute, die wir hier kennen gelernt haben, haben dieses Abenteuer zu einem unvergesslichen werden lassen.
In den letzten zwei Wochen haben wir noch ein paar Ausflüge gemacht, die noch auf unserer todo Liste standen. Zunächst sind wir gemeinsam mit Steve, einem Intern hier, in die Drakensberge zum Wandern gefahren.
An meinem letzten Wochenende waren wir mit einem Südafrikaner in Cape Vidal im Norden. Obwohl hier der Winter beginnt, sind wir entlang von Korallenriffen geschnorchelt und gemeinsam mit Fischen geschwommen, haben Seeigel gesehen und so weiter. Das war ein wirklich wunderschöner Abschluss meiner Zeit hier.
In der Hoffnung, dass ich im nächsten Tertial (leider ohne Michael, der es hoffentlich schafft, sein Tertial nach Griechenland zu legen) in der Schweiz auch das ein- oder andere Interessante zu vermelden habe, versuche ich meinen Blog dort weiterzuführen und bedanke mich für euer Leseinteresse!
Grüße aus dem sonnigen Gießen!