On the road again!
Dieser Song von Johnny Cash passt perfekt auf die vergangenen knapp 2 Wochen die wir mit einem Roadtrip von Durban nach Kapstadt und zurück verbrachten. 2 Wochen, in denen wir versucht haben, einen Eindruck von diesem wunderschönen und unglaublich vielfältigen Land zu bekommen. Das was wir erlebt haben lässt sich nur schlecht in Bildern und noch schlechter in Worten wiedergeben, aber ich werde mein bestes versuchen:
Los ging es am 22.4. in unserem Opel, knapp 2.000 km one way. Trotz gewisser Unsicherheit, ob wir das überhaupt mit unserer Karre schaffen können, hat sie auch diese Aufgabe wieder bravourös gemeistert. Autofahren in Südafrika ist auf jeden Fall was anderes als in Europa. Da man nur bei Tageslicht fahren sollte, wegen der Kriminalität (wir haben Storys gehört, bei denen irgendwelche Leute Steine von Brücken auf vorbeifahrende Autos werfen, sie damit zum Anhalten zwingen, um die Insassen anschließend auszurauben. Hiergegen sind auch tatsächlich bei einigen Brücken 2 Meter hohe Geländer installiert oder sie wurden sogar komplett mit Draht umspannt), wegen der teilweise sehr schlechten Straßenlage, und weil Rinder, Schafe, Hunde und Besoffene einem gerne vor das Auto rennen, und man einfach des Nachts schlecht ausweichen kann, mussten wir entsprechend ein bisschen unsere Strecken im Vorfeld planen.
Der erste Stopp war Coffee Bay, an der sog. Wild Coast. Der Weg vom sog. „highway“ bis Coffee Bay war unglaublich schlecht. Ein einziges Schlagloch kann man sagen. Man hatte überhaupt keine Chance schneller als 30 zu fahren, und dass obwohl es langsam dunkel wurde, und noch 50 km zu fahren waren. An dieser Stelle muss ich bzgl. des Befahrens dieser, sowie der restlichen 90% der knapp 4000 km Straße öffentlich eine Lanze für meinen Chauffeur Michael brechen, der schnell und mit kurvender Gewandtheit fast jedes Schlagloch geschickt ausgebremst, um- oder überfahren/-flogen hat. Hut ab, Genosse Rallye-Fahrer!
Aber zurück nach Coffee Bay. Die Landschaft dort war so unglaublich schön, und hatte ein bisschen was von Großbritanniens Steilküsten. Leuchtend saftiges Grün an den Hängen und auf den Bergen, und tosendes Wasser 100 Meter tiefer. Nur ist das Meer, der Strand und das Wetter um einiges schöner, als das der europäischen Inselbewohner. Auf einer knapp vierstündigen Wandertour entlang der Küste ging es zum legendären „hole in the wall“. Das Ding selber war nur halb so beeindruckend, wie der Weg dorthin. Ich muss mich jetzt schon entschuldigen für die zahlreichen Bilder, die ich dafür einstellen werde. Wahrscheinlich hat man irgendwann die Nase voll davon und ist schlicht übersättigt (oder wenigstens neidisch :) Dort haben wir (wie eigentlich überall) eine Gruppe Deutsche getroffen. Der Rückweg wurde dann per Anhalter organisiert. Erst auf der Pritsche eines Pickups und anschließend wurden wir von einem freundlichen Polizisten in der „Gefangenen-Kabine“ mitgenommen. Dort drinnen ist keine Rede von Polsterung, geschweige denn Anschnallmöglichkeit. Obwohl der Polizist sehr langsam unterwegs war, wurden wir ziemlich durchgeschüttelt, und man muss sich überlegen, wie es da drinnen wohl sein mag, wenn der Gesetzeshüter am Steuer auf seine Insassen nicht so gut zu sprechen ist.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Plettenberg Bay. Etwa ab Port Elisabeth verändert sich Südafrika komplett. Die „highways“ wandeln sich in fast mit Deutschland vergleichbaren Autobahnen. Die gesamte Stimmung ist weniger schwarzafrika-kafkaesk (wow!) und Plettenberg selber könnte eine Kleinstadt auf Langeoog sein. Verkehrsberuhigte, kommerzialisierte Einkaufszonen, großzügige, saubere Straßen und Häuser, bei denen nicht der Putz von den Wänden bröckelt. Das war definitiv kein Afrika mehr, wie man es sich vorstellt, bzw. wir es aus Durban kennen.
Von Plettenberg aus haben wir dann eine Wanderung im nahe gelegenen Tsitsikamma Nationalpark in Angriff genommen. Eine auch sehr schöne Gegend, diesmal sind wir aber an der Steilküste direkt entlang gelaufen bzw. geklettert. Auch hier haben wir zufällig einen Deutschen kennen gelernt, der uns spontan begleitete. Auf dem Weg zum Nationalpark sind wir über eine Brücke gefahren, von der aus man den höchsten Brücken-Bungeesprung der Welt begehen kann, wenn man will. Über 200 Meter, 6 Sekunden freier Fall. Haben wir leider nicht gemacht, was mich jetzt ein bisschen ärgert. Aber egal.
Nach Plettenberg wichen wir von der ursprünglich geplanten Route ab nach Oudtshoorn. Auch im Nachhinein ist der Grund ein bisschen lächerlich, aber Michaels feinen Gaumen dürstete es nach Straußenfleisch. Da wir von irgendwem hörten, dass es dort einige Straußenfarmen gibt, sind wir entsprechend abgebogen und haben uns den tatsächlich sehr leckeren Strauß auch schmecken lassen. Gerne wären wir auf einem dieser Vögel geritten, nachdem wir Pferd schon probiert haben. Das war aber nur bis maximal 75kg erlaubt, und wir bringen leider ein bisschen mehr auf die Waage. Das Alternativprogramm fanden wir in einer Tropfsteinhöhle dort in der Nähe. Das hört sich erstmal totlangweilig an. Wer einmal in einer solchen Höhle gewesen ist, kann sich alle anderen eigentlich sparen, es sei denn, man kann sich für die geospezifischen Unterschiede der Gesteins- und Kristallarten begeistern. Ich habe mir auch am Anfang gedacht: Kennste eine, kennste alle, aber diese hier hatte ein „Adventure-Programm“ zu bieten, was sich tatsächlich gelohnt hat. Im Prinzip bestand das Programm daraus, dass man die Grenzen seiner Klaustrophobie kennen lernt. In einer 26 Grad mal feucht- mal trocken-warmen Höhle, bei der man sich generell fragt, wo der Sauerstoff eigentlich herkommt (auf diese Frage wusste auch der Guide keine Antwort) durch Schächte zu kriechen, bei denen beleibtere Besucher hin und wieder bereits stecken geblieben sind, und nur durch ziehen, schieben und Quetsch- und Schürfwunden zu befreien waren, war schon ein kleines Abenteuer. In der Höhle gab es Kristalle, auf denen man super Trommeln konnte, und verschieden hohe Töne herausbekam. Vor allem die tiefen Kristalle hatten einen recht beeindruckenden Sound. Als ich mich aber an das Thema Resonanzkatastrophe aus meiner Physikvorlesung erinnerte, hab ich ziemlich schnell von dem Trommeln Abstand genommen. Gemeinsam mit einem Holländer, die man in Südafrika ähnlich häufig antrifft, wie Deutsche, sind wir dann weiter nördlich gefahren über den Schwarzbergpass. Unser Weg führte uns danach durch die so genannte Kleine Karoo. Es handelt sich dabei um eine Halbwüste, die für uns allerdings schon wie eine große Vollwüste aussah. Staubtrocken, kaum ein Gewächs größer als ein Meter und kein Grün weit und breit, und wir bei gefühlten 40 Grad im Schatten 50 km durch die brüllende Mittagssonne. Einzig der Fahrtwind verschaffte ein bisschen Abkühlung. Nur sehr ungerne wäre ich dort Motor unseres Autos gewesen. Von dort aus fuhren wir auf direktem Wege nach Kapstadt.
Hut ab, dem tapferen Leser, der es bis hier hin geschafft hat. Um mir und euch eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, schreibe ich den Rest des Blogs in den nächsten Tagen weiter.
Hier gibt’s jetzt erstmal ein paar Bilder von gerade Erzähltem!
Montag, 3. Mai 2010
Freitag, 16. April 2010
Lesotho
Einleitend muss erwähnt werden, dass dieser Beitrag von Micha verfasst wurde (wer hätte das gedacht!), Söhnkes’ wohlerprobtem (und kongenialem) Lebensabschnittsgefährten. Die Gründe hierfür sind zweierlei, 1) um die Wette mit ihm zu gewinnen, dass ich es doch noch schaffe zu schreiben, und 2) weil ich meinen Beitrag zu dieser tollen Erfahrungsberichts-Website leisten will!
Der Exkurs nach Lesotho am letzten Wochenende reiht sich in die (wachsende) Liste der Highlights ein, die man hier in Südafrika erleben kann. Spontan und ohne große Vorbereitungen geplant, fuhren wir freitags zu viert los, im Gepäck Anna (PJlerin aus Marburg) und Anne (Besuch aus Göttingen). Nach anfänglichen (und wie sich herausstellen wird überaus berechtigten) Bedenken, ob unser Opel Astra die Reise mit uns überstehen wird, sind wir dann – ohne uns einen Allrad-Antrieb zu mieten – losgefahren, mit Zelt, Kühlboxen und Reiseführer.
Auf dem Hinweg durften wir erstmalig Bekanntschaft mit der Verkehrspolizei Südafrikas machen – und hier möchte ich einen allgemeinen Ratschlag erteilen. Versucht bitte folgende drei Aussagen zu vermeiden, wenn ihr mit 30+ km/h zu schnell (bei allgemein nur erlaubten 120 km/h) angehalten werdet: 1) „I don’t believe you.“ (als Antwort auf das angesprochene Strafausmaß von 2500 Rand/250 Euro), 2) „Now do I really have to get out of my car?“ (wie unerhört auch, dass man nicht einfach direkt weiterfahren darf!), und 3) „Can you prove that the measured speed belongs to my car?!“ (mein Tacho könnte ja auch lügen) – solche Aussagen tragen nicht zur Lösung des Konfliktes mit dem Diener der Staatsgewalt bei! Gott sei Dank löste Söhnke die Situation durch versierteres Verhandlungsgeschick, und wir konnten (nach zwischenzeitlichem Drohen von Knast-Aufenthalt und Anklage) doch weiterfahren, ohne auch nur einen müden Rand zu zahlen…
In Bethlehem (einer Kleinstadt just nördlich von der Grenze Lesothos), lernten wir dann die andere Seite der Staatsmacht kennen. Auf der Suche nach einem Campingplatz (den es dort nicht gab) suchten wir Rat bei einem am Straßenrand wartenden – was sonst? (man lernt ja nicht dazu) – Verkehrspolizisten. Doch dieser entpuppte sich als so extrem zuvorkommend, dass er uns mit seinem Dienstwagen etliche Kilometer zu diversen Übernachtungsmöglichkeiten eskortierte, u.A. mit Blaulicht in entgegengesetzter Richtung einer Einbahnstraße mit uns fuhr, von seinem (Dienst?-)Handy für uns telefonierte…bis wir eine wirklich exzellente Zeltmöglichkeit im Hintergarten einer „Lodge“ fanden. Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl!
Unausgeschlafen (ein Vier-Mann-Zelt ist nicht immer ein Vier-Mann-Zelt…) aber voller Tatendrang sind wir dann am nächsten Morgen von Norden her nach Lesotho hereingefahren – oder besser hochgefahren. Wer oder was ist Lesotho? Lesotho ist ein extrem bergiges Königreich mit vereinzelten Hochplateaus, die zwischen 2000-3000 Höhenmetern liegen. Diese extremen natürlichen Gegebenheiten bieten eine faszinierende Kulisse, eine sehr klare Atmosphäre und eine große Herausforderung für unser armes Auto, das sich auf den (noch) asphaltierten Straßen mit unzähligen tückischen Schlaglöchern über teilweise große Strecken im ersten Gang hochquälen musste. Wir haben mit jedem einzelnen unserer 101 Pferde mitgezittert! Es sei noch zu erwähnen, dass die Strecke, die wir gefahren sind, Teil der „Roof of Africa“-Rallye ist, die als eine der härtesten der Welt gilt…
Des weiteren ist Lesotho eines der ärmsten Länder auf der Welt, „dritte Welt“ bezeichnet es doch wohl treffend, da es der Welten meines Wissens nur dreie gibt. Doch trotz (oder gerade wegen?) der Armut, die wirklich offensichtlich ist, haben die Einheimischen dort (vom Stamme der Sothos) eine sehr herzliche und ehrliche Art, die mich fasziniert hat. Zu keiner gab es, trotz der vielen Rands und Lebensmittel in unserem Auto, Gefühle der Aggression uns gegenüber. Höhepunkt und Beweis dieser Feststellung war der Moment, als wir bei düsterer Finsternis in einem Bergdorf (nach ca. 10 km bergig-unebener Landstraße – nicht mehr asphaltiert) gestrandet sind, wo laut Reiseführer eine „Lodge“ (Übernachtungsmöglichkeit) sein sollte. Doch erst durch die sehr freundliche Mithilfe der Dorfbewohner konnten wir das Gebäude ausmachen, das sich dann, nachdem es von diesen aufgeschlossen wurde, als exquisite Herberge (ohne Strom) herausstellte. Unser anschließendes Grillen in 3000 Höhenmetern unter einem unglaublichen Sternenhimmel – definitiv ein weiteres Highlight des Ausflugs!
Am nächsten Morgen dann standen schon um acht Uhr in der Früh die vier Bergponys für uns bereit, nach denen wir uns zuvor erkundigt hatten – eine glänzende Idee von Anne bzw. ihrem Reiseführer. Unter der Führung eines netten Dorfbewohners und seines kleinen Hundes Poopie versuchten wir uns dann knapp drei Stunden als Lesotho-Cowboys in den Bergen, mit großem Erfolg! Am nächsten Tag trug jeder von uns Muskelkater davon, Anne noch mehr da sie bei einem zwischenzeitlichen Galopp stürzte (der Sattelriemen war gerissen), doch dank ihrer Fallkünste bzw. der fehlenden Schwerkraft ging alles gut…
Zu guter Letzt ging es an den Rückweg – wir hatten im Vorfeld gehört, wie wunderschön der ostwärts gerichtete Sani-Pass ist. Die Information, die uns ausnahmslos jeder nahe legte, dass Allradantrieb unabdinglich ist, betrachteten wir als sekundär (mit Ausnahme vielleicht von Söhnke). Hey, es geht doch bergab, oder? Das klappt schon! Also machten wir uns auf den Weg. Die Straße, unasphaltiert mit teils immensem Gefälle, wurde immer schlechter, bis sie nach der Außengrenze Lesothos von regelrechten Geröllabschnitten durchsetzt wurde. Ausnahmslos jeder von uns betete, dass das Auto halten würde, der Motor sich nicht aufgibt, die Achsen halten, die Reifen nicht explodieren, die Bremsbeläge nicht schmelzen. In etlichen Abschnitten mussten alle Insassen bis auf den Fahrer einen Teil der Strecke zu Fuß absolvieren, damit das Auto höher liegt. Erste Gedanken an Trinkwasser-Rationalisierung kamen auf, an Essensvorräte, Handyempfang gab es schon lange nicht mehr, also für den Fall der Fälle…doch unser spitze Auto hielt durch! Womit ich die Gelegenheit ergreifen möchte, jeden südafrikanischen Opelhersteller, vom Designer bis zum … Schraubenmonteur, innerlich herzlich zu umarmen!
Der Sani-Pass war, wie der Ausflug nach Lesotho überhaupt, atemberaubend. Söhnke, Anne, Anna – ihr seid ein Spitzenteam! Where to next?
Bilder dazu.
Der Exkurs nach Lesotho am letzten Wochenende reiht sich in die (wachsende) Liste der Highlights ein, die man hier in Südafrika erleben kann. Spontan und ohne große Vorbereitungen geplant, fuhren wir freitags zu viert los, im Gepäck Anna (PJlerin aus Marburg) und Anne (Besuch aus Göttingen). Nach anfänglichen (und wie sich herausstellen wird überaus berechtigten) Bedenken, ob unser Opel Astra die Reise mit uns überstehen wird, sind wir dann – ohne uns einen Allrad-Antrieb zu mieten – losgefahren, mit Zelt, Kühlboxen und Reiseführer.
Auf dem Hinweg durften wir erstmalig Bekanntschaft mit der Verkehrspolizei Südafrikas machen – und hier möchte ich einen allgemeinen Ratschlag erteilen. Versucht bitte folgende drei Aussagen zu vermeiden, wenn ihr mit 30+ km/h zu schnell (bei allgemein nur erlaubten 120 km/h) angehalten werdet: 1) „I don’t believe you.“ (als Antwort auf das angesprochene Strafausmaß von 2500 Rand/250 Euro), 2) „Now do I really have to get out of my car?“ (wie unerhört auch, dass man nicht einfach direkt weiterfahren darf!), und 3) „Can you prove that the measured speed belongs to my car?!“ (mein Tacho könnte ja auch lügen) – solche Aussagen tragen nicht zur Lösung des Konfliktes mit dem Diener der Staatsgewalt bei! Gott sei Dank löste Söhnke die Situation durch versierteres Verhandlungsgeschick, und wir konnten (nach zwischenzeitlichem Drohen von Knast-Aufenthalt und Anklage) doch weiterfahren, ohne auch nur einen müden Rand zu zahlen…
In Bethlehem (einer Kleinstadt just nördlich von der Grenze Lesothos), lernten wir dann die andere Seite der Staatsmacht kennen. Auf der Suche nach einem Campingplatz (den es dort nicht gab) suchten wir Rat bei einem am Straßenrand wartenden – was sonst? (man lernt ja nicht dazu) – Verkehrspolizisten. Doch dieser entpuppte sich als so extrem zuvorkommend, dass er uns mit seinem Dienstwagen etliche Kilometer zu diversen Übernachtungsmöglichkeiten eskortierte, u.A. mit Blaulicht in entgegengesetzter Richtung einer Einbahnstraße mit uns fuhr, von seinem (Dienst?-)Handy für uns telefonierte…bis wir eine wirklich exzellente Zeltmöglichkeit im Hintergarten einer „Lodge“ fanden. Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl!
Unausgeschlafen (ein Vier-Mann-Zelt ist nicht immer ein Vier-Mann-Zelt…) aber voller Tatendrang sind wir dann am nächsten Morgen von Norden her nach Lesotho hereingefahren – oder besser hochgefahren. Wer oder was ist Lesotho? Lesotho ist ein extrem bergiges Königreich mit vereinzelten Hochplateaus, die zwischen 2000-3000 Höhenmetern liegen. Diese extremen natürlichen Gegebenheiten bieten eine faszinierende Kulisse, eine sehr klare Atmosphäre und eine große Herausforderung für unser armes Auto, das sich auf den (noch) asphaltierten Straßen mit unzähligen tückischen Schlaglöchern über teilweise große Strecken im ersten Gang hochquälen musste. Wir haben mit jedem einzelnen unserer 101 Pferde mitgezittert! Es sei noch zu erwähnen, dass die Strecke, die wir gefahren sind, Teil der „Roof of Africa“-Rallye ist, die als eine der härtesten der Welt gilt…
Des weiteren ist Lesotho eines der ärmsten Länder auf der Welt, „dritte Welt“ bezeichnet es doch wohl treffend, da es der Welten meines Wissens nur dreie gibt. Doch trotz (oder gerade wegen?) der Armut, die wirklich offensichtlich ist, haben die Einheimischen dort (vom Stamme der Sothos) eine sehr herzliche und ehrliche Art, die mich fasziniert hat. Zu keiner gab es, trotz der vielen Rands und Lebensmittel in unserem Auto, Gefühle der Aggression uns gegenüber. Höhepunkt und Beweis dieser Feststellung war der Moment, als wir bei düsterer Finsternis in einem Bergdorf (nach ca. 10 km bergig-unebener Landstraße – nicht mehr asphaltiert) gestrandet sind, wo laut Reiseführer eine „Lodge“ (Übernachtungsmöglichkeit) sein sollte. Doch erst durch die sehr freundliche Mithilfe der Dorfbewohner konnten wir das Gebäude ausmachen, das sich dann, nachdem es von diesen aufgeschlossen wurde, als exquisite Herberge (ohne Strom) herausstellte. Unser anschließendes Grillen in 3000 Höhenmetern unter einem unglaublichen Sternenhimmel – definitiv ein weiteres Highlight des Ausflugs!
Am nächsten Morgen dann standen schon um acht Uhr in der Früh die vier Bergponys für uns bereit, nach denen wir uns zuvor erkundigt hatten – eine glänzende Idee von Anne bzw. ihrem Reiseführer. Unter der Führung eines netten Dorfbewohners und seines kleinen Hundes Poopie versuchten wir uns dann knapp drei Stunden als Lesotho-Cowboys in den Bergen, mit großem Erfolg! Am nächsten Tag trug jeder von uns Muskelkater davon, Anne noch mehr da sie bei einem zwischenzeitlichen Galopp stürzte (der Sattelriemen war gerissen), doch dank ihrer Fallkünste bzw. der fehlenden Schwerkraft ging alles gut…
Zu guter Letzt ging es an den Rückweg – wir hatten im Vorfeld gehört, wie wunderschön der ostwärts gerichtete Sani-Pass ist. Die Information, die uns ausnahmslos jeder nahe legte, dass Allradantrieb unabdinglich ist, betrachteten wir als sekundär (mit Ausnahme vielleicht von Söhnke). Hey, es geht doch bergab, oder? Das klappt schon! Also machten wir uns auf den Weg. Die Straße, unasphaltiert mit teils immensem Gefälle, wurde immer schlechter, bis sie nach der Außengrenze Lesothos von regelrechten Geröllabschnitten durchsetzt wurde. Ausnahmslos jeder von uns betete, dass das Auto halten würde, der Motor sich nicht aufgibt, die Achsen halten, die Reifen nicht explodieren, die Bremsbeläge nicht schmelzen. In etlichen Abschnitten mussten alle Insassen bis auf den Fahrer einen Teil der Strecke zu Fuß absolvieren, damit das Auto höher liegt. Erste Gedanken an Trinkwasser-Rationalisierung kamen auf, an Essensvorräte, Handyempfang gab es schon lange nicht mehr, also für den Fall der Fälle…doch unser spitze Auto hielt durch! Womit ich die Gelegenheit ergreifen möchte, jeden südafrikanischen Opelhersteller, vom Designer bis zum … Schraubenmonteur, innerlich herzlich zu umarmen!
Der Sani-Pass war, wie der Ausflug nach Lesotho überhaupt, atemberaubend. Söhnke, Anne, Anna – ihr seid ein Spitzenteam! Where to next?
Bilder dazu.
Mittwoch, 14. April 2010
Autodoktoren
Auto im Arsch. Allerdings schon vorvergangenes Wochenende. Ich bin hier viel unterwegs und komme daher nicht zum bloggen. Wir hatten schon seit einiger Zeit bemerkt, dass irgendwas mit der Kupplung nicht richtig war – man musste sie, va. bergauf, selbstständig per Fußrücken hochziehen, damit die Karre wieder ein bisschen zog. Am schlimmsten war es, als ich mit Adela in den Drakensbergen unterwegs war, und wir kaum noch die Berge, mitten im nirgendwo, hochgekommen sind. Da hat es uns aber noch sicher nach Hause gefahren. Vorletzten Sonntag dann wollten wir einen Ausflug machen: Krokodile im Crocpark sehen und anschließend dort Krokodile essen. Wir sind mit Annes Auto, einer Deutschen, die wir hier kennengelernt haben hin, und haben unser Auto an zwei andere deutsche Medizinstudentinnen hier ausgeliehen, die damit zum Stadtstrand wollten. Die Armen waren kaum hier angekommen, und sind dann mit unserer alten Lady direkt mal liegen geblieben. In der Zwischenzeit waren wir schon 50km aus Durban entfernt, dick am Krokodil essen. Der Park hatte leider schon zu und wir konnten nur ein paar Exemplare von außen fotografieren. Das Essen war ganz gut, aber weniger spektakulär als gedacht. Reptilienfleisch schmeckt irgendwie nach Huhn-Schwein-Kreuzung. Wir sind dann ziemlich bald nach der Autonachricht zurück nach Durban gefahren, haben uns von uns unbekannten, aber wieder ultranetten Menschen abschleppen lassen. Unser Autoberater- und Gottseidank auch -mechaniker Winston stellte die Diagnose: Kupplung im Arsch. Was auch immer das für eine Konsequenz hatte, es war uns bis dahin unklar. Winston war allerdings ganz guter Dinge, und meinte, er könne uns erklären, was wir zu tun hätten, um die Kupplung zu wechseln. Für 70 Euro gabs das neue Material und so wurde dann am Montag nicht Patienten- sondern Autoreparieren gestartet. In 5 Stunden Arbeit haben wir fast den kompletten Motorraum auseinander genommen, das weggerauchte Kupplungsblatt unter Winstons fachmännischer Beratung und auch tatkräftiger Mitarbeit ausgewechselt (möglichst nicht allzu tatkräftig, da er sich an einem Bandscheibenvorfall ohne Krankenversicherung erfreut, und sich schon bei der letzten Autoteileauswechselgeschichte einen ordentlichen Schuss eingefangen hat, mit Taubheit und Motorikausfall im Bein; Neurologe Micha hat sofort die Höhe, des Vorfalls diagnostiziert, konnte aber wie ich auch nix für den alten Herrn tun, außer ihn ins Bett tragen und hoffen, dass das bald wieder weggeht). Allerdings eben immer mit der Angst, dass Winston wieder einen kleinen Vorfall hat, und wir ohne ihn nicht weitermachen können…
Das Ding haben wir aber dann super wieder in Schuss bekommen. Unter total beschissenen Bedingungen haben wir die Kiste aufgebockt, auf einer schrägen Einfahrt, abgestützt mit Reifen und Backsteinen und mit nichts mehr als dem, was die normalo-Heimwerkerwerkstatt so hergibt, wurde mit uns Automotorsport-Nixblickern die alte Dame bestens repariert.
Nachhaltig bestens repariert, denn der Opel musste am vergangenen Wochenende einiges reißen. Wir waren im Königreich Lesotho unterwegs, was uns auf über 3500m führte, bei teilweise unmöglicher Straßenlage und Wegen, die zumindest uphill nur mit einem 4-Rad-Antrieb machbar sind, und downhill auch eine unheimliche Herausforderung für Fahrzeug und Fahrzeugführer darstellten. Beide haben beides bestens gemeistert! Näheres gibt es aber dazu im nächsten Beitrag, und da darf ich stolz wie auch flitzebogen-gespannt, gespickt mit großen Erwartungen kund tun, dass Big M – Micha – da Greek – Seiradakis hoffentlich bald und in griechischer Manier einige Verse zu Papier bringt, die Homers Ilias vor blankem Neid erblassen lassen.
Hier ein paar Bilder von wilden und nicht mehr wilden Krokodilen sowie fingerfertigen Automechanikern.
Das Ding haben wir aber dann super wieder in Schuss bekommen. Unter total beschissenen Bedingungen haben wir die Kiste aufgebockt, auf einer schrägen Einfahrt, abgestützt mit Reifen und Backsteinen und mit nichts mehr als dem, was die normalo-Heimwerkerwerkstatt so hergibt, wurde mit uns Automotorsport-Nixblickern die alte Dame bestens repariert.
Nachhaltig bestens repariert, denn der Opel musste am vergangenen Wochenende einiges reißen. Wir waren im Königreich Lesotho unterwegs, was uns auf über 3500m führte, bei teilweise unmöglicher Straßenlage und Wegen, die zumindest uphill nur mit einem 4-Rad-Antrieb machbar sind, und downhill auch eine unheimliche Herausforderung für Fahrzeug und Fahrzeugführer darstellten. Beide haben beides bestens gemeistert! Näheres gibt es aber dazu im nächsten Beitrag, und da darf ich stolz wie auch flitzebogen-gespannt, gespickt mit großen Erwartungen kund tun, dass Big M – Micha – da Greek – Seiradakis hoffentlich bald und in griechischer Manier einige Verse zu Papier bringt, die Homers Ilias vor blankem Neid erblassen lassen.
Hier ein paar Bilder von wilden und nicht mehr wilden Krokodilen sowie fingerfertigen Automechanikern.
Mittwoch, 7. April 2010
Besuch aus Deutschland…
…den ich leider gerade wieder zum Flughafen zurück gebracht habe.
Für eine gute Woche hat Adela mich hier in Durban besucht, daher war in der letzten Zeit leider nichts mit bloggen. Kurz bevor ich mich nach Südafrika aufgemacht habe, hat sie sich für uns einen Flug nach Durban gebucht, was natürlich super war, und mir mit dieser Perspektive den Abschied von Deutschland und ihr wesentlich erleichtert hat.
Eine Woche ist für Südafrika natürlich extrem kurz, also haben wir versucht diese Zeit mit vielen Eindrücken, aber möglichst stressfrei zu füllen. Und ich glaube, dass wir das ganz gut geschafft haben. Neben Strand und natürlich wieder Safari waren wir noch in den Drakensbergen, einem Gebirgszug der Südafrika vom Königreich Lesotho trennt. Über das Osterwochenende fand dort ein Festival statt, das sog. Splashy Fen, benannt nach der Farm, die die Fläche verpachtet, auf der das Festival stattfindet. Auf dem Flyer dafür sind die GPS-Daten von der Weide angegeben. Einerseits hat das gewissermaßen Stil, andererseits kann man ansonsten durchaus Probleme bekommen, dort hinzufinden, da man mehrere Kilometer nur äußerst beschissene Feldwege fährt, und lediglich ein einziges 40 Quadratzentimeterschild auf dieses Festival hinweist, wenn man die geteerte Straße zu verlassen hat. Aus dämlichen organisatorischen Gründen konnten wir keine Nacht dort schlafen, und sind bei einem Campingplatz abgestiegen, der von einem dauerbesoffenen Ex-Farmer betrieben wird, und haben eine Nacht im Auto geschlafen. Am nächsten Tag ging es dann für eine vierstündige Wanderung in die Berge. Bei zu viel Sonne und Restalkoholintoxikation waren die vielen Bergflüsse und -seen eine willkommene Abkühlung bei einer unglaublich schönen Landschaft. Auf der Wanderkarte, die aussah wie selbstgemalt und wenig vertrauenerweckend, konnte man ankreuzen, welche Tiere man gesehen hat. Sorge haben uns die zahlreichen Schlangenarten und der Leopard bereitet, von denen wir wegen des kniehohen Grases, abgesehen von einer Minischlange aber nichts gesehen oder gespürt haben…
Die Safari war auch ein Knaller. Im Prinzip ähnlich wie die letzte, aber in einem Punkt ein bisschen aufregender: Vor einer Kurve bat Adela mich zu stoppen, da sie links von uns etwas gesehen hat. Im dichten Gestrüpp stand keine 10 Meter von uns entfernt ein Elefant. Also übliches Procedere: Kamera raus, und versuchen ein gutes Bild von dem Kollegen zu machen. Plötzlich krachte Unterholz, irgendwo im Umkreis von 20 Metern trompetete irgendein Elefant und direkt vor unserem Auto donnerte erst ein Nashorn über die Straße, gefolgt von einer Elefantenmama, die, so weit wir ihre Gestik richtig verstehen, wie wild und mit aufgestellten Ohren hinter dem Nashorn her war, wiederum gefolgt von dem Grund ihrer Aufregung, ihrem kleinen Elefantenkind. Ich hab keine Ahnung, wie lange wir vor Aufregung nicht geatmet haben und will nicht wissen, was passiert wäre, wenn wir einfach weiter gefahren wären. Auf jeden Fall wären wir mitten drin, statt nur dabei gewesen. Gemütlicher ging es dafür auf der Bootstour zu, bei der wir zahlreiche Hippos und endlich auch ein Krokodil gesehen haben!
Hier so einige Bilder dazu.
Für eine gute Woche hat Adela mich hier in Durban besucht, daher war in der letzten Zeit leider nichts mit bloggen. Kurz bevor ich mich nach Südafrika aufgemacht habe, hat sie sich für uns einen Flug nach Durban gebucht, was natürlich super war, und mir mit dieser Perspektive den Abschied von Deutschland und ihr wesentlich erleichtert hat.
Eine Woche ist für Südafrika natürlich extrem kurz, also haben wir versucht diese Zeit mit vielen Eindrücken, aber möglichst stressfrei zu füllen. Und ich glaube, dass wir das ganz gut geschafft haben. Neben Strand und natürlich wieder Safari waren wir noch in den Drakensbergen, einem Gebirgszug der Südafrika vom Königreich Lesotho trennt. Über das Osterwochenende fand dort ein Festival statt, das sog. Splashy Fen, benannt nach der Farm, die die Fläche verpachtet, auf der das Festival stattfindet. Auf dem Flyer dafür sind die GPS-Daten von der Weide angegeben. Einerseits hat das gewissermaßen Stil, andererseits kann man ansonsten durchaus Probleme bekommen, dort hinzufinden, da man mehrere Kilometer nur äußerst beschissene Feldwege fährt, und lediglich ein einziges 40 Quadratzentimeterschild auf dieses Festival hinweist, wenn man die geteerte Straße zu verlassen hat. Aus dämlichen organisatorischen Gründen konnten wir keine Nacht dort schlafen, und sind bei einem Campingplatz abgestiegen, der von einem dauerbesoffenen Ex-Farmer betrieben wird, und haben eine Nacht im Auto geschlafen. Am nächsten Tag ging es dann für eine vierstündige Wanderung in die Berge. Bei zu viel Sonne und Restalkoholintoxikation waren die vielen Bergflüsse und -seen eine willkommene Abkühlung bei einer unglaublich schönen Landschaft. Auf der Wanderkarte, die aussah wie selbstgemalt und wenig vertrauenerweckend, konnte man ankreuzen, welche Tiere man gesehen hat. Sorge haben uns die zahlreichen Schlangenarten und der Leopard bereitet, von denen wir wegen des kniehohen Grases, abgesehen von einer Minischlange aber nichts gesehen oder gespürt haben…
Die Safari war auch ein Knaller. Im Prinzip ähnlich wie die letzte, aber in einem Punkt ein bisschen aufregender: Vor einer Kurve bat Adela mich zu stoppen, da sie links von uns etwas gesehen hat. Im dichten Gestrüpp stand keine 10 Meter von uns entfernt ein Elefant. Also übliches Procedere: Kamera raus, und versuchen ein gutes Bild von dem Kollegen zu machen. Plötzlich krachte Unterholz, irgendwo im Umkreis von 20 Metern trompetete irgendein Elefant und direkt vor unserem Auto donnerte erst ein Nashorn über die Straße, gefolgt von einer Elefantenmama, die, so weit wir ihre Gestik richtig verstehen, wie wild und mit aufgestellten Ohren hinter dem Nashorn her war, wiederum gefolgt von dem Grund ihrer Aufregung, ihrem kleinen Elefantenkind. Ich hab keine Ahnung, wie lange wir vor Aufregung nicht geatmet haben und will nicht wissen, was passiert wäre, wenn wir einfach weiter gefahren wären. Auf jeden Fall wären wir mitten drin, statt nur dabei gewesen. Gemütlicher ging es dafür auf der Bootstour zu, bei der wir zahlreiche Hippos und endlich auch ein Krokodil gesehen haben!
Hier so einige Bilder dazu.
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