Mal wieder Zeit für einen Eintrag. Vor allem, nachdem ich mich kürzlich mit Europas Bierstatistik auseinandergesetzt habe. Dabei musste ich feststellen, dass nicht wie vermutet der gemeine deutsche Bierbauch einsam und unangefochten am schnellsten, meisten und qualitativ hochwertigsten den güldnen Gerstensaft vernichtet. Nein, bei einem pro-Kopf-Verbrauch von 115 Liter pro Kopf und Jahr liegen wir ziemlich abgeschlagen auf Platz zwei hinter den Tschechen, die mit sehenswerten knapp 160 Litern fast noch einmal die Hälfte mehr in sich reinschrauben. Donnerwetter, hab ich mir gedacht, und musste auf den Schreck erst einmal einen halbes Maß Pilsener Urquell verdrücken. Doch aus deprimiert-sinnierender Gefühlslage, gekränkt und aus enttäuschter Liebe zu seinem bierseeligen Vaterland, entspringen den meisten Schöngeistern, Dichtern und Denkern, wie ich einer bin, die dollsten Geistesblitze:
Denn Tschechen habe ich in Tschechien noch kaum welche getroffen. Wenn man über die Plazas und durch die Parks streift, sieht und hört man eigentlich nur Touristen, allen voran Deutsche. Und genau die sorgen für diesen gewaltigen Umsatz.
Zweitens kann man hier auch einfach nicht seinen Bierkonsum einschränken - es werden aus Prinzip, oder Tradition, oder welchen Gründen auch immer, nur 0,5l Flaschen verkauft. Ist mir allerdings auch nicht ganz unsympathisch. Allerdings ist der Gerstensaft hier mit 4,2 % viel milder als jener, nach wohlbekannt deutschem Reinheitsgebot gebraute Nektar, und lässt sich mirnichtsDirnichts herunterstürzen, ohne auf den mannigfaltigprickelnderfrischendherben (das Attribut "herb" existiert bierbetreffend hier einfach nicht) Geschmack zu achten.
Das letzte und rhetorisch somit wichtigste Argument folgt auf dem Fuße:
Das Bier wird hier staatlich subventioniert!!!
Glaub ich zumindest. Aber anders kann ich mir das einfach nicht vorstellen, denn nahezu jedes Bier ist hier im Supermarkt günstiger als das billigste Wasser. Selbst wenn man im Restaurant eine schäbige 0,2 Liter Cola bestellt, bekommt man das Bier für 2/3 des Coke-Preises. 0,5 l wohlgemerkt!
Diese Statistik geht einfach nicht mit rechten Dingen zu, war ja klar.
Beruhigt von diesen Gedanken kann ich mich noch kurz weiteren mehr oder weniger wichtigen Dokumentationen meines Aufenthalts hier widmen. Letzte Woche habe ich per Klausur und mündlichem Examen Zeugnis über meine exzellente Kenntnis der zahlreichen ophthalmologischen Pathologien / gemeinhin ekligen Augen abgelegt. Dies wurde wiederum zünftig begossen - allerdings aus gekränktem Stolz nicht mit Bier, sondern mit dem zweitwichtigsten tschechischen Getränk Absinth. Außerdem gab es leckere spanische Tortillias, Salat und Micha hat einen unglaublich leckeren, griechischen Nachtisch gebaut.
Bilder dazu.
Ach ja: Aus welchem Grunde auch immer haben zwei Italiener zu meinen Ehren mir mit einer Tanzperformance gehuldigt - das kann ich natürlich niemandem vorenthalten - vor allem den beiden nicht.
Es stellt Südeuropäer generell dabei vor eine nahezu unlösbare meinen Namen gescheit auszusprechen. Bei dem Versuch dabei kommt in etwa ['Suhn-ken] raus, wie diverse Stimmen aus dem Off und die zwei Grazien demonstrieren. Lieber wären mir zwar weibliche Cheerleader gewesen, aber für den Anfang will ich mich damit begnügen.
Video
Sonntag haben wir an einem organisierten Ausflug zu einer von Touristen eher unberührten Burg (von der eigentlich nichts mehr übrig war), Kirche und Friedhof mit leider nebeligem Blick auf die Moldau teilgenommen. Das ganze hatte aber eben insofern seinen Scharm, da man dort kaum Touristenvolk antrifft. Abschließend habe ich dann mit Micha den Abend in einer Jazzkneipe ausklingen lassen. Das ist auch etwas, was ich noch einmal herausheben möchte. Die Jazzszene ist hier der Hammer. Jeden Abend qualitativ hochwertigster live-Jazz in Kellergewölben. Leider mit etwa acht Euro etwas teuer für Prager Verhältnisse, aber heute habe ich einen Teil meines Stipendiums überwiesen bekommen, und beschlossen, dass es in Livemusik jedweder Art bestens angelegt ist!
Ein paar Bilder dazu.
Dienstag, 4. November 2008
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